Zusammenfassung

Der renommierte und äußerst exzentrische Sprachwissenschaftler Professor Douglas Bancroft engagiert die drei ???, weil er bei seiner Arbeit am berühmten Voynich-Manuskript massiv gestört wird. In seiner Villa ertönt aus dem Nichts ein infernalischer Lärm, begleitet von mehrsprachigen Drohungen, die angeblich vom Satan stammen. Weder sein Butler Vernon noch seine Sekretärin Miss Mortimer konnten eine Quelle ausmachen.

Die Detektive untersuchen das Haus, finden jedoch zunächst keinerlei Lautsprecher oder Technik. Während eines kurzen Abstechers zum Schrottplatz wird Bob von einem Motorradfahrer bedroht, der ihm eine Bowlingkugel mit der Aufschrift 'Bezahle, sonst...' in die Hände drückt. Es stellt sich heraus, dass es sich dabei um Bancrofts Stiefbruder Darian handelt, der vom Professor Geld aus einem Börsengeschäft fordert.

Der Durchbruch gelingt Bob, als er ein Stück abgerissenes Klebeband mit Tapetenresten findet. Die Analyse ergibt, dass es sich um experimentelle, hauchdünne Flachlautsprecher handelt, die direkt unter die Tapete geklebt wurden ('Die Räume selbst sind die Lautsprecher'). Justus kombiniert, dass der Lärm nur ein Ablenkungsmanöver ist. Das wahre Ziel liegt im Weinkeller: Ein vermeintlich wertloses Wandbild entpuppt sich als verschollenes Fresko von Raffael.

Der Täter ist Bancrofts Freund Dr. Elwood Shoreland, ein Experte für Akustik und Renaissance-Kunst, der Spielschulden bei der Mafia hat. Unterstützt wird er von Miss Mortimer, die sich von Bancroft schlecht behandelt fühlt. Im Finale werden die Detektive zwar kurzzeitig überwältigt, doch Darian Bancroft greift überraschend ein und rettet die Situation. Die Verbrecher werden gefesselt der Polizei übergeben, und die Brüder versöhnen sich beim Bowling.

Review

Der Teufel trägt Tapete – oder: Sir Michael Caine schreit die drei ??? an
Wenn Kakashi aus Naruto Kunst fälscht und Alfred Pennyworth Justus Jonas anbrüllt, dann sind wir in Folge 221! Warum diese Episode dank Jürgen Thormann ein absolutes Highlight ist (und warum ihr sie NICHT zum Einschlafen hören solltet), lest ihr hier.

Moin liebe Detektiv-Kollegen und Kassettenkinder,

stellt den Kirschkuchen bereit und checkt eure Verstärker, denn heute wird es LAUT in der Zentrale! Wir knöpfen uns Folge 221 vor: "Manuskript des Satans". Ein Titel, bei dem man erst mal denkt: "Huch, sind wir jetzt bei John Sinclair?" Aber nein, wir sind im sonnigen Kalifornien, wo der Teufel nicht Prada, sondern Tapete trägt. Autor Hendrik Buchna liefert uns hier einen Fall, der weniger auf Geisterbahn und mehr auf Wissenschafts-Thriller setzt – garniert mit einem der besten Gastsprecher, den dieses Universum je gesehen hat. Schnappt euch einen Kaffee (in der Blacky-Tasse, versteht sich), wir legen los!

ERSTER EINDRUCK


Meine erste Reaktion nach dem Drücken der Stopp-Taste? Meine Ohren klingeln noch immer! Diese Folge ist definitiv nicht für die Kategorie "Gemütlich zum Einschlafen" geeignet, es sei denn, ihr wollt senkrecht im Bett stehen, wenn die "Satanischen Attacken" losgehen. Aber abgesehen vom Lärmpegel: Das hier fühlt sich an wie eine klassische "Drei ???"-Folge mit modernem Anstrich. Ein exzentrischer Auftraggeber, ein mysteriöses Rätsel und ein Justus Jonas, der endlich mal wieder jemanden gefunden hat, der ihm intellektuell Paroli bietet.

DIE STORY


Professor Douglas Bancroft ist ein Sprachgenie, reich, und ungefähr so entspannt wie ein Iltis auf Koffein. Er glaubt, das legendäre (und reale!) Voynich-Manuskript entschlüsselt zu haben. Doch kaum sitzt er am Schreibtisch, dröhnt infernalischer Lärm durch seine Villa – begleitet von einer Stimme, die behauptet, Satan persönlich zu sein. Unsere drei Detektive sollen die Quelle des Lärms finden, was gar nicht so einfach ist, wenn die Wände scheinbar selbst schreien. Was wie Spuk aussieht, entpuppt sich als technisch brillantes Verbrechen, bei dem es eigentlich um etwas ganz anderes geht: Ein verschollenes Raffael-Gemälde im Weinkeller. Kunstraub statt Höllenfahrt.

