Zusammenfassung

Die drei Fragezeichen genießen einen seltenen freien Tag mit einem Picknick im Wald, als sie Schreie hören. Sie finden die sechsjährige Emily Silverstone, die am Kopf verletzt ist und behauptet, ein Drache habe sie attackiert, während sie Zauberblumen für die Elfenkönigin pflückte. Die Detektive bringen sie zu dem nahegelegenen Augenarzt Dr. Wakefield zur Erstversorgung und anschließend nach Hause zu ihrer Mutter. Mrs. Silverstone erklärt, dass Emily eine extrem lebhafte Fantasie hat und Dinge sieht, die für andere unsichtbar sind.

Zurück am Tatort finden die Detektive eine dunkelgrüne Feder und entdecken kurz darauf einen seltsamen Vogel, der tatsächlich an einen kleinen Drachen erinnert. Peter verfolgt das Tier, beobachtet aber nur, wie es auf der Schulter eines Mannes landet, der in einem grünen Auto davonfährt. Bei weiteren Nachforschungen treffen sie auf die exzentrische Nachbarin Alruna, die von Emily 'Elfenkönigin' genannt wird. Sie warnt vor dem 'Vogelmann'. Am nächsten Tag stellt Bob fest, dass er sein gelbes Notizbuch im Wald verloren hat – ein fataler Verlust, da darin alle Ermittlungsergebnisse stehen.

Die Lage spitzt sich zu, als Emily entführt wird. Justus kombiniert brillant: Emily ist eine Tetrachromatin – sie besitzt vier statt drei Farbrezeptoren im Auge und kann somit Farben und Muster sehen, die für normale Menschen unsichtbar sind (z.B. in rein gelben Flächen). Dies erklärt ihre 'Fantasiewesen'. Auch die verstorbene Künstlerin Martha Lake war Tetrachromatin und hat ihr Erbe so versteckt, dass nur jemand mit dieser Gabe es finden kann. Justus verdächtigt zunächst Dr. Wakefield, doch als sie den Steinkreis 'Das Auge des Drachen' aufsuchen, werden sie von Marcus Lake (dem Cousin von Martha Lakes Neffen Michael) mit einer Pistole überrascht. Er hat Emily entführt und Bobs gelbes Notizbuch durch seinen auf die Farbe Gelb dressierten Kea-Papageien (den 'Drachen') stehlen lassen. Marcus zwingt Emily, die geheimen Botschaften auf den Steinen zu lesen.

Emily behauptet, das Auge blicke zu einem Vogelhäuschen. Als Peter hinaufklettert, um nach dem Schatz zu sehen, nutzt er den Moment der Ablenkung. Marcus Lake wird überwältigt (auch dank des Papageis Nestor, der ihn in den Finger beißt). Im Vogelhäuschen findet sich tatsächlich der wertvolle Schmuck von Martha Lake.

Review

Wenn Papageien Autos fressen und Justus Farben sieht – Ein Drache in Rocky Beach?
Ein kleiner Drache, ein großes Geheimnis und ein Bob Andrews, der besser auf sein Tagebuch aufgepasst hätte. Warum Folge 113 'Das Auge des Drachen' ein wissenschaftliches Märchen ist, das ihr gehört haben müsst.

Moin, liebe Detektiv-Kollegen und Freunde des gepflegten Mysteriums!

Hier ist wieder euer selbsternannter vierter Detektiv, und heute müssen wir reden. Worüber? Über Drachen. Ja, richtig gehört. In Rocky Beach. Normalerweise haben wir es ja eher mit tanzenden Teufeln, flüsternden Mumien oder lachenden Schatten zu tun, aber in Folge 113, „Das Auge des Drachen“, wird es fantastisch. Oder sagen wir besser: Es scheint fantastisch zu werden, bis Justus Jonas den Realitäts-Hammer schwingt.

Schnappt euch ein Stück von Tante Mathildas Kirschkuchen (aber vorsicht, splittert die Kerne nicht!), lehnt euch zurück und lasst uns in den Wald von Rocky Beach eintauchen.

