Zusammenfassung

Die weinende Julia Applegate taucht in der Zentrale auf und bittet die drei ???, ihrem 'Teddy' zu helfen. Ihr Bruder Ted habe ihr eine E-Mail geschickt, er sei in Gefahr. Das Problem: Laut Julias Vater ist Ted vor vier Wochen bei einem Autounfall gestorben, auch wenn seine Leiche nie gefunden wurde. Bei der Untersuchung von Julias Computer entdecken die Detektive eine erst gestern eingegangene E-Mail mit dem Bild einer Königskobra. Durch eine Notiz auf der Schreibtischunterlage ('Stego') kommt Justus auf die Spur der Steganografie. Während Justus beim Passwortraten scheitert, gelingt es Peter durch visuelles Denken, das Wort 'Butler' aus den auf dem Kopf stehenden Zahlen einer Kritzelei zu entschlüsseln. Die Nachricht bestätigt: Ted lebt, warnt vor der Polizei und bittet um ein Treffen bei 'Omega, 4-14'.

Justus kombiniert, dass es sich um das Grab der Mutter handelt (Omega für Ende/Tod, Reihe 4, Grab 14). Auf dem Friedhof finden sie eine Memory-Karte mit einer aufgeklebten Kobra, werden aber durch das Geräusch einer Klapperschlange vertrieben – was sich später als Tonband-Trick der Verfolger herausstellt. Ein TV-Bericht bringt die Erleuchtung: Das Kobra-Logo gehört zu 'CoBRA Industries', einer Firma, die gerade einen riesigen Regierungsauftrag für Verschlüsselungssoftware erhalten hat. Der Firmenchef Colin B. Rafter ist der Drahtzieher.

Die drei ??? dringen in das stark gesicherte Firmengebäude ein, wo sie jedoch bereits erwartet werden. Rafter und sein Handlanger Archie haben Ted und Julia in ihrer Gewalt. Ted, ein genialer Programmierer, hatte seinen Tod vorgetäuscht, weil Rafter ihn zwingen wollte, eine Hintertür in das Regierungsprogramm einzubauen. Nun soll er die Arbeit unter Androhung von Gewalt gegen Julia beenden. In einem dramatischen Finale täuscht Ted vor, die Hintertür zu öffnen ('Escape-Taste'), was Justus nutzt (oder Ted so vorbereitet hat), um einen Stromausfall/Systemabsturz zu provozieren. Dank einer heimlichen SMS von Peter stürmt Inspektor Cotta im letzten Moment das Gebäude und verhaftet die Verbrecher.

Review

Codename: Cobra – Wenn Peter hackt und der Bösewicht flucht
Tote, die E-Mails schreiben und ein Bösewicht mit der wohl dreckigsten Klappe der Seriengeschichte. Warum Folge 116 trotz Logiklöchern Kultstatus hat und Peter Shaw hier allen die Show stiehlt!

Hallo liebe Detektiv-Kollegen und Kassettenkinder,

heute werfen wir den Walkman an für eine Folge, die uns direkt in die wilden 2000er katapultiert. Eine Zeit, in der USB-Sticks noch so groß wie Feuerzeuge waren und 128 MB Speicherplatz als „unerschöpflich“ galten. Wir besprechen Folge 116: Codename: Cobra. Geschrieben von Marco „Action“ Sonnleitner, der hier zeigt, dass er nicht nur Sport-Szenen kann, sondern auch Cyber-Thriller. Also, setzt euch eure Hacker-Sonnenbrillen auf, wir tauchen ab in den Code!

ERSTER EINDRUCK


Das Cover schreit einen förmlich an: Eine riesige Kobra, düstere Farben – das sieht weniger nach gemütlichem Rätselraten bei Tante Mathilda aus und mehr nach „Alarm für Cobra 11“ in Rocky Beach. Und genau so fühlt es sich auch an. Es geht zackig los, technisch wird’s (für 2004er Verhältnisse) hochkomplex und die Stimmung ist deutlich rauer als gewohnt. Man merkt sofort: Hier weht ein anderer Wind, und der riecht nach Serverräumen und Angstschweiß.

DIE STORY


Klassischer Einstieg mit Twist: Ein Klient taucht auf. Oder besser gesagt: Die zehnjährige Julia. Ihr Problem? Ihr Bruder Ted schreibt ihr E-Mails. Klingt nett, wäre da nicht das kleine Detail, dass Ted vor vier Wochen bei einem Autounfall ums Leben kam. Ups. Justus wittert sofort Lunte (und einen neuen Fall). Auf Julias Computer finden sie eine Datei mit einer Kobra und einem versteckten Code. Das führt die drei ??? auf einen Friedhof (natürlich nachts, wann sonst?), wo sie fast zu Schlangenfutter werden. Die Spur leitet sie zu „CoBRA Industries“, einer Firma, die Regierungsaufträge für Verschlüsselungstechnik hat. Es stellt sich heraus: Ted lebt! Er hat seinen Tod vorgetäuscht, weil sein Chef, der charmante Herr Rafter, ihn zwingen will, eine Hintertür in eine Software einzubauen. Am Ende müssen unsere Detektive in die Höhle des Löwen (bzw. der Schlange) eindringen, um Ted und Julia zu retten.

