Zusammenfassung

Der Fall beginnt in der Villa von Mr. O'Sullivan. Der wohlhabende Sammler und Musiker engagiert Justus, Peter und Bob, um eine Million Dollar Lösegeld für seine gestohlene Geige, die wertvolle Guarneri 'Diener des Herrn', zu übergeben. O'Sullivan besteht darauf, dass die Jungen das Geld überbringen, da er ihnen vertraut und die Entführer keine Polizei wollen. Als Beweis für die Echtheit der Geige gibt er ihnen ein Foto mit, auf dem er das Instrument spielt.

Die drei ??? machen sich in einem Mietwagen auf den Weg zum ersten Übergabeort im Zion-Nationalpark. Dabei stellen sie fest, dass sie verfolgt werden: Ihr alter Widersacher, der schmierige Privatdetektiv Dick Perry, heftet sich an ihre Fersen. Trotz eines Ablenkungsmanövers, bei dem Peter zu Fuß flüchtet, bleibt Perry hartnäckig. Am ersten Treffpunkt findet Justus statt der Geige nur eine neue Nachricht: Der erste Ort war nur ein Test. Die eigentliche Übergabe soll um Mitternacht im Antelope Canyon bei Page stattfinden.

In Page angekommen, wird Peter, der im Auto wartet, von einem maskierten Mann überfallen, der einen der beiden Rucksäcke mit dem Geld stiehlt. Somit bleibt nur noch eine halbe Million Dollar übrig. In der Nacht begibt sich Justus in den Canyon, um den Austausch vorzunehmen. Er versucht, den 'Entführer' (ein maskiertes Phantom) zu täuschen, doch als dieser merkt, dass die Hälfte des Geldes fehlt, zerschmettert er die Geige vor Justus' Augen und flieht.

Justus ist am Boden zerstört, doch ein Anruf von Bob bei ihrer Freundin Jelena bringt die Wende: Die Geige gehörte O'Sullivan gar nicht, sondern war nur geliehen und sollte an die Tochter des eigentlichen Besitzers gehen. Justus kombiniert zudem, dass das Foto von O'Sullivan seitenverkehrt war (erkennbar an einer Narbe), was bedeutet, dass O'Sullivan Linkshänder ist und eine Linkshänder-Kopie der Geige besaß. Die drei ??? folgen O'Sullivan nach Las Vegas ins 'Florence Hotel'. Dort konfrontieren sie ihn: O'Sullivan hatte den Diebstahl und die Entführung selbst inszeniert, um die echte Geige behalten zu können. Die zerstörte Geige war lediglich die wertlose Kopie. Butler Paul war der Komplize, der Peter überfallen hatte, und Dick Perry wurde engagiert, um sicherzustellen, dass die Detektive das Ziel erreichen.

Review

Fiedeln, Felsen und ein falscher Fuffziger: Warum der Geister-Canyon rockt (und Dick Perry nervt)!
Ein Roadtrip durch die Wüste, eine Millionen-Lösegeldübergabe und die Rückkehr eines alten Feindes. Warum Folge 124 mehr Indiana Jones als Rocky Beach ist und welcher legendäre Sprecher hier den Ton angibt, lest ihr im Review!

Hallo liebe Spezis, Kollegen und Kassettenkinder!

Schnallt euch an, stellt die Rückenlehnen senkrecht und vergesst die Snacks nicht – wir gehen auf einen Roadtrip! Heute besprechen wir eine Folge, die so staubig ist wie Peters Sneaker nach einem Lauf durch die Wüste und so dramatisch wie Tante Mathilda, wenn der Kirschkuchen anbrennt. Es geht um Folge 124: Geister-Canyon.

ERSTER EINDRUCK


Kennt ihr diese Folgen, bei denen man sofort merkt: "Okay, wir sind nicht mehr in Kansas... äh, Rocky Beach"? Das hier ist so eine. Statt Zentrale und Schrottplatz gibt es rote Felsen, glühende Hitze und endlose Highways. Mein erster Gedanke beim Hören: Das riecht nach Ben Nevis! Der Mann liebt Action, der Mann liebt Reisen (wir erinnern uns an die Toteninsel), und hier schickt er unsere drei Jungs auf eine Schnitzeljagd, die sich gewaschen hat. Es fühlt sich weniger nach einem klassischen Detektiv-Fall an und mehr nach einem Indiana Jones-Abenteuer 'Light'. Und sind wir ehrlich: Ein bisschen Abwechslung tut gut, auch wenn ich den Kaffeebecher-Verbrauch in der Zentrale vermisse.

DIE STORY


Kurz und schmerzlos: Der exzentrische Millionär Mr. O'Sullivan (ein Mann mit Geld wie Heu und einer Stimme wie Donnerhall) vermisst seine geliebte Geige, die "Diener des Herrn". Lösegeld: Eine schlappe Million. Die Übergabe soll in der Wüste stattfinden, und weil O'Sullivan der Polizei so weit traut wie Justus einer Diät, müssen unsere drei ??? ran. Was folgt, ist eine Hetzjagd durch den Zion-Nationalpark bis zum Antelope Canyon. Aber Achtung: Sie sind nicht allein. Ein alter Bekannter klebt an ihren Fersen wie Kaugummi am Schuh.

