Zusammenfassung

Nach einem anstrengenden Schwimmtraining erreichen die drei ??? eine verzweifelte Nachricht von Mrs. Meg Baker auf ihrem Anrufbeantworter. Sie wird von „Quallen im Computer“ bedroht. Die Detektive eilen zu ihrem Haus, wo es zu einer unsanften Begegnung mit Dick Perry kommt, einem selbstgefälligen Privatdetektiv aus Santa Monica, der ebenfalls von Mrs. Baker engagiert wurde. Um den Auftrag zu bekommen, müssen die Jungen beweisen, dass sie schneller sind. Mrs. Baker erzählt von einem Tauchunfall, bei dem sie fast von Feuerquallen getötet wurde, gerettet von ihrer neuen Freundin Betty Sutton. Als Justus den Computer untersucht, aktiviert er versehentlich den Virus, der den Bildschirm mit Quallen flutet und Mrs. Baker vor Schreck in Ohnmacht fallen lässt. Perry übernimmt den Fall gegen Honorar, während die drei ??? ohne Auftrag weiterermitteln.

Justus hatte jedoch geistesgegenwärtig die Viren-Mail an ihren Freund und Computerexperten Tom Wood weitergeleitet. Am nächsten Tag fehlt Tom in der Schule. In seinem Haus treffen die Detektive erneut auf Dick Perry, der nun auch Toms Mutter seine Dienste anbietet. Toms Computer wurde manipuliert, doch er konnte vorher noch eine E-Mail an Justus senden: Der Absender des Virus verbirgt sich hinter einem Rätsel („große Nase, kein Elefant“), und im Anhang befinden sich ein Foto eines Mannes (Jack Sharky) und eine seltsame Karte mit Linien, die im Nichts enden.

Die Spur führt zu Jack Sharky, einem wohlhabenden, aber rüpelhaften Mann, der die drei ??? fälschlicherweise für Bewerber um eine Putzstelle hält – eine Position, die vorher Betty Sutton innehatte. Während des Gesprächs belauscht Justus ein Telefonat: Sharky wird erpresst und muss Gold gegen eine Ware tauschen. Justus erkennt, dass Sharky Mrs. Bakers Ex-Mann „Doggie“ ist, der in illegale Geschäfte verwickelt ist. Das Rätsel der Karte löst sich: Die Linien sind Wege, die an den Klippen zum Meer enden.

Am Übergabeort beobachten die Detektive, wie Sharky Gold per Spielzeug-U-Boot verschickt und im Gegenzug gestohlenen Schmuck erhält. Plötzlich taucht Dick Perry auf, überwältigt Sharky und stellt die Erpresserin, die im Taucheranzug aus dem Wasser kommt: Betty Sutton. Doch Justus durchschaut das Schauspiel. Er entlarvt Perry und Betty (in Wahrheit Perrys Assistentin Barbara Stevens) als Komplizen. Sie hatten Sharkys Schmuggelgeschäfte entdeckt, ihn erpresst und die Quallen-Inszenierung genutzt, um Mrs. Baker vom Wrack fernzuhalten. Tom hatten sie entführt, weil er ihnen digital auf die Schliche kam. Inspektor Cotta nimmt die Betrüger fest, und Tom wird befreit.

Review

Quallen, Zickenkrieg und Modem-Geräusche: Warum Folge 104 Kult-Potenzial hat
Ein Computervirus mit Tentakeln? Klingt trashig, ist aber der Startschuss für einen der besten Detektiv-Kriege der Serie! Justus Jonas trifft auf seinen Meister-Hasser Dick Perry.

Hallo liebe Spezis und willkommen in der Zentrale!

Leute, schnappt euch eine Tüte Chips (aber bitte keine, die nach Fisch schmeckt) und macht es euch gemütlich. Heute reisen wir zurück ins Jahr 2002. Eine Zeit, als wir dachten, das Internet besteht nur aus AOL-CDs und piepsenden Modems – und als Ben Nevis dachte, man könnte Quallen per E-Mail verschicken. Ja, richtig gehört. Wir knöpfen uns heute Folge 104: Gift per E-Mail vor.

ERSTER EINDRUCK


Hand aufs Herz: Der Titel klingt erstmal wie eine schlechte Folge von "X-Factor: Das Unfassbare". Gift? Per E-Mail? Muss ich jetzt Handschuhe tragen, wenn ich Outlook öffne? Aber lasst euch nicht täuschen! Was trashig beginnt, entwickelt sich zu einem der unterhaltsamsten Zickenkriege der Seriengeschichte. Denn hier geht es nicht wirklich um Cyber-Crime (zum Glück!), sondern um das Duell der Giganten: Justus Jonas gegen den wohl nervigsten, schmierigsten und großartigsten Schnüffler, den Santa Monica je ausgespuckt hat.