UNSERE HELDEN


Justus: Unser Erster Detektiv hat hier Licht und Schatten. Er brilliert beim „Omega“-Rätsel auf dem Friedhof (typischer Justus-Moment: Er weiß Dinge, die sonst nur Friedhofsgärtner wissen). Aber: Er scheitert grandios am Computer-Passwort. Zu sehen, wie Justus „The Brain“ Jonas an einem simplen Code verzweifelt, ist Balsam für die Seele jedes Normalsterblichen. Sein „Ich kann nicht mehr“ ist fast schon historisch.

Peter: Leute, wir müssen reden. Peter Shaw ist der MVP dieser Folge! Während Justus noch über Algorithmen brütet, nutzt Peter seine visuelle Begabung (und vermutlich seinen leeren Magen), um das Passwort „BUTLER“ zu knacken, indem er die Zahlen einfach mal andersrum betrachtet. Bam! Außerdem rettet er am Ende allen den Hintern mit einer heimlichen SMS an Cotta. Peter ist hier nicht der Angsthase, sondern der Macher. Applaus!

Bob: Unser Archivar ist solide wie immer. Er recherchiert fleißig über Teds Vergangenheit („Teddy Bite“), bleibt aber im actionreichen Finale leider etwas blass. Bob ist hier eher der Support-Charakter, der die Heiltränke reicht, während Peter und Justus den Boss-Fight machen.

DIE GEGENSPIELER


Colin B. Rafter ist ein Bösewicht für die Geschichtsbücher – aber vielleicht nicht so, wie er es wollte. Er ist der wohl unflätigste Schurke, der je einen Fuß nach Rocky Beach gesetzt hat. Seine Beleidigungen sind legendär (dazu gleich mehr). Er wirkt herrlich schmierig, brutal und cholerisch. Sein Handlanger Archie ist der klassische „Mann fürs Grobe“, der aber immerhin bedrohlich genug wirkt, um Peter nervös zu machen.

BESTE MOMENTE


1. Peter knackt den Code: Der Moment, in dem Peter Justus beim Denken überholt, ist Gold wert. „Du musst es nur richtig ansehen, Just!“
2. Die Friedhofs-Szene: Nachts, Nebel, ein ominöses Grab und dann das Rasseln einer Klapperschlange (auch wenn’s nur vom Band kommt). Das ist klassische Grusel-Atmo, wie wir sie lieben.
3. Das Finale: Ein inszenierter Systemabsturz, eine fingierte „Escape“-Taste und Cotta, der wie das SEK persönlich die Tür eintritt. Das ist Action-Kino für die Ohren.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der Plan des Bösewichts ist löchriger als ein Schweizer Käse nach einem Schrotflinten-Beschuss. Warum lässt Rafter das Werkstor offen? Damit die Detektive leichter reinkommen, um gefangen genommen zu werden? Das ist Bond-Bösewicht-Logik auf niedrigstem Niveau. Und warum schickt Ted das Kobra-Bild an den Polizeichef, wenn er doch untergetaucht bleiben will? Da hat Kollege Sonnleitner die Logik ein bisschen der Dramaturgie geopfert.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge markiert endgültig den Einzug des modernen Zeitalters in die Serie. Während man früher noch in Bibliotheken blätterte, wird hier gehackt, gemailt und SMS getippt. Sie steht in einer Reihe mit Tech-Folgen wie „Netz der Lügen“, wirkt aber durch die Härte der Gangster fast schon wie ein Vorläufer der späteren, düstereren Fälle. Interessant: Inspektor Cotta etabliert sich hier immer mehr als der „Freund und Helfer“, der auch mal illegale Aktionen der Jungs deckt, wenn es hart auf hart kommt. Er ist längst mehr als nur der Reynolds-Ersatz.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier wird es interessant!
Volker Bogdan (Rafter): Eine Legende! Leider 2021 verstorben. Man kannte seine raue Stimme aus unzähligen Europa-Hörspielen (oft bei TKKG als zwielichtiger Typ). Hier darf er so richtig vom Leder ziehen.
Sophie Lechtenbrink (Julia): Der Name klingelt? Genau, sie ist die Tochter des großartigen Volker Lechtenbrink (die Stimme vom A-Team Intro!). Talent liegt also in der Familie.
Jona Mues (Teddy): Auch hier ein berühmter Vater: Dietmar Mues. Jona spielt den verzweifelten Hacker sehr überzeugend.
Holger Mahlich (Cotta): Muss man nicht vorstellen, aber er liefert hier eine seiner besten „Ich bin genervt, aber ich helfe euch“-Performances ab.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Das Buch erschien im Februar 2004, das Hörspiel folgte im Juni. Marco Sonnleitner war zu dieser Zeit noch recht frisch dabei und brachte seinen typischen, tempo-orientierten Stil ein. Ein spannendes Detail: Im Buch ist die Handlung natürlich ausführlicher, aber das Hörspiel wirkt durch die Kürzungen fast noch hektischer – was hier aber gut zur „Wettlauf gegen die Zeit“-Stimmung passt. André Minninger hat beim Skript ganze Arbeit geleistet, auch wenn das Ende (Justus erklärt alles im Schnelldurchlauf) etwas abrupt wirkt.