ERSTER EINDRUCK


Kennt ihr diese Folgen, die sich anfühlen wie ein warmer Sommertag in der Kindheit? Genau so startet dieses Abenteuer. Unsere drei Helden machen ein Picknick (!). Kein Fall, keine Visitenkarten-Verteil-Aktion, einfach nur Chillen im Wald. Allein dafür liebe ich den Einstieg schon. Es ist diese „Ruhe vor dem Sturm“-Atmosphäre, die André Marx (der Gottvater der komplexen Plots) hier meisterhaft aufbaut. Wenn dann plötzlich ein kleines Mädchen schreiend aus dem Unterholz bricht und von einem Drachen faselt, sind wir sofort im Modus: „Okay, was zur Hölle passiert hier?“

Man denkt im ersten Moment: „Oh nein, wird das jetzt Fantasy?“ Aber als alter Hase weiß man natürlich: Bei den drei ??? gibt es keine Geister (außer in Folge... ach lassen wir das). Der erste Eindruck ist also: Mystisch, atmosphärisch dicht und herrlich „oldschool“.

DIE STORY


Kurz und schmerzlos für alle, die ihr Gedächtnis gerade gelöscht haben: Picknick im Wald. Schreiendes Kind (Emily). Sie behauptet, ein Drache habe sie angegriffen. Unsere Jungs sind skeptisch, aber hilfsbereit (vor allem Peter, der alte Kinderversteher). Sie bringen Emily nach Hause und erfahren, dass die Kleine eine blühende Fantasie hat – oder doch nicht? Denn plötzlich sehen die drei ??? selbst ein grünes, geflügeltes Wesen am Himmel.

Es entspinnt sich eine Geschichte um ein verschollenes Erbe, eine exzentrische Nachbarin namens Alruna (die „Elfenkönigin“), einen zwielichtigen Typen im grünen Auto und – haltet euch fest – Bobs verlorenes Notizbuch. Ja, unser Archivar hat geschlampt! Das Ganze gipfelt in einer Entführung und einer Schatzsuche in einem mysteriösen Steinkreis. Klingt wild? Ist es auch.

UNSERE HELDEN

Justus „The Brain“ Jonas:
Leute, Justus ist in dieser Folge in absoluter Höchstform. Und zwar nicht im „Ich esse alles weg“-Modus, sondern im „Ich erkläre euch die Welt“-Modus. Seine Deduktion bezüglich der Tetrachromatie (dazu später mehr) ist einer der besten Sherlock-Holmes-Momente der jüngeren Seriengeschichte. Er nimmt ein scheinbar magisches Phänomen und zerlegt es wissenschaftlich so präzise, dass man fast Mitleid mit dem Mysterium hat.

Peter „Der Sportler“ Shaw:
Peter muss hier mal wieder rennen und klettern, aber was mir besonders gefällt: Er ist der emotionale Anker. Während Justus das Mädchen Emily wie ein interessantes Studienobjekt betrachtet, ist Peter derjenige, der sie tröstet und ernst nimmt. Ein echter „Good Guy“. Plus: Er klettert am Ende todesmutig auf Vogelhäuschen. Respekt.

Bob „Recherchen & Archiv“ Andrews:
Oh, Bob... mein lieber Bob. Wir müssen reden. Du bist der Mann, der Staubkörner katalogisiert. Der Mann, der in der Bibliothek wohnt. Und DU verlierst dein Notizbuch? Im Wald? Und nicht irgendeins, sondern das knallgelbe, in dem ALLE Lösungen stehen? Das ist so, als würde James Bond seine Lizenz zum Töten im Bus liegen lassen. Es ist der treibende Motor der Handlung (weil der Bösewicht so an Infos kommt), aber es tut beim Zuhören fast körperlich weh. Bob, wir lieben dich trotzdem, aber das gibt Abzüge in der B-Note!

DIE GEGENSPIELER


Der Bösewicht ist Marcus Lake. Er ist... okay. Ein klassischer Erbschleicher-Typ, der über Leichen geht, aber jetzt kein Supervillain wie Skinny Norris oder Hugenay. Er wirkt fast ein bisschen getrieben von der Situation.

ABER der wahre „Gegenspieler“ (oder eher das Werkzeug) ist der „Drache“. Spoiler: Es ist ein Kea, ein Bergpapagei aus Neuseeland. Und dieser Vogel, Nestor, stiehlt allen die Show. Er zerlegt Autos, klaut Notizbücher und beißt Bösewichten in die Finger. Ich fordere hiermit ein Spin-off: „Nestor ermittelt“.

