Zusammenfassung

Die drei ??? nehmen an einem Geocaching-Wettbewerb der 'Track Crackers' teil. Obwohl sie das Zeitlimit für die Rettung der 'Prinzessin' (einer Puppe) knapp verpassen, werden sie aufgrund ihrer Schnelligkeit bei den Rätseln zu den Siegern erklärt. Bei der Preisverleihung auf dem Anwesen der Familie Rodman bittet Deborah Rodman die Detektive um Hilfe: Der berüchtigte Kunstdieb 'Captain Skull' schadet dem Ruf des Hobbys, indem er an Tatorten Koordinaten-Rätsel hinterlässt. Die Polizei unter Inspektor Cotta und Commissioner Prescott – Deborahs Ex-Freund – tappt im Dunkeln.

Die Ermittlungen führen zu den Vereinsmitgliedern Valerie Flockhart, Josh Riley und Benjamin Rodman. Justus zeigt ungewöhnliches Interesse an Valerie und besucht sie allein, während Peter und Bob die Umgebung observieren. Dabei wird Bob von einem Unbekannten in den Teich gestoßen. Josh Riley verstrickt sich in Widersprüche bezüglich seines Alibis. Kurz darauf meldet sich der Reporter Todd Lexington bei der Polizei und behauptet, Captain Skull zu kennen. In einer inszenierten Aktion lässt sich Lexington als falscher Skull verhaften, um den echten Täter aus der Reserve zu locken.

Der Plan scheint aufzugehen: Der echte Skull fordert Lexington zu einem Duell heraus. Lexington löst die Rätsel, wird aber vom echten Skull in einem alten Wassertank am Palisades Park gefesselt und fast ertränkt. Die drei ??? retten ihn in letzter Sekunde. Justus durchschaut schließlich das doppelte Spiel: Lexington hatte selbst die Baseballkarten aus der zuvor gestohlenen Schatulle entwendet. Doch wer ist der echte Skull?

Durch eine gefundene Kompassnadel und die Analyse des Fluchtwegs kommt Justus auf die Lösung: Samuel Rodman ist Captain Skull. Sein Motiv war reine Eifersucht auf Commissioner Prescott, den er als unfähig bloßstellen wollte. Rodman leidet an Gephyrophobie (Brückenangst), was seine seltsamen Routen erklärte. Am Ende muss Justus eine bittere Pille schlucken: Valerie wollte ihn nicht, sondern ist mit Josh Riley zusammen. Josh hatte Justus aus Eifersucht in den Teich geschubst.

Review

Liebeskummer & Logbuch-Frust: Warum Justus Jonas besser keine Tupperdosen suchen sollte
Justus Jonas verliebt, Bob geht baden und Rolf Becker spielt den Ekel-Cop. Folge 168 'GPS-Gangster' ist eine emotionale Achterbahnfahrt mit Koordinaten-Salat. Wir verraten, warum das Ende so weh tut!

Hallo liebe Kassettenkinder, Streaming-Junkies und Zentrale-Besetzer!

Heute knöpfen wir uns eine Folge vor, die im Jahr 2014 den Zeitgeist so sehr atmete wie Peter nach einem 100-Meter-Sprint: Folge 168: GPS-Gangster. Schnappt euch eure GPS-Geräte (oder einfach euer Smartphone, wir leben ja in der Zukunft), zieht die Wanderschuhe an und vergesst nicht, ein Taschentuch für Justus einzupacken. Warum? Dazu kommen wir gleich. Es wird technisch, es wird emotional und – Spoiler-Alarm – es wird nass für Bob.

ERSTER EINDRUCK


Hand aufs Herz: Wer von euch ist damals, so um 2010 herum, nicht auch mit einem Garmin-Gerät durchs Unterholz gekrochen, um Filmdosen unter Wurzeln zu suchen? Marco Sonnleitner, der Mann, der Trends schneller in D3???-Fälle verwandelt als Justus einen Kirschkuchen inhaliert, hat sich hier dem Geocaching angenommen. Der erste Eindruck? "Modern!" Aber auch: "Hoffentlich lesen die nicht die ganze Zeit Koordinaten vor." (Spoiler: Tun sie. Leider.) Die Atmosphäre ist weniger Gruselschloss und mehr "High-Tech-Schnitzeljagd in der Vorstadt", was eine nette Abwechslung ist, aber auch ein bisschen den klassischen Charme vermissen lässt. Es riecht weniger nach modrigem Keller und mehr nach Lithium-Ionen-Akku.