UNSERE HELDEN


Justus: Unser Erster Detektiv muss hier ordentlich einstecken. Erst wird er durch die Wüste gescheucht, dann muss er zusehen, wie ein unbezahlbares Kulturgut zu Sägemehl verarbeitet wird. Aber – und das liebe ich an ihm – er gibt nicht auf. Der Moment, in dem er durch reine Deduktion (und ein Foto!) den Fall knackt, ist klassischer Sherlock-Jonas. Da verzeiht man ihm auch, dass er sportlich mal wieder an seine Grenzen kommt.

Peter: Der arme Kerl. Er ist der Designated Driver, der Packesel und das Opfer vom Dienst. In dieser Folge kriegt er ordentlich auf die Mütze (im wahrsten Sinne des Wortes), aber ohne seine Fahrkünste wären die drei wahrscheinlich schon an der ersten Raststätte gestrandet. Ein solider Auftritt unseres Sport-Asses.

Bob: Der Mann im Hintergrund. Während die anderen schwitzen, greift Bob zum Telefon. Er ist hier quasi das Verbindungsglied zur Außenwelt (und zu Jelena, dazu später mehr). Ohne seinen Anruf wäre Justus wohl nie auf die Lösung gekommen. Bob beweist mal wieder: Wissen ist Macht, und ein gutes Adressbuch ist mächtiger.

DIE GEGENSPIELER


Kommen wir zum Highlight: Dick Perry! Ja, ihr habt richtig gehört. Der schmierige, selbstverliebte und herrlich inkompetente Privatschnüffler aus Santa Monica ist zurück. Und meine Güte, was habe ich gelacht. Er ist der perfekte Antagonist, weil er so wunderbar nervtötend ist, ohne wirklich bedrohlich zu wirken. Er ist wie eine Fliege beim Picknick – lästig, aber man wird sie nicht los.

Der eigentliche "Schurke", Mr. O'Sullivan, ist fast schon tragisch. Ein Mann, der seine eigene Entführung inszeniert, nur um eine Geige zu behalten? Das ist schon Shakespeare-Niveau an Dramatik.

BESTE MOMENTE


1. Die Zerstörung: Die Szene im Canyon, als die Geige zerschmettert wird. Das Sounddesign ist hier grandios – das Knacken des Holzes tut jedem Musikliebhaber körperlich weh. Eine der emotional härtesten Szenen der jüngeren Geschichte.
2. Perrys Sprüche: Jeder Dialog zwischen Justus und Dick Perry ist Gold wert. Justus' geschwollene Höflichkeit trifft auf Perrys Gossen-Slang. Herrlich!
3. Die Auflösung: Der Trick mit dem seitenverkehrten Foto und der Linkshänder-Geige. Das ist so simpel, so genial und so "Drei Fragezeichen", dass ich applaudieren möchte. Ein Rätsel zum Mitraten, das man tatsächlich lösen kann.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der Plan des Täters ist... mutig. Er engagiert die drei besten Detektive der Welt, um Zeugen eines Verbrechens zu werden, das er selbst begeht? Das ist entweder genial oder wahnsinnig dumm. Das Risiko, aufzufliegen, war astronomisch hoch. Und der Titel "Geister-Canyon"? Naja, klassischer Europa-Clickbait. Geister gibt's hier keine, nur viel Staub und Echo. Ein bisschen mehr Grusel hätte bei dem Titel nicht geschadet.

SERIEN-KONTEXT


Jetzt wird's nerdig, Freunde!
Dick Perry: Wir kennen den guten Dick (gesprochen von Ernst H. Hilbich) bereits aus Folge 59 "Gift per E-Mail". Dass er hier, fast 65 Folgen später, wieder auftaucht, ist ein geniales Stück Kontinuität. Später sehen wir ihn übrigens noch im "dreiTag" wieder. Er ist quasi der Skinny Norris für Arme.
Jelena Charkova: Ein weiteres Crossover! Die Figur stammt eigentlich aus der Feder von André Marx (z.B. "Musik des Teufels"), aber Ben Nevis leiht sie sich hier aus. Das zeigt, wie vernetzt das Autoren-Universum mittlerweile ist. Sie taucht zwar nicht physisch auf (wir hören ihre Stimme nicht), aber ihr Einfluss ist spürbar.
Einordnung: Die Folge erschien 2008, in einer Zeit, als sich die Serie nach der Rechtsstreit-Pause gerade wieder stabilisiert hatte. Sie gehört zu den modernen "Action-Abenteuern", die typisch für Ben Nevis sind.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Leute, wir müssen über Eckart Dux (Mr. O'Sullivan) reden. Der Mann ist eine Legende!
Er war die deutsche Stimme von Arthur Spooner in King of Queens. Wenn O'Sullivan schreit, höre ich immer ein bisschen "Douglas!" im Hintergrund.
Er war Hannibal im A-Team (George Peppard). Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!
Und für die Fantasy-Fans: Er sprach Gandalf in den Hobbit-Filmen (nach dem Tod von Joachim Höppner).
Seine Performance hier ist grandios – diese Mischung aus Arroganz, Verzweiflung und Wahnsinn kauft man ihm sofort ab.