BESTE MOMENTE

1. Die wissenschaftliche Auflösung: Als Justus erklärt, was Tetrachromatie ist. Dass manche Menschen (meist Frauen) vier Farbrezeptoren haben und somit Farben sehen können, die für uns „Normalsichtige“ unsichtbar sind. Das ist kein hanebüchener Unfug, das ist echte Wissenschaft! André Marx, du Fuchs!
2. Nestors Attacke: Die Beschreibung, wie der Kea die Gummidichtungen aus dem Auto frisst. Bobs Recherche dazu („Die zerlegen alles!“) ist Gold wert.
3. Alrunas Auftritt: Wenn die drei ??? die Hütte der „Elfenkönigin“ betreten. Die Atmosphäre kippt kurz ins Märchenhafte, getragen von einer grandiosen Sprecherleistung (siehe unten).

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der Zufall, dass Bob sein Notizbuch verliert, ist schon groß. Aber dass der Papagei ausgerechnet darauf trainiert ist, gelbe Gegenstände zu klauen, und Bob ausgerechnet ein gelbes Notizbuch hat, und er es ausgerechnet dort verliert, wo der Vogel ist... Puh. Das ist schon eine Konstruktion, die man nur mit viel Fan-Liebe schluckt. Das ist der klassische „Plot-Convenience“-Moment. Ohne diesen Zufall wäre der Fall nach 20 Minuten vorbei gewesen.

Auch das Finale ist im Vergleich zum mystischen Aufbau etwas... profan. Ein Mann mit Pistole im Wald. Das hatten wir schon oft. Da hätte ich mir etwas Kreativeres gewünscht, das mehr zum „Drachen“-Thema passt.

SERIEN-KONTEXT


Folge 113 stammt aus der Feder von André Marx, der die Serie in den 100er-Folgen maßgeblich geprägt hat (er schrieb auch das Jubiläum „Feuermond“). „Das Auge des Drachen“ gilt unter Fans als eine der „leisen“ Folgen. Keine Explosionen, keine internationalen Verschwörungen, sondern ein lokales, fast intimes Rätsel.

Sie passt perfekt in die Ära der frühen 2000er, wo die Serie versuchte, wieder etwas bodenständiger und rätsellastiger zu werden, nachdem es in den 90ern teilweise sehr actionlastig (und trashig) zuging.

Interessant: Die Figur der Emily ist laut André Marx tatsächlich der Tochter einer Freundin nachempfunden. Das merkt man der Figur an, sie wirkt lebendiger als das 08/15-Hörspielkind.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Jetzt wird es nerdig, Leute! Die Besetzung ist ein Fest:

Alruna: Gesprochen von der legendären Gisela Trowe. Und wenn euch die Stimme bekannt vorkommt: Sie war Mrs. Darnley in „Der Zauberspiegel“ (Folge 16)! Und Brenda Macomber in „Die Silbermine“! Eine absolute Ikone der Europa-Hörspiele. Dass sie hier als leicht verschrobene „Elfenkönigin“ auftritt, ist ein wunderbares Easter Egg für Langzeithörer.
Marcus Lake: Hier hören wir Thomas Karallus. Und wenn ihr beim Zuhören plötzlich Lust auf Pizza habt oder Pakete ausfahren wollt, liegt das daran, dass er die deutsche Feststimme von Kevin James (Doug Heffernan in „King of Queens“) ist! Er ist außerdem ein begnadeter Hörspielregisseur (z.B. bei „4 ½ Freunde“).
Emily: Gesprochen von Madeleine Weingart. Sie macht das super – nicht zu nervig, nicht zu altklug. Genau die richtige Dosis „kindliche Überzeugung“.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Das Buch erschien ursprünglich schon etwas früher, aber das Hörspiel kam im November 2003 auf den Markt. Es gab damals eine schicke „Weihnachts-Sonderedition“ im Pappschuber, obwohl die Folge an sich nichts mit Weihnachten zu tun hat – typisches Marketing, aber wir Sammler kaufen es ja trotzdem!