UNSERE HELDEN


Justus: Unser Erster Detektiv ist in Hochform. Er liebt es ja, wenn Klienten schwierig sind, aber Bancroft ist eine echte Challenge. Justus' Deduktion am Ende ist sauber, auch wenn er zwischendurch (wie immer) gerne mal Dinge für sich behält, bis der dramaturgisch perfekte Moment gekommen ist. Klassiker.

Peter: Der arme Kerl. Unser Sport-Ass muss hier mal wieder körperlich leiden. Zwar wird er nicht niedergeschlagen (ein Wunder!), aber die Lärmattacken setzen ihm sichtlich zu. Zitat: "Ich komme mir vor, als hätte ich in der Turbine eines startenden Jumbo Jets gesteckt." Trotzdem: Peter bleibt standhaft und beweist im Finale mit dem Schürhaken, dass er nicht nur wegrennen kann.

Bob: Bob ist für mich der MVP (Most Valuable Player) dieser Folge. Nicht nur, dass er die Recherche zum Voynich-Manuskript wuppt (der Mann hat das Internet wohl ausgedruckt im Kopf), er findet auch das entscheidende Beweisstück: das Klebeband mit den Tapetenresten. Ohne Bob hätten Justus und Peter wohl noch ewig nach versteckten Bluetooth-Boxen gesucht.

DIE GEGENSPIELER & CHARAKTERE


Der wahre Star ist hier nicht der Bösewicht, sondern der Auftraggeber. Professor Bancroft ist herrlich arrogant, ungeduldig und elitär. Ein Ekelpaket, das man einfach lieben muss. Dagegen verblasst der eigentliche Täter, Dr. Elwood Shoreland, fast ein wenig. Shoreland ist der klassische "Intellektuelle Kriminelle" – gebildet, höflich, aber mit Spielschulden bei der Mafia (ein Motiv so alt wie die Serie selbst). Dass die treue Seele Miss Mortimer mit drinsteckt, war ein netter kleiner Twist, auch wenn man ahnen konnte, dass sie sich Bancrofts Launen nicht ewig gefallen lässt.

BESTE MOMENTE


1. Der Keks-Spruch: Als Justus eine (wie er findet) berechtigte Frage stellt, blafft Bancroft ihn an: "Was glaubst du denn, was ich gerade mache? Kekse backen?" Ich habe laut gelacht. Der Mann hat keine Zeit für Justus' Geschwafel.
2. Die Auflösung: Die Idee mit den Flachlautsprechern unter der Tapete. Das ist physikalisch cool, modern und mal was anderes als der übliche "Kassettenrekorder im Lüftungsschacht".
3. Das Finale im Keller: Die Atmosphäre im Weinkeller, als die Wand eingerissen wird und das Fresko zum Vorschein kommt, ist toll inszeniert.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der Plan der Bösewichte ist typisch "Drei ???"-kompliziert. Um ungestört im Keller ein Bild zu klauen, terrorisiere ich den Hausherrn mit Satanslärm, damit er... was genau? Die Polizei ruft? Detektive engagiert? Wäre es nicht klüger gewesen, Bancroft in den Urlaub zu schicken? Die Lärm-Ablenkung zieht eigentlich mehr Aufmerksamkeit auf das Haus, als gut ist. Aber hey, ohne komplizierte Pläne hätten wir ja keinen Fall.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge reiht sich ein in die Tradition der "Wissenschafts-Thriller" von Hendrik Buchna (wie Schrecken aus der Tiefe). Das Voynich-Manuskript ist ein reales historisches Rätsel, das bis heute ungelöst ist – ein schöner Bildungsauftrag für uns Hörer!
Interessant ist auch die Parallele zu Folge 16 (Der Zauberspiegel) oder Folge 19 (Der Teufelsberg), wo wir ebenfalls starke, ältere Gegenspieler hatten. Manuskript des Satans fühlt sich an wie eine Hommage an die klassische Ära, aber mit Smartphone-Technik.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Leute, wir müssen über Jürgen Thormann (Professor Bancroft) reden. Der Mann ist eine Legende! Er war die deutsche Stimme von Michael Caine (Alfred in Batman!) und Ian McKellen (Magneto!). Zum Zeitpunkt der Aufnahme war er bereits weit über 90 Jahre alt – und er spielt den Professor mit einer Energie, die manchem 20-Jährigen fehlt. Seine grantige Art ist Gold wert. Thormann ist leider im November 2024 verstorben, was diese Rolle zu einem seiner letzten großen Auftritte im "Drei ???"-Kosmos macht. Ein würdiges Denkmal! Er war übrigens schon in den 80ern dabei: Als Señor Santora in Der Zauberspiegel und als Mr. Dalton im Teufelsberg. Gänsehaut!