Und natürlich Ernst H. Hilbich als Dick Perry. Seine knarzige, nölige Stimme ist einzigartig. Man möchte ihm sofort den Hörer auflegen, und genau das macht ihn so perfekt für die Rolle.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge basiert auf dem gleichnamigen Buch von Ben Nevis (2005). Interessant ist ein kleiner Unterschied: Im Buch spielt Justus wohl teilweise einen "amerikanischen Flegel", um seine Rolle als Bote glaubwürdiger zu machen. Im Hörspiel ist er (zum Glück?) weitgehend unser gewohnter Justus. Die musikalische Untermalung setzt hier stark auf Atmosphäre – weniger Synthie-Pop, mehr Weite und Drama, was perfekt zu den Nationalparks passt.


FAN-SERVICE-CHECK


Wiederkehrende Charaktere: Dick Perry und die Erwähnung von Jelena.
Visitenkarte: Wird natürlich überreicht (auch wenn Perry sie wahrscheinlich als Zahnstocher benutzt).
Justus' Besserwisserei: Check. Besonders gegenüber Perry läuft er zur Hochform auf.

FAZIT & EMPFEHLUNG


Geister-Canyon ist vielleicht kein Grusel-Klassiker wie das Gespensterschloss, aber als Abenteuer-Hörspiel funktioniert es prächtig. Die Roadtrip-Atmosphäre ist dicht, die Sprecher (allen voran Dux und Hilbich) sind in Bestform, und das Rätsel am Ende ist clever konstruiert. Wer über den etwas hanebüchenen Plan des Täters hinwegsehen kann, wird hier bestens unterhalten.

Für wen? Für Fans von Action, Roadtrips und alle, die King of Queens* mochten.
Ranking: Solides oberes Mittelfeld. Kein Meisterwerk, aber weit entfernt von einer Gurke.

Bis zum nächsten Fall, Kollegen – und immer schön auf seitenverkehrte Fotos achten!

Wusstest du schon?

Der Charakter Dick Perry taucht hier nach langer Abwesenheit wieder auf; sein erster Auftritt war in Folge 59 'Gift per E-Mail'.
Ernst H. Hilbich spricht erneut die Rolle des Dick Perry, was für eine schöne Kontinuität in der Serie sorgt.
Die im Hörspiel erwähnte Geige 'Diener des Herrn' (Il Servo del Signore) ist fiktiv, spielt aber auf die religiösen Beinamen echter historischer Instrumente an.
Cover
Bewertung
7.5
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7,5 von 10 zerdepperten Geigen
Das Rätsel
Der Kern des Rätsels basiert auf einer klassischen Beobachtungsgabe: Ein seitenverkehrtes Foto entlarvt einen Linkshänder und damit die Existenz einer eigens angefertigten Geigen-Kopie. Das ist fair und für den Hörer lösbar, auch wenn die Konstruktion mit der 'Inszenierung der Zerstörung' etwas theatralisch wirkt.
Plot & Logik
Der Plan des Täters ist riskant, aber psychologisch halbwegs plausibel: Er braucht glaubwürdige Zeugen (die drei ???) für die Zerstörung der Geige, um sie danach heimlich behalten zu können. Dass er ausgerechnet Dick Perry als Aufpasser engagiert, wirkt etwas konstruiert, dient aber gut der Dramaturgie.
Kapitel
1 Entführt! 0:00 min
2 Eine Million Dollar 9:39 min
3 Nichts wie weg! 16:17 min
4 Ein unwesentlicher Kollege 23:19 min
5 Auf den Fersen 27:57 min
6 Genialer Plan 29:36 min
7 Die Jagd beginnt 32:45 min
8 Wo ist der Entführer? 35:11 min
9 Gratulation! 36:54 min
10 Überfall 40:56 min
11 Nachtwanderung 44:01 min
12 Zerschmettert 46:12 min
13 Kleinholz 50:41 min
14 Minderjährig 54:59 min
15 Abschiedskonzert 57:08 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Justus zeigt sich zunächst ungewohnt niedergeschlagen nach dem Scheitern, brilliert dann aber in der Auflösung durch die Analyse des Fotos ('Auch Ihr Gesicht ist auf dem Foto abgebildet... und damit auch die kleine Narbe').
P
Peter Shaw
Peter ist der Mann für das Grobe: Er fährt den Wagen, liefert sich Verfolgungsjagden und wird leider Opfer des Überfalls. Er trägt die physische Last des Falls.
B
Bob Andrews
Bob übernimmt die Recherche-Rolle (Kontakt zu Jelena), ist aber im Transcript teilweise schwer von den anderen zu unterscheiden (im Hörspiel deutlicher). Sein Anruf bringt den entscheidenden Hinweis zur Besitzfrage.

Sprecher

Verwandte Folgen

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