Zusammenfassung

Justus, Peter und Bob reisen nach Sedona, Arizona, um einem TV-Team bei Dreharbeiten für ein Musikfestival zu helfen. Schon bei der Ankunft erfahren sie im Restaurant 'Mexicana' von den Geschwistern Ruth und Cosmo, dass die Stadt erpresst wird: 250.000 Dollar oder das Trinkwasser wird vergiftet. Während Justus und Bob beim arroganten Pressechef Mr. van Well und beim Wasserwirtschaftsamt recherchieren, belauscht Peter auf der Toilette Polizisten, die den Namen 'Alicia Hancock' fallen lassen.

Die Detektive bieten der genervten TV-Chefin Jean Baxter ihre Hilfe an, die sie zunächst belächelt. Bei ihren Ermittlungen stoßen sie auf die stillgelegte Fabrik von Hendrik Walton, wo Peter verdächtige Aktivitäten, frische Erde und einen roten Sportwagen sowie eine Harley entdeckt. Mit Hilfe von Ruth und Cosmo finden sie heraus, dass die Journalistin Alicia Hancock kurz vor ihrer Entlassung an einer Story über Wasserrechte und Waltons Fabrik arbeitete. Die Spur führt zu Alicias Brüdern René und Marcel Hancock sowie Marcels Freundin Sinagua, einer Hopi-Indianerin.

Sinagua verrät ihnen schließlich, dass Marcel verschwunden ist und René der Kontaktmann sei. Bei einem Treffen am Mulligan Rim gesteht René Hancock, der Erpresser zu sein – allerdings als Bluff, um Aufmerksamkeit auf Waltons Umweltverbrechen zu lenken, da Alicias Artikel unterdrückt wurde. René stellt sich der Polizei. Der Fall scheint gelöst, doch Justus entdeckt einen Fehler im Erpresserbrief: Das Wort 'Fête' ist korrekt mit Zirkumflex geschrieben, während es auf den offiziellen Plakaten falsch steht. Zudem findet er ein Fax von Alicia an Mr. Joubert, den Festivalchef.

Im Finale trommelt Justus alle Beteiligten – Joubert, Walton, die neue Wasseramts-Chefin Joan Brown und das TV-Team – in Jouberts Büro zusammen. Er konfrontiert Walton mit einem Taschentuch voller Erde und behauptet, darin Gift nachweisen zu können. Walton gerät in Panik und gesteht, Gift ins Grundwasser geleitet zu haben. Joubert bricht ebenfalls zusammen und gibt zu, von Walton erpresst worden zu sein. Am Ende offenbart Justus, dass der Beweis mit der Erde nur ein Bluff war.

Review

Giftiges Wasser - Wenn Justus blufft und Bob Alfalfa für eine Hauptstadt hält
Warum zur Hölle arbeiten die drei ??? für einen TV-Sender? Und was hat Jodie Fosters Synchronstimme damit zu tun? In Folge 59 wird's heiß, staubig und giftig – Justus Jonas in Zocker-Laune inklusive!

ERSTER EINDRUCK


Leute, packt die Badehosen ein – oder besser nicht, denn in Sedona ist das Wasser vergiftet! Zumindest behauptet das ein Erpresser, der uns in Folge 59 erwartet. Mein erster Gedanke beim Einlegen der Kassette (ja, Nostalgie muss sein): Warum zur Hölle arbeiten die drei Detektive eigentlich für einen Fernsehsender? Egal! Die Hitze Arizonas wabert förmlich aus den Boxen, und man bekommt schon beim Zuhören einen trockenen Hals. Es riecht nach 90er-Jahre-Öko-Thriller, nach Staub und nach einem Justus Jonas, der heute mal wieder richtig Lust hat, den Oberlehrer raushängen zu lassen. Willkommen in der Ära Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer!

DIE STORY


Kurz und schmerzlos: Unsere drei Super-Spürnasen sind in Sedona, Arizona, gelandet. Offizieller Grund: Sie helfen einem TV-Team (NTV – nein, nicht der Nachrichtensender, sondern irgendein fiktiver Namensvetter) beim Equipment-Schleppen für ein Musikfestival. Doch kaum sitzen sie im „Mexicana“ und wollen Sprossen essen (dazu später mehr!), erfahren sie von einer fiesen Erpressung. Jemand will das Trinkwasser der Stadt vergiften, wenn das Festival nicht abgesagt wird. Die Polizei tappt im Dunkeln, die Veranstalter schwitzen, und Justus wittert Morgenluft. Was als Erpressungs-Story beginnt, entpuppt sich schnell als handfester Umweltskandal mit Fabrikabwässern, indianischen Wasserrechten und einer verschwundenen Journalistin. Klassischer BJHW-Stoff eben!