DIE STORY


Die drei ??? gewinnen einen Geocaching-Wettbewerb (natürlich tun sie das, Justus hat vermutlich den Satelliten umprogrammiert), kommen aber zu spät, um die "Prinzessin" zu retten – zum Glück nur eine Puppe. Doch der Spaß ist schnell vorbei. Deborah Rodman engagiert die Jungs, weil ein Kunstdieb namens Captain Skull die Geocaching-Szene in Verruf bringt. Der Typ klaut wertvolles Zeug und lässt die Polizei dann per GPS-Rätsel nach den Gegenständen suchen. Inspektor Cotta ist genervt, sein Chef Commissioner Prescott ist ein arroganter Pinsel, und Justus... tja, Justus hat plötzlich Tomaten auf den Augen, weil die hübsche Valerie Flockhart den Raum betreten hat. Es entspinnt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Polizei blamiert wird, Bob baden geht und am Ende ein psychologisches Profil den Täter entlarvt.

UNSERE HELDEN


Fangen wir mit dem Elefanten im Raum an (und nein, ich meine nicht Justus' Gewicht, das ist tabu): Justus Jonas ist verliebt. Und meine Güte, ist das schmerzhaft mitanzusehen! Unser Erster Detektiv, sonst die personifizierte Rationalität, verwandelt sich in einen balzenden Teenager, der jeden kritischen Gedanken über Bord wirft, sobald Valerie ihm ein Lächeln schenkt. Oliver Rohrbeck spielt das fantastisch – diese Mischung aus Arroganz und Unsicherheit. Man möchte ihn schütteln und schreien: "Justus, sie spielt nur mit dir! Konzentrier dich!"

Peter Shaw ist in dieser Folge der heimliche MVP (Most Valuable Peter). Während Justus im Hormonrausch ist, behält Peter einen kühlen Kopf, fährt den MG wie ein junger Gott und findet am Ende das entscheidende Beweisstück (die Kompassnadel). Er ist hier mal nicht der Angsthase, sondern die Stimme der Vernunft. Ein starker Auftritt!

Und Bob Andrews? Der arme Kerl ist mal wieder das physische Opfer. Er wird in einen Teich geschubst und darf nass und frierend ermitteln. Immerhin: Seine Recherche-Arbeit ist wie immer tadellos, auch wenn er diesmal eher der Stichwortgeber für Justus' geniale Schlussfolgerung ist.

DIE GEGENSPIELER


Der Fall lebt von seinen Antagonisten. Da haben wir Captain Skull, der herrlich theatralisch agiert (Maske, verzerrte Stimme – das volle Programm). Aber der eigentliche "Bösewicht" für den Hörer ist Commissioner Prescott. Was für ein Ekelpaket! Er behandelt Cotta wie Dreck und die drei ??? wie Ungeziefer. Man liebt es, ihn zu hassen.

Der wahre Täter, Samuel Rodman, bleibt lange blass, was für den Twist am Ende gut ist. Sein Motiv – reine Eifersucht auf den Ex seiner Frau (Prescott) und der Wunsch, ihn als unfähig darzustellen – ist... naja, sagen wir mal: "kreativ". Ein Millionär, der zum Meisterdieb wird, nur um den neuen Macker seiner Ex zu ärgern? Das ist schon sehr "Reich-und-Schön"-Niveau.