DIE STORY


Mrs. Meg Baker ist völlig durch den Wind. Beim Tauchen wurde sie fast von Feuerquallen gegrillt, und jetzt blubbern die Biester auch noch über ihren Monitor! Ein klarer Fall für... na ja, eigentlich für den Kammerjäger oder den IT-Support. Aber die drei ??? übernehmen. Das Problem: Ein gewisser Dick Perry, Privatdetektiv und wandelndes Klischee eines schlechten Film-Noirs, will den Fall auch. Und er spielt schmutzig. Als dann auch noch unser Lieblings-Nerd Tom Wood entführt wird und kryptische Rätselgedichte schickt, wird aus dem virtuellen Quatsch bitterer Ernst. Es geht um Schmuggel, Spielzeug-U-Boote und die Ehre der Detektei.

UNSERE HELDEN


Justus ist in Höchstform. Man merkt richtig, wie sehr es ihn wurmt, dass jemand seine Kompetenz anzweifelt. Seine Arroganz trifft auf Perrys Arroganz – und es sprühen Funken! Sein Moment des Triumphs am Ende ist Balsam für jede Fan-Seele.
Peter darf mal wieder den körperlichen Part übernehmen. Seine Wut auf Perry ist so herrlich greifbar („Dieser miese kleine...!“), dass man ihm am liebsten einen Boxsack schenken möchte. Und er beweist am Strand, dass er auch ohne Dietrich gut kombinieren kann.
Bob, unser Archivar, macht das, was er am besten kann: Er recherchiert Adressen und fängt ohnmächtige Klientinnen auf. Solide Arbeit, Kollege Andrews!

DIE GEGENSPIELER


Machen wir es kurz: Dick Perry ist der Star dieser Folge. Punkt. Er ist so herrlich unsympathisch, so dreist und selbstverliebt, dass man ihn einfach lieben muss. Er nennt unsere Jungs „Grünschnäbel“ und „Halbstarke“ und hält sich für den Größten, obwohl er absolut keine Ahnung hat. Ein Antagonist, der nicht böse ist, weil er die Weltherrschaft will, sondern weil er einfach ein gieriger kleiner Wicht ist. Großes Kino!

BESTE MOMENTE


1. Das erste Aufeinandertreffen: Perry beleidigt die drei ??? im Haus von Mrs. Baker. Die Luft brennt!
2. Das U-Boot-Manöver: Die Szene an den Klippen, wo Sharky das Gold per Spielzeug-U-Boot verschifft. Das ist so eine klassische „Drei ???“-Idee, herrlich oldschool und kreativ.
3. Justus' Konter: Als Justus am Ende Perry und Betty entlarvt und Perry realisiert, dass er von drei Teenagern ausgespielt wurde. Unbezahlbar.

SCHWACHSTELLEN


Okay, Freunde, wir müssen reden. Quallen im Computer? Wirklich? Ich weiß, Computerviren waren 2002 für viele noch Hexenwerk, aber dass Mrs. Baker in Ohnmacht fällt, weil ein Bildschirmschoner angeht, ist schon sehr... „spezialgelagert“. Auch der Plan der Bösewichte ist von hinten durch die Brust ins Auge: Warum der Riesenaufwand mit dem Virus, nur um sie vom Tauchen abzuhalten? Ein anonymer Drohbrief hätte weniger Strom verbraucht.

SERIEN-KONTEXT


Jetzt wird’s historisch!
Erstens: Dies ist die Premiere von Thomas Fritsch als Erzähler! Er trat hier das schwere Erbe von Matthias Fuchs an und, meine Güte, hat er das gut gemacht. Seine samtweiche Stimme prägte die Serie für fast 20 Jahre.
Zweitens: Dick Perry ist gekommen, um zu bleiben (zumindest ein bisschen). Der Typ taucht tatsächlich später noch mal auf, z.B. in Geister-Canyon (Folge 124) und im Special Der dreiTag. Er ist quasi der Skinny Norris für Erwachsene.
Drittens: Tom Wood, der entführte Computer-Freak, ist kein Unbekannter. Er wurde schon in Spur des Raben (75) erwähnt und gilt als der inoffizielle Tech-Support der drei ???, wenn Bob mal nicht weiterweiß.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier gibt es ein echtes Fan-Schmankerl: Ernst H. Hilbich (Dick Perry) und Lotti Krekel (Mrs. Baker) waren im wahren Leben ein Ehepaar! Dass sie hier als Detektiv und Auftraggeberin/Opfer zusammenspielen, gibt der Dynamik eine ganz besondere Würze. Hilbich, bekannt aus unzähligen Komödien und der „Anrheiner“-Serie, spielt den schmierigen Perry so grandios, dass man ihn durch die Boxen riechen kann.
Und noch ein Wort zu Stefan Babic als Jack Sharky: Er gibt den rüpelhaften Ex-Mann wunderbar grob. (Kleiner Hinweis: In manchen Listen kursiert Lutz Mackensy für die Rolle, aber das ist ein Irrtum – Mackensy ist unser legendärer „Fünf Freunde“-Erzähler, hier hören wir Babic).

