Zusammenfassung

Der Fall beginnt für Justus schmerzhaft: Beim Besuch im Pelzgeschäft von Mr. Laurent wird er irrtümlich für einen Räuber gehalten und von der Polizei überwältigt. Inspektor Cotta klärt das Missverständnis auf und weiht die Detektive in eine Serie bizarrer Drohbriefe eines gewissen 'Wolfsgesicht' ein. Diese Briefe kündigen Verbrechen in Form von kleinen Geschichten an, die die Polizei jedoch durch psychologische 'Kopfmodelle' auf falsche Fährten locken sollen.

Kurz darauf wird im Outdoor-Laden von Mr. Stapleton eingebrochen. Der Täter, der eine Maske des US-Präsidenten trägt, stiehlt scheinbar wertloses Kletterzeug, lässt aber teure Ware liegen. Justus durchschaut die Taktik der Irreführung: Der Täter will, dass die Polizei bestimmte Schlüsse zieht, die sich später als falsch erweisen.

Der nächste Schlag erfolgt direkt im Polizeipräsidium während eines Festes. Während Justus, Peter und Bob anwesend sind, wird ein Präzisionsgewehr aus der Waffenkammer gestohlen – scheinbar mithilfe der zuvor entwendeten Kletterausrüstung. Bob recherchiert und stößt auf den Ex-Polizisten Jeff Rodda, der als 'Wolfsgesicht' bekannt ist und ähnliche Methoden in New York anwandte. Rodda lebt inzwischen in Rocky Beach, hat aber ein Alibi.

Ein dritter Brief deutet schließlich auf ein Attentat auf den US-Präsidenten hin, der Rocky Beach besuchen soll. Bob erkennt in dem Text Textzeilen aus dem Peter Gabriel Song 'Schnappschuss' (Family Snapshot), der von einem Attentat handelt: 'Das sind alles Zitate. [...] Der Song benennt es zwar nicht ausdrücklich, aber er erzählt sozusagen von einem ewigen Verlierer'. Die Polizei konzentriert sich voll auf den Schutz des Präsidenten. Justus jedoch durchschaut das Ablenkungsmanöver. Während alle Augen auf den Staatsgast gerichtet sind, beschatten Peter und Bob Rodda. Dieser nutzt das Chaos, um aus dem unbewachten Museum die wertvolle Statue der 'Schönen Helena' zu stehlen. Es stellt sich heraus, dass Mr. Ambler, der Assistent der Polizeipsychologin, Roddas Komplize ist und die Diebstähle von innen ermöglichte. Die Detektive können beide überführen.

Review

Justus Jonas im Profiler-Modus: Warum 'Wolfsgesicht' ein psychologisches Meisterwerk ist
Justus wird verhaftet, Bob zitiert Peter Gabriel und der US-Präsident ist in Gefahr? 'Wolfsgesicht' ist ein Psychothriller im Kinderzimmer-Format. Wir analysieren, warum dieser Fall ein absoluter Klassiker ist!

Hallo liebe Detektiv-Kollegen und Freunde des gepflegten Schrottplatz-Talks!

Heute widmen wir uns einem Fall, der in meiner persönlichen Hall of Fame einen ganz besonderen Platz einnimmt. Schnappt euch ein Stück von Tante Mathildas Kirschkuchen (aber vorsicht, heiß!), lehnt euch zurück und lasst uns über Folge 87: Wolfsgesicht sprechen. Eine Folge, die beweist, dass Justus Jonas zwar ein Genie ist, aber gegen einen gut trainierten Polizisten im Nahkampf so viel Chance hat wie ein Schneemann in der Wüste.

ERSTER EINDRUCK


BÄM! Was für ein Einstieg. Normalerweise beginnen die Folgen gemütlich auf der Veranda oder mit einem Anruf. Hier? Justus wird in einem Pelzgeschäft (Mr. Laurent lässt grüßen) brutal zu Boden geworfen und verhaftet. Unser Erster Detektiv als Teppichvorleger – das ist mal ein Hook! Man spürt sofort: Hier weht ein anderer Wind. Die Atmosphäre ist dichter, urbaner und irgendwie... erwachsener. Es geht nicht um entlaufene Papageien, es geht um Bombendrohungen, Scharfschützen und Psychospiele. Man sitzt vor dem Player und denkt: "Okay, jetzt wird's ernst."

DIE STORY


Ein Unbekannter, der sich "Wolfsgesicht" nennt, spielt Katz und Maus mit der Polizei von Rocky Beach. Er schickt bizarre Kurzgeschichten als Briefe, die Verbrechen ankündigen. Die Polizei – allen voran die neue, super-unsympathische Psychologin Mrs. Harding – interpretiert diese Geschichten und fällt prompt auf die Nase. Denn das Wolfsgesicht nutzt sogenannte "Kopfmodelle": Er weiß genau, was die Polizei denken WIRD, und nutzt diese Erwartungshaltung, um sie in die Irre zu führen. Es gipfelt alles in der Ankündigung eines Attentats auf den US-Präsidenten, der Rocky Beach besucht. Aber ist das wirklich der Plan? Oder nur das größte Ablenkungsmanöver der Seriengeschichte?