FAN-SERVICE & TRIVIA


Jetzt kommt der Elefant im Raum: Die Schimpfwörter. Diese Folge ist berüchtigt für Rafters Wortwahl. Er nennt Ted einen „Pisser“ und verwendet Ausdrücke wie „Arsch“. Für die heile Welt der drei ??? war das 2004 ein echter Skandal! Fans diskutieren bis heute, ob das nötig war oder ob es die Serie „erwachsener“ machen sollte. Fakt ist: Es bleibt im Gedächtnis.
Ein schönes Easter Egg ist die Steganografie selbst – damals für viele Kids echtes Neuland, heute Standardwissen. Justus erklärt es so schön lehrerhaft, dass man sich fast Notizen machen möchte.

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Codename: Cobra“ ist ein solider Action-Thriller mit kleinen Logiklöchern, aber hohem Unterhaltungswert. Wer Peters Sternstunden liebt und mal hören will, wie ein Bösewicht die Contenance verliert, ist hier richtig. Es ist keine Gruselfolge, sondern eher ein „Tech-Abenteuer“. Für Puristen vielleicht zu modern, für Action-Fans genau richtig.

Ranking-Potenzial: Solides Mittelfeld mit Tendenz nach oben wegen des Kult-Faktors der Schimpfwörter.

Wusstest du schon?

Die Folge fällt durch ungewöhnlich harsche Ausdrücke des Bösewichts auf ('Pisser', 'Arsch'), was für die Serie untypisch ist.
Das Rätsel um das Passwort 'Butler' wird im Hörspiel durch Peters visuelle Begabung gelöst, was seine Rolle als mehr als nur der 'Sportler' unterstreicht.
Marco Sonnleitner thematisiert hier Steganografie, was 2004 ein recht modernes Thema für ein Jugendhörspiel war.
Cover
Bewertung
6.5
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6,5 von 10 versteckten Pixeln
Das Rätsel
Die Steganografie-Idee ist modern und clever, auch wenn das 'Stego'-Gekritzel ein sehr bequemer Zufall ist. Das Omega-Rätsel auf dem Friedhof ist klassische drei ???-Kost und logisch hergeleitet.
Plot & Logik
Der Plan des Bösewichts hat Lücken: Warum schickt Ted das Kobra-Bild an den Polizeichef, wenn er nicht gefunden werden will? Und warum lässt Rafter die Detektive so einfach ins Gebäude spazieren ('Tor offen lassen'), nur um sie dann auch noch bewachen zu müssen? Das wirkt etwas konstruiert, um alle Figuren an einen Ort zu bekommen.
Kapitel
1 Schwierigkeiten 0:00 min
2 Autounfall 4:36 min
3 Ω, 4-14 25:55 min
4 Verschlüsselt 28:33 min
5 Abhauen! 33:27 min
6 "Memory" 37:44 min
7 Co.B.Ra 44:14 min
8 Babylonia 53:39 min
9 Rumpelstilzchenfaktor 59:01 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Hat starke Momente bei der Analyse (Omega, Steganografie), scheitert aber herrlich menschlich am Passwort ('Ich kann nicht mehr'). Seine Arroganz ('Du wirst befördert, Zweiter') blitzt schön auf.
P
Peter Shaw
Der heimliche Held der Folge! Er knackt das Passwort visuell, wo Justus versagt, und rettet am Ende alle durch seine SMS an Cotta. Trotz Angst auf dem Friedhof sehr kompetent.
B
Bob Andrews
Liefert wichtige Hintergrundinfos über 'Teddy Bite' durch Recherchen bei seinem Vater, bleibt im Finale aber etwas blass.

Sprecher

Verwandte Folgen

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