UNSERE HELDEN


Justus: Der Erste Detektiv ist in Hochform. Er kombiniert nicht nur messerscharf (Stichwort: französischer Akzent), sondern beweist am Ende Nerven aus Drahtseilen. Sein Bluff im Finale ist legendär – der Junge hätte Poker-Profi werden sollen statt Schrottplatz-Erbe. Herrlich auch seine Arroganz gegenüber der TV-Chefin Jean Baxter: „Wir sind die Supermänner von Sedona.“ Ja, Just, wir wissen es, und wir lieben dich dafür.

Peter: Unser aller Lieblings-Angsthase muss mal wieder leiden. Er darf auf Toiletten lauschen (die Akustik dort ist ja bekanntlich hervorragend für Spionage), über Zäune klettern und sich fast erwischen lassen. Aber: Peter liefert. Ohne seine „Toiletten-Ohren“ wäre der Fall wohl nie gelöst worden. Ein solider Auftritt des Zweiten, auch wenn er hier weniger Sportskanone und mehr Dietrich-Beauftragter ist.

Bob: Der Mann für Recherchen und Archiv ist diesmal auch der Mann für kulinarische Missverständnisse. Bob fungiert als Bindeglied zu den Journalisten-Geschwistern Ruth und Cosmo und macht seinen Job gewohnt souverän. Dass er nicht weiß, was Alfalfa ist, verzeihen wir ihm großzügig.

DIE GEGENSPIELER


Hendrik Walton ist leider der Prototyp des „bösen Fabrikbesitzers“ aus dem 90er-Jahre-Baukasten: Geldgierig, skrupellos, umweltverschmutzend. Ihm fehlt ein bisschen die Tiefe. Interessanter ist da schon René Hancock – der „Täter aus Verzweiflung“. Ein Motiv, das man nachvollziehen kann, auch wenn die Methode (Erpressung androhen um auf Missstände hinzuweisen) vielleicht nicht die cleverste war. Monsieur Joubert als windiger Festival-Chef rundet das Schurken-Kabinett ab, bleibt aber blass.

BESTE MOMENTE


Leute, wir MÜSSEN über die Alfalfa-Szene reden! Es ist Gold wert.
Bob liest die Speisekarte: „Was ist das bitte? A-fal-fa?“
Peter (trocken): „Alfalfa. Kannst du nicht lesen?“
Bob: „Ja, ich denke mir, eine Hauptstadt in Zentralafrika.“
Dieser Dialog ist so herrlich natürlich und zeigt die Chemie der Sprecher, die man einfach nicht künstlich erzeugen kann. Ich lache jedes Mal Tränen.

Der zweite Gänsehaut-Moment: Justus' großer Bluff. Wie er Walton das Taschentuch mit der „verseuchten“ Erde unter die Nase hält und behauptet, das Laborergebnis sei vernichtend, ist ganz großes Kino. Oliver Rohrbeck spielt diese Szene mit einer Süffisanz, die ihresgleichen sucht.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Die Prämisse ist wackelig. Warum genau braucht ein professionelles TV-Team drei Teenager aus Kalifornien, um Kabel zu tragen? Und warum lassen sich erwachsene Polizeibeamte und Fabrikbesitzer von drei Jungs so leicht an der Nase herumführen? Die Story wirkt manchmal etwas konstruiert, um die „Message“ (Umweltschutz ist wichtig!) rüberzubringen. Das ist typisch für die Autorin, nimmt dem Fall aber manchmal die Mystery-Spannung. Es fehlt ein bisschen das Gruselige, das Rätselhafte. Es ist mehr ein Wirtschaftskrimi light.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge stammt aus der Feder von Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer (BJHW), der ersten deutschen Autorin der Serie. Sie prägte die Ära nach den „Crimebusters“ maßgeblich und brachte Themen wie Umweltschutz (siehe auch „Riff der Haie“), Tierschutz und soziale Ungerechtigkeit in die Serie. „Giftiges Wasser“ ist ein Paradebeispiel für diesen Stil: Die drei ??? sind nicht mehr nur in Rocky Beach, sondern reisen durch die USA (oder Europa), und die Verbrechen sind oft politisch oder ökologisch motiviert.
Kontinuitäts-Check: Die Folge steht ziemlich für sich allein. Es gibt keine großen Querverweise auf alte Fälle, und die Gastcharaktere tauchen (leider) nicht wieder auf. Sie markiert aber eine Zeit, in der die Serie „erwachsener“ und realitätsnäher werden wollte – weg vom Geisterschloss, hin zum Umweltskandal.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier wird es richtig spannend für uns Nerds!

1. Hansi Jochmann (Ruth): Haltet euch fest – das ist die deutsche Stimme von Jodie Foster! Ja, genau, Clarice Starling aus „Das Schweigen der Lämmer“ hilft hier unseren Detektiven. Ihre markante, intelligente Stimme wertet die Rolle der Journalistin Ruth extrem auf. Ein absolutes Highlight!