Im Vergleich zum Buch wurden natürlich Szenen gekürzt, aber der Kern der Geschichte blieb erstaunlich intakt. André Marx schreibt oft sehr dichte Plots, die schwer zu adaptieren sind, aber Heikedine Körting hat hier einen guten Job gemacht, die Atmosphäre zu bewahren.


FAN-SERVICE-CHECK


Schrottplatz-Liebe: Wir sind kurz auf dem Schrottplatz, und die Zentrale wird erwähnt. Check.
Bobs Archiv: Wird thematisiert (durch den Verlust). Check.
Justus' Monologe: Vorhanden und in voller Länge genießbar. Check.
  • Visitenkarte: Wird natürlich übergeben (auch wenn Emily sie nicht lesen kann, weil sie erst 6 ist – kleiner Scherz).

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Das Auge des Drachen“ ist eine Wohlfühl-Folge. Sie ist nicht die spannendste aller Zeiten und hat mit dem „Notizbuch-Zufall“ ein ziemliches Logik-Loch. ABER: Die Atmosphäre, die geniale wissenschaftliche Auflösung und die tollen Sprecher machen das mehr als wett.

Es ist die perfekte Folge für einen verregneten Sonntag oder eine lange Autofahrt. Sie zeigt, warum wir die drei ??? lieben: Weil sie uns beibringen, dass hinter jedem „Drachen“ meistens nur ein Vogel und hinter jedem „Zauber“ eine wissenschaftliche Erklärung steckt. Und weil sie uns daran erinnern, dass Freundschaft (und das Wiederfinden von Notizbüchern) das Wichtigste ist.

Für wen? Für Fans von Rätsel-Folgen, Hobby-Biologen und alle, die Kevin James mal böse hören wollen.

Bleibt neugierig, Kollegen!

Wusstest du schon?

Thomas Karallus, der Sprecher des Bösewichts Marcus Lake, ist die deutsche Feststimme von Kevin James (King of Queens).
Der Kea (Nestor notabilis) ist tatsächlich für seine Intelligenz und seinen Zerstörungstrieb bekannt, genau wie Bob es recherchiert.
Tetrachromatie ist ein reales medizinisches Phänomen, das fast ausschließlich bei Frauen vorkommt.
Cover
Bewertung
8
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8.5 von 10 zerbissenen Gummidichtungen
Das Rätsel
Die Idee der Tetrachromatie ist hervorragend! Ein wissenschaftliches Phänomen als Basis für ein 'magisches' Rätsel zu nutzen, ist klassischer Justus-Stil. Die Auflösung ist logisch hergeleitet und hebt die Folge über den Durchschnitt.
Plot & Logik
Dass der Kea ausgerechnet Bobs Notizbuch klaut, weil es gelb ist, und der Bösewicht dadurch exakt alle Infos über Emily bekommt, ist ein sehr großer Zufall, der die Handlung etwas zu bequem vorantreibt. Der Rest ist aber schlüssig konstruiert.
Kapitel
1 Luftangriff 0:00 min
2 Von Drachen und Trollen 4:25 min
3 Blühende Fantasie 7:08 min
4 Das Reich der Elfenkönigin 13:39 min
5 Der Gerechte 16:39 min
6 Nestor natabilis 26:36 min
7 Worum geht es? 28:59 min
8 Eine gewisse Ähnlichkeit 31:44 min
9 Ratlos 35:15 min
10 Geldgierige Neffen 37:06 min
11 Emilys Drache 40:41 min
12 Mit anderen Augen 44:16 min
13 Der verzauberte Schatz 50:59 min
14 Das Auge des Drachen 52:47 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert mit medizinischem Fachwissen über das menschliche Auge. Seine Deduktion, warum Emily Dinge sieht, die andere nicht sehen, ist der intellektuelle Höhepunkt der Folge.
P
Peter Shaw
Er zeigt seine soziale Ader im Umgang mit Emily ('Inspiration in Gelb') und ist körperlich gefordert, als er den 'Drachen' jagt und am Ende auf den Baum klettert.
B
Bob Andrews
Leider der Pechvogel der Folge. Er verliert sein Notizbuch und ermöglicht dem Täter so erst seinen Plan. Seine Recherche über den Kea ist aber wichtig für die Identifizierung des 'Drachen'.

Sprecher

Verwandte Folgen

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