BESTE MOMENTE


1. Das Sherlock-Deduktion: Als Justus am Ende erklärt, wie er auf Rodman gekommen ist, ist das ganz großes Kino. Die Herleitung über die Gephyrophobie (die Angst vor Brücken) ist brillant. Rodman musste irre Umwege fahren, um Brücken zu vermeiden – das erklärte die seltsamen Fluchtrouten. Ein klassischer "Justus-Moment", der zeigt, warum er der Boss ist.
2. Der Korb des Jahrhunderts: Das Ende ist brutal. Justus gesteht Valerie quasi seine Zuneigung, und sie serviert ihn ab mit: "Ich finde dich wirklich total nett." Aua. Das hat man bis nach Santa Monica gehört. Justus' Reaktion darauf ist pures Gold.
3. Cotta vs. Prescott: Jedes Mal, wenn Cotta versucht, die Jungs zu verteidigen und von Prescott abgebügelt wird, leidet man mit unserem Lieblingsinspektor mit. Das schweißt zusammen!

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Koordinaten im Hörspiel vorzulesen, ist eine Todsünde. "Nord 34 Grad, 12 Minuten, 5 Sekunden..." – GÄHN! Das funktioniert im Buch, aber im Hörspiel bremst es das Tempo komplett aus. Man wartet nur darauf, dass es vorbei ist.
Zudem ist der Subplot mit dem Reporter Todd Lexington, der sich als falscher Skull ausgibt, etwas verworren. Es wirkt, als hätte Marco Sonnleitner noch eine Wendung gebraucht, um die Spielzeit zu füllen.
Und das Motiv von Rodman... ich habe es schon erwähnt. Es ist ein bisschen sehr an den Haaren herbeigezogen. Aber hey, in Rocky Beach haben Leute schon für weniger Gespenster in Schlösser projiziert.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge reiht sich ein in die Kategorie "Justus menschelt". Es gibt nur wenige Fälle, in denen der Erste Detektiv emotionale Schwäche zeigt. Man denkt sofort an "Feuermond" (Brittany) oder ganz früher an Lys de Kerk. "GPS-Gangster" ist wichtig für die Charakterentwicklung, weil es zeigt, dass auch das Superhirn nicht immun gegen Gefühle (und Manipulation) ist.
Interessant ist auch das Verhältnis zur Polizei: Normalerweise ist Cotta der Fels in der Brandung. Hier sehen wir, dass Cotta auch Vorgesetzte hat, und wie prekär die Zusammenarbeit eigentlich ist. Das gibt dem Ganzen mehr Realismus.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Leute, schnallt euch an, denn die Besetzungsliste ist ein Fest für Trivia-Nerds!

Rolf Becker als Commissioner Prescott: Hier spielt er den arroganten Polizeichef. Der Clou? Nach dem Tod von Andreas von der Meden übernahm Rolf Becker ab Folge 185 die Rolle von Morton! Hier hören wir also quasi den "bösen Morton" der Zukunft. Außerdem ist er der Vater von Ben und Meret Becker. Eine absolute Legende.
Lutz Mackensy als Nigel Tillerman: Wenn ihr die Stimme hört und denkt "Großer Gott!", dann liegt ihr richtig. Das ist die deutsche Stimme von Doc Brown (Christopher Lloyd) aus "Zurück in die Zukunft"! Er ist ein Veteran der drei ??? (u.a. Der unsichtbare Gegner, Die flüsternde Mumie). Er könnte das Telefonbuch vorlesen und es klänge mysteriös.
Nicolas Müller als Josh Riley: Jetzt kommt der Hammer für Musik-Fans. Josh Riley wird gesprochen von Nicolas Müller. Klingelt's? Das ist der ehemalige Sänger der Band Jupiter Jones ("Still")! Ein genialer Cameo, den viele gar nicht auf dem Schirm haben.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Das Buch von Marco Sonnleitner erschien 2012, das Hörspiel 2014. Sonnleitner ist bekannt für seine Action-orientierten und oft technisch geprägten Fälle (Netz der Lügen, Straße des Grauens). Typisch für ihn: Das Tempo ist hoch, die Kapitel sind kurz. Im Buch wird die Geocaching-Technik noch detaillierter erklärt, was im Hörspiel zum Glück etwas gekürzt wurde (auch wenn es immer noch viele Zahlen sind). Interessant ist, dass die Folge in der Ära produziert wurde, als Geocaching seinen absoluten Hype-Peak hatte – die drei ??? waren hier also sehr "on trend".


