Zusammenfassung

Die Geschichte beginnt auf dem Schrottplatz von Titus Jonas, wo ein verzweifelter Mann namens Arnold Grasso auftaucht. Er berichtet den drei ???, dass seine eigene Familie ihn entführen will, weil sie ihn für den Diebstahl eines heiligen Familienerbstücks hält: Ein Gemälde, datiert auf den 9. Oktober 1582. Das Kuriose daran ist, dass dieser Tag aufgrund der gregorianischen Kalenderreform historisch nie existiert hat. Noch während des Gesprächs stürmen zwei Männer und eine Frau den Schrottplatz. Arnold wird in einen weißen Kastenwagen gezerrt und entführt; Peter wird dabei niedergeschlagen.

Die drei Detektive finden eine Visitenkarte, die Arnold fallen ließ, mit dem Hinweis 'Vogelhäuschen' und dem Code 3582. In Arnolds Wohnung finden sie im besagten Vogelhäuschen einen Ersatzschlüssel und unter der Matratze sein Handy, das sie mit dem Code entsperren. Die Mailbox-Nachrichten enthüllen einen Familienkonflikt um das Erbe des verstorbenen Großvaters 'Nonno' und eine geplante Gemäldeübergabe in einer Lagerhalle. Bob recherchiert parallel die historischen Hintergründe und kontaktiert den Experten Professor Mick Hogan, der von einem angeblich verborgenen Da-Vinci-Gemälde hinter der Leinwand des 'nicht existierenden Tages' überzeugt ist.

Justus und Peter beschatten die erwähnte Lagerhalle und entdecken den weißen Kastenwagen. Sie belauschen Arnolds Tante Sarah und Onkel Eric, wobei klar wird, dass Sarah Zweifel an der harten Vorgehensweise hat. Als Sarah den Schlüssel zum Kastenwagen 'verliert' (absichtlich fallen lässt), können die Detektive den gefesselten Arnold befreien und mit dem Entführer-Fahrzeug fliehen. Arnold erklärt später in Sicherheit, dass das Gemälde aus einem verschlossenen Safe ohne Einbruchsspuren verschwand und er als Einziger die Kombination kannte.

Die Ermittlungen führen zurück zur Lagerhalle, wo der Hausmeister Dale Congdon sich verdächtig macht. Ein Einbrecher mit einem Siegelring der Familie Grasso wird in Congdons Büro überrascht, kann aber fliehen. Justus kombiniert, dass Congdon eine versteckte Kamera installiert haben muss, um die Safe-Kombination auszuspähen. Es stellt sich heraus, dass Congdon das Bild gestohlen hat und nun versucht, es an Professor Hogan zu verkaufen. Hogan, der von dem Da Vinci besessen ist, hatte zuvor versucht, Congdon durch einen Einbruch einzuschüchtern.

Beim finalen Treffen im Haus des Hausmeisters greifen die drei ??? ein. Die Polizei verhaftet Congdon und Hogan. Justus untersucht das Gemälde vor den Augen der Familie Grasso. Hinter der Leinwand befindet sich kein Da Vinci, sondern lediglich ein Empfehlungsschreiben von Papst Gregor XIII. für die Familie Grasso – historisch wertvoll für die Familie, aber wertlos für den Kunstmarkt.

Review

Justus Jonas gegen den Kalender: Wenn 10 Tage einfach fehlen!
Ein Datum, das es nie gab, eine Entführung direkt vom Schrottplatz und ein Hausmeister mit Webcam. Warum Folge 215 'Die verlorene Zeit' trotz Logik-Löchern Spaß macht und welche ProSieben-Stimme hier um Hilfe schreit, lest ihr im Review!

Hallo liebe Kassettenkinder, Streaming-Junkies und Schrottplatz-Stammgäste!