Und dann haben wir Martin May als Dr. Shoreland. Filmfans kennen ihn als Fähnrich Ullmann aus dem Klassiker Das Boot. Anime-Fans (wie ich) flippen aus, weil er die Stimme von Kakashi Hatake in Naruto ist! Wenn Kakashi versucht, Justus Jonas übers Ohr zu hauen – das hat schon was.

Nicht zu vergessen: Heidi Schaffrath (Miss Mortimer). Ein Europa-Urgestein! Sie war schon in unzähligen TKKG- und Fünf Freunde-Folgen zu hören. Schön, diese vertrauten Stimmen zu haben.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge basiert auf dem gleichnamigen Buch von Hendrik Buchna (2022). Wie so oft musste für das Hörspiel gestrafft werden. Im Buch gibt es noch einen weiteren schrägen Charakter namens "Van Voynich" Lester Deedrick, der im Hörspiel (zum Glück?) fehlt, um die Handlung zu fokussieren. Buchna ist bekannt dafür, reale Phänomene (hier die Flachlautsprecher-Technologie "Distributed Mode Loudspeakers") einzubauen. Erzieherischer Mehrwert: Check!


FAN-SERVICE-CHECK


- Tante Mathilda: Ja, Karin Lieneweg ist dabei! Ein kurzer Auftritt, aber Mathilda gehört einfach dazu.
- Schrottplatz: Wir bekommen eine Szene auf dem Schrottplatz (Gebrauchtwarencenter!), inklusive Bedrohung durch den Stiefbruder. Fühlt sich an wie früher.
- Die Visitenkarte: Wird natürlich übergeben. Bancroft reagiert darauf herrlich unbeeindruckt.

FAZIT & EMPFEHLUNG


"Manuskript des Satans" ist eine sehr starke Folge, die vor allem durch einen überragenden Jürgen Thormann lebt. Das Rätsel ist clever, die Technik modern, aber das Feeling klassisch. Wer über die etwas konstruierte Logik des Bösewichts hinwegsehen kann, bekommt beste Unterhaltung. Ein Muss für Fans von starken Dialogen und Sprecher-Legenden. Aber Warnung: Nicht zum Einschlafen hören, sonst fällt ihr beim ersten "SATAN!"-Schrei aus dem Bett!

Ranking: Definitiv im oberen Drittel der neueren Folgen.

Wusstest du schon?

Das Voynich-Manuskript existiert wirklich und gilt bis heute als eines der größten ungelösten Rätsel der Kryptographie.
Die 'Lautsprecher-Tapete' basiert auf realer Forschung zu Flachmembran-Lautsprechern (Distributed Mode Loudspeakers), die Wände in Schallquellen verwandeln können.
Jürgen Thormann (Sprecher von Bancroft) ist eine Hörspiel-Legende und spricht die Rolle mit über 90 Jahren noch unglaublich energisch.
Cover
Bewertung
5.5
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5,5 von 10 schreienden Tapeten
Das Rätsel
Die technische Lösung mit den Flachlautsprechern unter der Tapete ist herrlich modern und physikalisch zumindest im 'Drei ???'-Universum plausibel erklärt. Ein starkes 'Wie wurde es gemacht?'-Rätsel, auf das man durch Bobs Fundstück tatsächlich kommen kann.
Plot & Logik
Der Plan ist typisch für die Serie etwas over-the-top: Warum einen 'Satans-Spuk' inszenieren, der Aufmerksamkeit erregt, wenn man heimlich einen Keller ausräumen will? Shoreland erklärt es als persönliche Rache und Ablenkung, was psychologisch funktioniert, aber riskant bleibt. Dass Miss Mortimer als 'gute Seele' die Verräterin ist, ist ein klassischer, aber gut ausgeführter Twist.
Kapitel
1 Satanische Attacken 0:00 min
2 Bowling-Bedrohung 7:46 min
3 Die drei Söhne 16:05 min
4 Offenes Fenster in der Nacht 23:56 min
5 Bancroft und Bancroft 31:01 min
6 Seltsames Klebeband 36:49 min
7 Verstorbene Ehefrau 45:28 min
8 Eine Wand mit Geschichte 50:19 min
9 Endstation Keller 58:53 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Justus zeigt sich von seiner besten Seite: Er lässt sich von Bancrofts Arroganz nicht einschüchtern, kombiniert messerscharf die Verbindung zwischen Lärm und Kellerraub und behält im Finale die Nerven.
P
Peter Shaw
Peter ist hier der Mann für die Praxis (Schürhaken!) und die unfreiwillige Action. Seine Reaktion auf den Lärm ('Ich komme mir vor, als hätte ich in der Turbine eines startenden Jumbo Jets gesteckt') macht die Bedrohung greifbar.
B
Bob Andrews
Bob ist der MVP dieser Folge. Er findet nicht nur das entscheidende Indiz (das Klebeband), sondern führt auch die Recherche zu Shorelands Vergangenheit durch, die das Motiv liefert.

Sprecher

Verwandte Folgen

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