UNSERE HELDEN


Justus: Der Start ist für sein Ego sicher schmerzhaft (Autsch, der Arm!), aber danach läuft die Denkmaschine auf Hochtouren. Justus als Profiler, der die Polizeipsychologin in Grund und Boden analysiert, ist ein Fest. Sein Monolog über die "Kopfmodelle" ist einer dieser Momente, wo man einfach nur nickt und denkt: "Der Junge hat's drauf."

Peter: Unser Sport-Ass hat hier ordentlich Puls. Die Bedrohungslage (Scharfschützen!) ist genau das, was Peter NICHT mag. Aber: Er kneift nicht. Im Finale im Museum ist er es, der physisch präsent ist, während Justus dirigiert. Ein solider Auftritt, auch wenn er intellektuell hier etwas im Schatten steht.

Bob: LEUTE! Bob Andrews ist der MVP (Most Valuable Player) dieser Folge. Ohne Bob wäre Rocky Beach jetzt vielleicht in den Nachrichten. Warum? Weil er der Einzige ist, der Ahnung von guter Musik hat. Dass er den entscheidenden Hinweis in einem Songtext findet, ist der ultimative Beweis dafür, dass das "Recherchen und Archiv"-Ressort das wichtigste von allen ist. Bob rettet den Tag. Punkt.

DIE GEGENSPIELER


Das Wolfsgesicht (Jeff Rodda): Ein starker Gegner. Ex-Polizist, verbittert, intelligent. Er ist kein 08/15-Gauner, sondern jemand, der das System von innen kennt. Seine Arroganz ist greifbar, aber gerechtfertigt – er führt sie alle an der Nase herum.

Mrs. Harding: Uff. Die Polizeipsychologin ist fast schlimmer als der Verbrecher. Arrogant, herablassend ("Diese Kinder!") und total auf dem Holzweg. Sie ist die perfekte Figur, um Justus glänzen zu lassen, weil man sich so herrlich über ihre Inkompetenz aufregen kann.

Mr. Ambler: Der klassische "Der Butler war's"-Twist, nur als Assistent. Er bleibt etwas blass, erfüllt aber seinen Zweck als Maulwurf.

BESTE MOMENTE


1. Der Song-Moment: Als Bob checkt, dass der Brieftext eigentlich der Songtext von Peter Gabriels "Family Snapshot" (im Hörspiel eingedeutscht als "Schnappschuss") ist. Gänsehaut! Das verbindet Popkultur mit Krimi auf eine Weise, die wir viel öfter bräuchten.
2. Justus vs. Harding: Jedes Mal, wenn Justus die Psychologin korrigiert, öffnet sich im Himmel ein Fenster und Alfred Hitchcock lächelt herab.
3. Der Einbruch im Revier: Die drei ??? sind auf einer Party im Polizeipräsidium (!) und währenddessen wird die Waffenkammer ausgeräumt. Die Dreistigkeit des Täters ist genial.

SCHWACHSTELLEN


Wenn man ganz kritisch sein will: Der Plan von Rodda ist schon extrem kompliziert. Er will eine Statue klauen. Muss man dafür wirklich eine Attentats-Drohung gegen den US-Präsidenten inszenieren, Masken basteln und Briefe schreiben? Ein einfacher Einbruch hätte es auch getan. Aber gut, es ist Rocky Beach, hier macht niemand einfach nur einen Einbruch. Und Roddas Motiv ist ja auch Rache und Demütigung der Polizei, von daher kaufen wir ihm den Aufwand ab.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge stammt aus dem Jahr 1999 (VÖ) und gehört zur Ära der "deutschen Originalstoffe" von Katharina Fischer. Wir befinden uns hier in einer sehr stabilen Phase der Serie. Die Experimente der "Crimebusters"-Zeit sind vorbei, die Serie hat ihren modernen Rhythmus gefunden.

Besonders wichtig: Das Verhältnis zu Inspektor Cotta. In dieser Folge wird zementiert, dass Cotta die Jungs nicht nur duldet, sondern sie braucht. Er stellt sie sogar offiziell seinen Kollegen vor und verteidigt sie gegen Harding. Das ist ein Meilenstein für die Akzeptanz der drei ??? im Polizeiapparat. Cotta ist hier endgültig der "vierte Detektiv" im Geiste.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Allen voran natürlich Holger Mahlich als Inspektor Cotta. Er spielt hier fantastisch – den Spagat zwischen genervtem Beamten und freundschaftlichem Verbündeten beherrscht niemand so wie er. Fun Fact: Mahlich ist auch in der Gaming-Welt eine Legende (u.a. in Mass Effect).

Dann haben wir Katrin Wasow als Mrs. Harding. Sie ist eine echte Hörspiel-Veteranin (viele kennen sie aus Hanni und Nanni oder TKKG). Dass sie so unglaublich nervig rüberkommt, ist ein Beweis für ihr schauspielerisches Talent!