Wisst ihr, was das Schöne am Jahr 2022 war? Richtig, Folge 215, "Die verlorene Zeit". Christoph Dittert hat mal wieder in den Geschichtsbüchern geblättert und uns ein Szenario serviert, bei dem selbst Justus Jonas kurzzeitig die Augenbraue hochzieht (und wir wissen alle, das ist sein Äquivalent zu einem hysterischen Kreisch-Anfall). Also, schnappt euch ein Stück von Tante Mathildas Kirschkuchen (aber vorsicht, heiß!), lehnt euch zurück und lasst uns über eine Folge reden, in der die Zeit verrückt spielt – oder zumindest der Kalender.

ERSTER EINDRUCK


Der Titel "Die verlorene Zeit" klingt erstmal nach einer Mischung aus Marcel Proust und einer Doctor Who-Episode. Aber keine Sorge, wir befinden uns immer noch im sonnigen Rocky Beach. Der Einstieg ist – und das meine ich völlig ernst – einer der rasantesten der letzten Jahre. Normalerweise kommen die Klienten ja brav in die Zentrale und trinken Limonade. Hier? Hier wird der Klient direkt vom Schrottplatz weg entführt! Vor den Augen der Detektive! Das ist mal ein Service: Das Verbrechen wird frei Haus geliefert. Da spart man sich die Anfahrt. Mein erster Gedanke: "Wow, Europa, ihr gebt Gas!"

DIE STORY


Arnold Grasso, ein Mann, der so nervös ist wie Peter im Spukschloss, taucht bei Titus Jonas auf. Er faselt von einem Familienerbe und einem Gemälde, das auf den 9. Oktober 1582 datiert ist. Der Clou: Diesen Tag gab es nie! Dank Papst Gregor XIII. und seiner Kalenderreform sind damals einfach mal 10 Tage aus der Geschichte getilgt worden. Bevor Justus aber seinen inneren Wikipedia-Artikel dazu vortragen kann, fahren böse Buben (und eine Dame) vor, packen Arnold ein und düsen ab. Zurück bleiben drei verdutzte Detektive und ein niedergeschlagener Peter (dazu gleich mehr). Es folgt eine Schnitzeljagd über Vogelhäuschen-Verstecke, Lagerhallen-Überwachungen bis hin zu einem Finale, bei dem sich herausstellt: Nicht alles ist Gold, was glänzt – und nicht jeder Da Vinci ist echt.

UNSERE HELDEN


Justus: Unser Erster Detektiv ist in Hochform. Er kombiniert schneller, als andere Leute blinzeln. Besonders schön: Seine Analyse der Kratzer am Auto und der Siegelringe. Aber der Moment, in dem er checkt, wie der Hausmeister an den Safe-Code kam (Stichwort: Kamera), beweist mal wieder, warum er der Chef ist. Auch wenn sein "Hä?" in einer Szene herrlich menschlich wirkt.

Peter: Ach, Peter. Unser Zweiter Detektiv ist mal wieder der Mann fürs Grobe. Er kriegt eins über die Rübe (der sogenannte "Kelly-Family-Gedächtnis-Schlag"), muss klettern, rennen und kämpfen. Er ist quasi der Action-Held wider Willen. Aber er macht das gut! Und sind wir ehrlich: Ohne Peter würden Justus und Bob wahrscheinlich immer noch in der Bibliothek sitzen.

Bob: Der Mann, der Google erfunden hätte, wenn es das nicht schon gäbe. Bob ist hier der MVP (Most Valuable Player) der Recherche. Er gräbt die Fakten zur Kalenderreform aus und holt den Experten Professor Hogan ins Boot. Ohne Bob keine Historie, ohne Historie kein Fall. Solide Arbeit, Kollege Andrews!