FAN-SERVICE-CHECK


Zentrale: Kommt vor, ist aber nicht der Hauptschauplatz. Wir sind viel "on the road".
Visitenkarte: Wird natürlich überreicht.
Running Gag: Peter hat Angst? Nein, diesmal eigentlich nicht. Dafür haben wir den Running Gag "Justus ist verfressen" durch "Justus ist verliebt" ersetzt.
  • Inspektor Cotta: Darf mal wieder zeigen, dass er ohne die drei ??? aufgeschmissen wäre, aber diesmal sind ihm die Hände gebunden.

FAZIT & EMPFEHLUNG


"GPS-Gangster" ist eine solide 7/10. Die Technik-Thematik wirkt heute vielleicht schon wieder leicht retro (wer nutzt noch Handheld-GPS?), aber der Fall ist spannend konstruiert. Das absolute Highlight ist aber die Charakterstudie von Justus Jonas. Wer den Ersten Detektiv mal leiden sehen will (emotional, nicht physisch), der MUSS diese Folge hören. Die Auflösung mit der Phobie ist clever, die Sprecherriege ist absolut hochkarätig.

Kein Klassiker für die Ewigkeit, aber eine sehr unterhaltsame Folge für zwischendurch – idealerweise beim Waldspaziergang, solange ihr nicht anfangt, nach Plastikdosen zu graben.

Bis zum nächsten Mal, Kollegen! Und denkt dran: Geht niemals über Brücken, wenn ihr Samuel Rodman heißt!

Wusstest du schon?

Die Angst vor Brücken heißt tatsächlich Gephyrophobie.
Justus wird in dieser Folge mit dem ultimativen 'Friendzone'-Satz abserviert ('Ich finde dich wirklich total nett').
Rolf Becker spricht hier Commissioner Prescott; in anderen Folgen ist er als 'Lesley Dimple' oder Morton (in neueren Folgen) bekannt.
Cover
Bewertung
7.5
💔 💔 💔 💔 💔 💔 💔 💔 💔 💔
7,5 von 10 gebrochenen Detektiv-Herzen
Das Rätsel
Die GPS-Rätsel funktionieren im Hörspiel nur bedingt, da das Vorlesen von Koordinaten ('34 Grad, 2 Komma...') akustisch ermüdend ist. Clever ist jedoch Justus' finale Deduktion über die Gephyrophobie (Brückenangst), die ein klassisches 'Sherlock-Element' in den modernen Plot bringt.
Plot & Logik
Das Motiv von Samuel Rodman ist arg konstruiert: Ein wohlhabender Mann wird zum Meisterdieb, nur um den Ex seiner Frau (den Polizeichef) als Stümper dastehen zu lassen? Auch der Subplot mit Lexington als 'falschem Skull', der dann vom 'echten Skull' bestraft wird, wirkt etwas überfrachtet, sorgt aber immerhin für Wendungen.
Kapitel
1 Prinzessin 0:00 min
2 Cotta ist bedient 12:24 min
3 Die erste Spur 18:09 min
4 Merkwürdiger Fluchtweg 22:46 min
5 Auf dem Holzweg 36:42 min
6 Eine unglaubliche Entdeckung 45:15 min
7 Der Deal 51:23 min
8 Bis zum letzten Atemzug 60:49 min
9 Rache aus dem Grab 66:34 min
10 Justus ist nicht nett 71:27 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Der heimliche Star der Folge, aber tragisch. Er ist verliebt, lässt sich blenden und kassiert am Ende einen der härtesten Körbe der Seriengeschichte. Seine Schlussfolgerung am Ende ist brillant, sein Herzschmerz echt.
P
Peter Shaw
Fungiert als solider Fahrer und Skeptiker, der Justus' Schwärmerei für Valerie von Anfang an kritisch beäugt. Er hat den wichtigen Fund (die Nadel) am Wassertank.
B
Bob Andrews
Muss leiden: Wird in den Teich geschubst und dient als Stichwortgeber. Solide, aber keine Glanzleistung.

Sprecher

Verwandte Folgen

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