PRODUKTIONS-HISTORIE


Ben Nevis schrieb das Buch basierend auf einem Zufall: Ein Kollege nutzte die Phrase „Gift per E-Mail“ und Nevis dachte sich: „Daraus mach ich was!“ Arbeitstitel war übrigens „Achtung, Feuerquallen!“ – was vielleicht sogar der passendere, wenn auch weniger reißerische Titel gewesen wäre. Die Folge markiert den endgültigen Übergang in die „moderne“ Ära der 2000er, weg vom klassischen Grusel hin zu (damals) moderner Technik-Kriminalität.

FAZIT & EMPFEHLUNG


Ist die Story logisch? Nö. Ist die Technik realistisch? Um Himmels Willen, nein. Aber ist die Folge unterhaltsam? Und wie! Gift per E-Mail lebt zu 100% vom Schlagabtausch zwischen Justus und Dick Perry. Wer Rivalen-Geschichten mag und darüber hinwegsehen kann, dass Computerviren keine echten Tentakel haben, wird hier bestens bedient. Es ist Popcorn-Kino für die Ohren und allein wegen Ernst H. Hilbichs Performance hörenswert.

Also, Kollegen: Passt auf, welche Anhänge ihr öffnet, und vertraut keinem Detektiv, der aussieht wie eine zerknitterte Seekuh!

Wusstest du schon?

Der Arbeitstitel der Folge lautete 'Achtung, Feuerquallen!'.
Ben Nevis schrieb das Buch basierend auf einer beiläufigen Bemerkung eines Kollegen, der die Worte 'Gift per E-Mail' benutzte.
Ernst H. Hilbich (Dick Perry) ist ein bekannter deutscher Schauspieler und Kabarettist, oft in komödiantischen Rollen zu sehen.
Dies ist die erste Folge mit Thomas Fritsch als neuem Erzähler, der die Rolle von Matthias Fuchs übernahm.
Cover
Bewertung
6.5
🪼 🪼 🪼 🪼 🪼 🪼 🪼 🪼 🪼 🪼
6,5 von 10 virtuellen Feuerquallen
Das Rätsel
Die Idee mit dem Computer-Virus als Aufhänger ist nett, auch wenn die technische Umsetzung („Quallen quellen aus dem Bildschirm“) etwas trashig wirkt. Das Rätselgedicht von Tom ist klassisch und fair lösbar, die Sache mit den Spielzeug-U-Booten ist ein originelles Highlight bei der Übergabe.
Plot & Logik
Der Plan der Bösewichte ist extrem kompliziert: Warum der Aufwand mit dem Quallen-Virus, nur um Mrs. Baker vom Tauchen abzuhalten? Eine einfache Drohung hätte es auch getan. Dass Tom statt einer klaren Nachricht ein Rätselgedicht schickt, während er bedroht wird, ist typische Hörspiel-Logik, dient aber der Spannung.
Kapitel
1 Detektiv gesucht 0:00 min
2 Gift per E-Mail 12:25 min
3 Eine Qualle für Tom 18:39 min
4 Ein Fall für Dick Perry 23:34 min
5 Toms Rätsel 29:11 min
6 Pelagia noctiluca 40:16 min
7 Des Rätsels Lösung 49:09 min
8 Falsches Spiel 57:11 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert durch seine Kombinationsgabe, besonders als er durchschaut, dass Perry und Betty unter einer Decke stecken. Sein Umgang mit dem arroganten Perry ist herrlich souverän.
P
Peter Shaw
Sorgt für Action (Zusammenstoß mit Perry) und gute Beobachtungen am Strand (U-Boote). Seine Wut auf Perry ist greifbar und verständlich.
B
Bob Andrews
Recherchiert Jack Sharkys Adresse und fängt die ohnmächtige Mrs. Baker auf. Solide Arbeit im Archiv und als Unterstützung.

Sprecher

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