DIE GEGENSPIELER


Wir haben hier zwei Fraktionen. Zum einen die Familie Grasso: Viel italienisches Temperament, viel "Ehre", aber leider auch ein bisschen klischeehaft. Sie wirken wie eine Light-Version der Sopranos, die sich in ein Jugendhörspiel verirrt hat.
Zum anderen Professor Hogan: Hannes Hellmann spricht diesen arroganten Kunst-Snob so herrlich unsympathisch, dass man ihm die Handschellen persönlich anlegen möchte. Ein klassischer "Ich bin schlauer als ihr"-Bösewicht, der am Ende natürlich dumm aus der Wäsche guckt.
Und dann ist da noch der Hausmeister Dale Congdon. Ein eher profaner Schurke, dessen Motivation (Geld, was sonst) leider nicht ganz mit dem mystischen Aufbau der Folge mithalten kann.

BESTE MOMENTE


1. Die Entführung live: Dass die Action direkt auf dem Schrottplatz stattfindet, ist ein genialer Schachzug. Das bricht mit der Routine und sorgt sofort für Dringlichkeit.
2. Das Vogelhäuschen: Ein Schlüssel im Vogelhäuschen? Das ist so herrlich Old-School-Detektivarbeit, da geht mir das Herz auf. Fast so gut wie der Schlüssel unter der Fußmatte.
3. Justus vs. Peter: Der Dialog über Peters Gewicht bzw. "schwere Knochen" ist Gold wert. Es sind diese kleinen Frotzeleien, die zeigen, wie gut die Chemie zwischen den Sprechern nach über 40 Jahren immer noch ist.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Die Auflösung ist ein bisschen... naja. Wir starten mit "Verlorener Zeit" und einem Papst-Dekret von 1582 – ein riesiges, faszinierendes Mysterium! Und die Lösung? Ein Hausmeister mit einer Webcam. Das ist ein bisschen so, als würde man ein 5-Gänge-Menü versprechen und dann eine Bockwurst servieren. Die Bockwurst schmeckt okay, aber man hatte sich auf Trüffel eingestellt. Auch der Zufall, dass Sarah den Schlüssel genau vor Justus' Füßen "verliert", ist Drehbuch-Schreiben mit dem Holzhammer.

SERIEN-KONTEXT


Die Folge reiht sich gut in die "modernen" Fälle von Christoph Dittert ein, der ja bekanntlich ein Faible für historische Rätsel hat (siehe auch "Der Mottenmann" oder seine Bücher). Es gibt keine direkten Verbindungen zu alten Story-Arcs (leider kein Hugenay, obwohl es um Kunstraub geht), aber die Thematik erinnert entfernt an Fälle wie "Das Bild" oder "Feuermond" – Kunst, Fälschung, Historie.
Interessant für die Statistik-Freaks: Es ist eine der wenigen Folgen, wo der Schrottplatz zum Tatort (Entführung) wird. Normalerweise ist die Zentrale ja eine Festung der Ruhe (abgesehen von Tante Mathildas Staubsauger).


SPRECHER-SPOTLIGHT


Leute, hier haben wir ein Fest für die Ohren!
Patrick Berg (Arnold Grasso): Wenn euch die Stimme bekannt vorkommt: Das ist die "Station Voice" von ProSieben! Ja, genau, der Typ, der euch sagt, welcher Blockbuster gleich läuft, wird hier entführt. Ironie des Schicksals.
Rasmus Borowski (Eric Grasso): Ein Mann mit vielen Talenten – Synchronsprecher für Luke Evans ("Der Hobbit") und Martin Compston ("Line of Duty"). Er bringt ein bisschen Hollywood-Flair in die Lagerhalle.
Peter Kaempfe (Dale Congdon): Noch so eine Legende. Er war jahrelang die Station Voice vom Nordwestradio und spricht unzählige Dokus (Terra X Style). Seine ruhige, markante Stimme als schmieriger Hausmeister zu hören, ist ein genussvoller Kontrast.
Vreni Frost (Amalia): Hier haben wir einen "Promi-Gast". Vreni Frost ist eigentlich Bloggerin, Autorin und Influencerin. Ein nettes Easter Egg für die Social-Media-Generation, auch wenn ihre Rolle eher klein ist.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge basiert auf dem gleichnamigen Buch von Christoph Dittert. Wie so oft musste Skript-Guru André Minninger die Schere ansetzen, um den Roman auf Hörspiellänge zu trimmen. Im Buch sind die historischen Hintergründe zur Kalenderreform noch ausführlicher (Bob darf da richtig glänzen). Erschienen ist das Hörspiel im März 2022. Fun Fact: Wegen der Pandemie gab es keine klassische Record-Release-Party mit Publikum, aber dafür ein Online-Feature.