2. Heidrun von Goessel (Jean Baxter): Ein echtes TV-Urgestein! Ältere Semester kennen sie als DIE Ansagerin der ARD und des NDR. Dass sie hier eine TV-Chefin spielt, ist ein wunderbarer Meta-Gag der Regie. Ihre strenge, aber herzliche Art passt perfekt.

3. Peter Pasetti (Erzähler): Wir hören hier einen der letzten Einsätze des legendären Peter Pasetti (er starb 1996). Seine Stimme brüchig, aber voller Charisma, verleiht der Folge diesen ganz speziellen, wohligen Grusel-Faktor, den man heute manchmal vermisst. Ehre, wem Ehre gebührt!

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge erschien 1994 und basiert auf dem gleichnamigen Buch von BJHW. Interessant ist hier der Unterschied zwischen Buch und Hörspiel: Im Buch ist die Beziehung zu den Hancock-Brüdern und der Indianerin Sinagua deutlich komplexer ausgearbeitet. Das Hörspiel musste straffen, wodurch Sinagua leider etwas stichwortartig rüberkommt. Musikalisch bewegen wir uns im typischen 90er-Jahre-Europa-Sound: Eine Mischung aus Synthie-Klängen und orchestralen Versuchen, die die flirrende Hitze untermalen sollen. Nicht so ikonisch wie die Bohn-Ära, aber solide Handwerkskunst.


FAN-SERVICE-CHECK


🕵️ Detektiv-Wissen: Justus deduziert, dass der Erpresser kein Franzose sein kann, weil im Erpresserbrief das Wort „Fête“ (mit Zirkumflex) richtig geschrieben ist, auf den Plakaten aber falsch. Ein klassischer „Justus-hat-im-Unterricht-aufgepasst“-Moment!
💧 Easter Egg: Der Name der Figur „Sinagua“ ist spanisch und bedeutet wörtlich „ohne Wasser“ (sin agua). Ein netter kleiner Hinweis der Autorin auf das zentrale Thema der Folge, den Bob im Hörspiel sogar kurz erklärt.

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Giftiges Wasser“ ist kein All-Time-Classic, der in den Top 10 landet, aber es ist eine grundsolide, unterhaltsame Folge der „Zwischen-Ära“. Wer auf Justus in Bestform, tolle Gastsprecher (Jodie Foster!) und 90er-Vibe steht, wird hier bestens bedient. Es ist die perfekte Folge für eine lange Autofahrt im Sommer – am besten mit einer Flasche (ungegiftetem) Wasser griffbereit.

Für wen? Fans von BJHW, Umwelt-Krimi-Liebhaber und alle, die wissen wollen, was Alfalfa ist.
Ranking: Solides Mittelfeld mit Tendenz nach oben wegen der Sprecher.

Wusstest du schon?

Die Autorin Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer schrieb in dieser Ära viele Fälle mit weiblichen Bezugspersonen oder Umweltthemen.
Der Name der Figur 'Sinagua' bedeutet übersetzt 'ohne Wasser', was im Hörspiel thematisiert wird.
Peter Pasetti spricht hier den Erzähler; es ist eine der letzten Folgen vor seinem Tod.
Cover
Bewertung
7
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7,5 von 10 Alfalfa-Sprossen
Das Rätsel
Der Fall bietet einen doppelten Boden: Die offensichtliche Erpressung entpuppt sich als verzweifelter Hilferuf, während das eigentliche Verbrechen im Hintergrund liegt. Justus' Schlussfolgerung über den französischen Akzent im Erpresserbrief ('Fête') ist ein klassischer Deduktionsmoment.
Plot & Logik
Dass René Hancock zur Erpressung greift, statt sich an Bundesbehörden zu wenden, wirkt etwas konstruiert, passt aber zur Verzweiflung der Figur. Der Bluff am Ende ist riskant – hätte Walton geschwiegen, stünde Justus mit leeren Händen da. Die Verbindung zwischen Joubert und Walton ist jedoch schlüssig aufgebaut.
Kapitel
1 Eine Stadt wird erpresst 0:00 min
2 Auf Eis gelegt 4:27 min
3 Trotz Regen – kein Wasser 11:30 min
4 Flucht auf der Harley 16:39 min
5 Anweisung vom Erpresser 22:08 min
6 Verbotener Handel 27:24 min
7 Auf Drogenentzug 34:04 min
8 Im Stich gelassen 39:21 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brillant in Form. Seine Beobachtungsgabe (Schreibmaschinen-Typen, französischer Akzent im Brief) treibt die Handlung voran. Der finale Bluff zeigt seine Zocker-Qualitäten.
P
Peter Shaw
Der Mann für die Action: Er klettert über Zäune, spioniert auf Toiletten und entdeckt die entscheidenden Fahrzeuge bei Walton. Solide Arbeit.
B
Bob Andrews
Übernimmt den Recherche-Part im Archiv und hält den Kontakt zu den Journalisten-Geschwistern. Er fungiert als wichtiges Bindeglied.

Sprecher

Verwandte Folgen

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