Und natürlich der Erzähler Matthias Fuchs, der in dieser Ära den Ton angab. Seine ruhige, aber eindringliche Art passt perfekt zu diesem eher düsteren Fall.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Autorin Katharina Fischer hat hier einen der komplexeren Plots der Ära abgeliefert. Interessant ist der Realitätsbezug: Der Song "Family Snapshot" von Peter Gabriel (1980) basiert tatsächlich auf dem Attentatsversuch auf den US-Politiker George Wallace durch Arthur Bremer. Dass Bob im Hörspiel die deutsche Übersetzung zitiert, ist ein cleverer Schachzug der Regie, damit auch jüngere Hörer den Hinweis verstehen. In der Buchvorlage ist das Rätsel ähnlich aufgebaut, aber das Hörspiel verdichtet die Atmosphäre durch die Soundkulisse (die Polizeiparty, die dröhnende Bedrohung) enorm.


FAN-SERVICE-CHECK


- Justus' Körperfülle: Wird direkt am Anfang thematisiert, als er für den massigen Täter gehalten wird.
- Bobs Archiv: Wird explizit als Lösungsweg genutzt.
- Visitenkarte: Wird natürlich überreicht (und von Sandy belächelt).
- Kirschkuchen: Fehlt leider, dafür gibt es Schnittchen auf der Polizeiparty.

FAZIT & EMPFEHLUNG


"Wolfsgesicht" ist ein absolutes Highlight der 90er-Jahre-Folgen. Sie ist intelligent, spannend und bietet mit dem Psychologie-Aspekt mal etwas ganz Anderes als Geister oder Monster. Justus darf brillieren, Bob darf den Fall lösen und Cotta ist so präsent wie selten. Wer auf Krimis steht, die zum Mitdenken anregen und weniger auf Grusel setzen, ist hier goldrichtig.

Ein Muss für jeden Fan, der sehen will, wie man die Polizei von Rocky Beach so richtig an der Nase herumführt!

Wusstest du schon?

Der Song, den Bob als 'Schnappschuss' identifiziert, ist in der Realität 'Family Snapshot' von Peter Gabriel (1980), der tatsächlich von einem Attentat (inspiriert durch Arthur Bremer) handelt.
Dies ist eine der wenigen Folgen, in der Inspektor Cotta die drei ??? proaktiv und offiziell um Hilfe bittet und sie sogar seinen Kollegen vorstellt.
Die 'Schöne Helena' als Raubgut ist eine Anspielung auf die griechische Mythologie, passend zum 'Paris'-Raub, der in der Folge erwähnt wird.
Cover
Bewertung
8
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8.5 von 10 psychologischen Kopfmodellen
Das Rätsel
Die Grundidee der 'Kopfmodelle' – also das bewusste Legen falscher Fährten durch psychologische Erwartungshaltungen – ist raffiniert und hebt die Folge von Standard-Diebstählen ab. Besonders stark ist Bobs Entdeckung der Songtexte ('Schnappschuss'), die das Rätsel auf einer popkulturellen Ebene lösen. Die Auflösung ist fair, da der Hörer die Manipulation der Polizei Schritt für Schritt mitverfolgen kann.
Plot & Logik
Der Plan ist komplex, aber in sich schlüssig: Die Polizei wird gezielt beschäftigt, um den wahren Coup durchzuführen. Ein kleines Logikloch ist vielleicht, warum Rodda so extrem auffällige Hinweise (Maske, Briefe) geben muss, anstatt die Statue einfach leise zu stehlen – aber das wird durch sein psychologisches Profil (Rache an der Polizei, Geltungsdrang) ausreichend erklärt.
Kapitel
1 Der Mann mit der Maske 0:00 min
2 Falsche Schlüsse 7:02 min
3 Das Duell 18:27 min
4 Unter Polizisten 27:26 min
5 Der dritte Brief 38:12 min
6 Der Wolf zeigt seine Krallen 46:35 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Justus brilliert hier als Profiler. Seine Analyse der 'Kopfmodelle' ist ein klassischer Justus-Moment, in dem er sogar der Polizeipsychologin überlegen ist. Zitat: 'Seht ihr? Ihr hattet die wenigen Informationen aus der Geschichte automatisch in einem bestimmten Zusammenhang gestellt.'
P
Peter Shaw
Peter schwankt zwischen Angst ('Ich ahne schon, wie das sonst ausgeht') und Mut. Am Ende ist er es, der Rodda im Museum stellt, obwohl er zuvor Bedenken hatte. Er fungiert gut als geerdeter Gegenpol zu Justus' Theorien.
B
Bob Andrews
Bob ist der heimliche Star der Folge. Seine Recherchearbeit im 'Archiv' (Kriminalfälle) identifiziert den Täter, und sein Musikwissen knackt den entscheidenden Code des letzten Briefes. Ohne ihn wäre der Fall nicht gelöst worden.

Sprecher

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