FAN-SERVICE-CHECK


Visitenkarte: Ein klassisches Clue-Element.
Schrottplatz-Action: Titus Jonas wird erwähnt und der Platz als Kulisse genutzt.
  • Bildung: Der Fakt mit den 10 fehlenden Tagen im Jahr 1582 ist wahr! Justus erfüllt also wieder seinen Bildungsauftrag. Man lernt nie aus.

FAZIT & EMPFEHLUNG


"Die verlorene Zeit" ist wie eine Pizza, bei der der Rand ein bisschen zu dick ist, aber der Belag in der Mitte super schmeckt. Der historische Aufhänger ist fantastisch, der Start furios, die Sprecherriege exzellent. Dass das Ende dann etwas konventionell daherkommt, verzeiht man gerne, weil der Weg dahin einfach Spaß macht. Es ist kein absoluter All-Time-Classic wie das "Gespensterschloss", aber eine sehr solide, unterhaltsame Folge für den Sonntagnachmittag.

Für wen? Für alle, die Justus gerne beim Klugscheißen über Geschichte zuhören und Action auf dem Schrottplatz lieben.

Ranking-Potenzial: Solides Mittelfeld mit Tendenz nach oben.

Wusstest du schon?

Die im Hörspiel thematisierte Kalenderreform durch Papst Gregor XIII. fand tatsächlich im Oktober 1582 statt, wobei auf den 4. Oktober direkt der 15. Oktober folgte.
Christoph Dittert schrieb die Buchvorlage, André Minninger adaptierte das Skript.
Dies ist eine der wenigen Folgen, in denen die drei ??? direkt Zeugen einer Entführung auf ihrem eigenen Schrottplatz werden.
Cover
Bewertung
5.5
📅 📅 📅 📅 📅 📅 📅 📅 📅 📅
5,5 von 10 nicht existierenden Kalendertagen
Das Rätsel
Die Prämisse um die 'verlorene Zeit' (die Kalenderreform von 1582) ist ein fantastischer, bildender Aufhänger, der neugierig macht. Die Auflösung des eigentlichen Diebstahls (Hausmeister mit versteckter Kamera) ist im Vergleich dazu leider etwas profan und technisch simpel.
Plot & Logik
Die Handlung ist weitgehend schlüssig, leidet aber unter Zufällen: Dass Professor Hogan genau dort auftaucht, wo die drei ??? sind, wirkt etwas konstruiert. Auch dass Sarah den Schlüssel genau vor Justus' Füßen fallen lässt, ist eine sehr bequeme Lösung für die Autoren, um Arnold zu befreien.
Kapitel
1 Ein Gemälde, das es gar nicht geben kann 0:00 min
2 3582 8:59 min
3 Der 9. Oktober 1582 16:06 min
4 Platzhalter 29:36 min
5 (Un)bekannter Verfolger 41:46 min
6 Einbruch 47:22 min
7 Erwischt 53:47 min
8 Zusammentreffen 59:06 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert durch Beobachtungsgabe (Kratzer am Auto, Siegelringe) und kombiniert am Ende messerscharf die Sache mit der Kamera im Lagerraum. Ein starker Auftritt.
P
Peter Shaw
Ist hier der Mann fürs Grobe: Er wird niedergeschlagen, klettert über Zäune, knackt Schlösser und liefert sich am Ende einen Kampf. Er bekommt viel Raum für Action.
B
Bob Andrews
Seine Recherche ist der Schlüssel zum historischen Hintergrund. Ohne seinen Anruf bei Professor Hogan wäre der Antagonist wohl nie so direkt involviert worden.

Sprecher

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