Zusammenfassung

Die drei ??? reisen nach Harrowville, um für Onkel Titus Exponate aus dem bald schließenden Eisenbahnmuseum zu begutachten. Schon bei der Ankunft werden sie vom jungen Schaffner Fred Jenkins feindselig als 'Trödeltypen' begrüßt. Während der Fahrt im historischen Dampfzug taut Fred jedoch auf, nachdem die Detektive ihm helfen: Er wurde niedergeschlagen und auf der Toilette eingesperrt, während ein Unbekannter Plastiksprengstoff aus dem Eisschrank stahl. Mitten im berüchtigten 'Chinesentunnel', in dem es angeblich spukt, kommt der Zug durch ein quer gespanntes Transparent zum Stehen. Justus beobachtet einen mysteriösen Mann, der ausgestiegen ist. Als die drei ??? ebenfalls aussteigen, um Spuren zu sichern, fährt der Zug plötzlich ohne sie ab und lässt sie in der totalen Finsternis zurück.

Im Tunnel finden sie eine Wachsfigur auf den Gleisen – ein Abbild des verstorbenen Stadtgründers Reginald Harrow – und entdecken einen zugemauerten Seitentunnel, aus dem sie von riesigen, leuchtenden Augen angestarrt werden. Panisch flüchten sie, bis sie vom Heizer Sam Riley mit einer Draisine gerettet werden. Im Haus des Museumsdirektors Mr. Kingsley erfahren sie die Hintergründe: Der 'Kupferbaron' Mr. Campbell versucht, das Museumsgelände aufzukaufen, während der Legende nach Harrows verschwundenes Gold im Wert von fünf Millionen Dollar noch immer unentdeckt ist.

Zurück im Museum untersuchen die Detektive die Wachsfiguren. Justus kombiniert messerscharf: Der Verbrecher Devlin Reno, der sich als Geist und Saboteur betätigte, suchte nach dem Gold, das angeblich im verschütteten Privatzug Harrows lag. Doch Justus erkennt anhand der Lokomotivnummern und des zu kleinen Tenders der aktuellen Museumslok, dass das Gold dort versteckt sein muss. Als Reno versucht, das Museum in Brand zu stecken, greift überraschend der verhasste Mr. Campbell ein und schießt dem Verbrecher die Waffe aus der Hand. Justus beweist schließlich, dass der chinesische Konstrukteur die Goldbarren im Tender der Lok 2-6-2T eingeschweißt hat, womit das Museum gerettet ist.

Review

Endstation Gänsehaut: Warum "Der Geisterzug" besser ist als jeder DB-Fahrplan
Justus als Lokführer-Nerd, Peter mit Panik im Dunkeln und ein Bösewicht mit der Stimme von Jack Nicholson. Folge 122 ist ein unterschätztes Meisterwerk!

Moin, liebe Detektiv-Kollegen und Kassettenkinder!

Heute schnappen wir uns unsere Fahrkarten (hoffentlich habt ihr entwertet, sonst gibt's Ärger mit Fred Jenkins) und steigen ein in eine Folge, die für mich zu den absoluten atmosphärischen Highlights der 100er-Ära gehört. Es geht um Dampf, Dunkelheit und einen Bösewicht, der so irre klingt, dass man sich fragt, ob er nicht eigentlich mit einer Axt durch eine Badezimmertür brechen will. Richtig, wir reden über Folge 122: "...und der Geisterzug".

Schnallt euch an, stellt das Rauchen ein und haltet die Köpfe nicht aus dem Fenster – hier kommt der ultimative Check!

ERSTER EINDRUCK


Kennt ihr diese Folgen, bei denen man die ersten fünf Minuten hört und sofort weiß: "Ja, das wird gut"? Das hier ist so eine. Wir sind nicht im sonnigen Rocky Beach, sondern in Harrowville, einer Kulisse, die so sehr nach "Western-Film" schreit, dass ich fast schon Tumbleweed durch mein Wohnzimmer rollen sehe. Die Soundkulisse ist ein Traum: Zischender Dampf, quietschende Räder und eine bedrohliche Tunnel-Atmosphäre. Man fühlt sich sofort wie in "Zurück in die Zukunft 3", nur dass Doc Brown durch einen besserwisserischen Pummelchen ersetzt wurde.

DIE STORY


Kurz und schmerzlos: Onkel Titus braucht Schrott (Standard), also schickt er seine drei Neffen nach Harrowville, wo ein Eisenbahnmuseum dichtgemacht wird. Dort treffen sie auf Fred Jenkins, einen Schaffner mit Aggressionsbewältigungsproblemen, und Mr. Campbell, einen Unternehmer, der so unsympathisch ist, dass er eigentlich der Täter sein muss (oder?).

Der Clou: Während der letzten Fahrt des historischen "Harrowville Express" bleibt der Zug mitten im berüchtigten "Chinesentunnel" stehen. Und was machen unsere Helden? Sie steigen aus. Was macht der Zug? Er fährt weiter. Ups. Plötzlich stehen Justus, Peter und Bob im Stockfinsteren, angestarrt von glühenden Augen und einer Wachsfigur, die da definitiv nicht hingehört. Es geht um verlorenes Gold, einen alten Ingenieur und ein Rätsel, das direkt in den Stahl der Lokomotive geschweißt wurde.

UNSERE HELDEN


Justus "Die Wikipedia auf zwei Beinen" Jonas:
Justus ist in dieser Folge in absoluter Bestform. Er doziert über Kupferabbau im Jahr 1902, als wäre er dabei gewesen. Aber – und das muss man ihm lassen – sein Wissen ist hier mal nicht nur Show, sondern der Schlüssel zur Lösung. Der Moment, in dem er erklärt, warum der Tender der Lok zu klein ist, ist pures Gold (Wortspiel beabsichtigt). Das ist der Justus, den wir lieben: Arrogant, brillant und am Ende hat er recht.

Peter "Ich hab da ein ganz mieses Gefühl" Shaw:
Unser Zweiter Detektiv leidet. Und wie! Peter im dunklen Tunnel, das ist wie ein Fisch auf dem Trockenen – pure Panik. Aber genau das brauchen wir ja. Seine Angst vor den "glühenden Augen" verkauft er so glaubwürdig, dass ich selbst kurz davor war, das Nachtlicht anzuschalten. Jens Wawrczeck darf hier wieder wunderbar hyperventilieren.

Bob "Der Fels in der Brandung" Andrews:
Während Peter Panik schiebt und Justus rechnet, ist Bob der Pragmatiker. Er behält im Tunnel die Nerven und beruhigt Peter. Eine solide Leistung für unseren Recherchen & Archiv-Mann, auch wenn er diesmal keine Bibliothek stürmen muss.

DIE GEGENSPIELER


Hier müssen wir kurz innehalten und applaudieren. Devlin Reno ist einer der besten Schurken der neueren Zeit. Warum? Dazu kommen wir gleich im "Sprecher-Spotlight". Er wirkt unberechenbar, gefährlich und herrlich wahnsinnig.

Der "Kupferbaron" Mr. Campbell ist der klassische Red Herring: Unsympathisch, reich, arrogant. Dass er am Ende nicht der Böse ist, sondern sogar noch (auf seine Art) hilft, ist ein schöner Twist, der das Schwarz-Weiß-Denken der Serie etwas aufbricht.

BESTE MOMENTE


1. Der Tunnel-Drop: Der Moment, als der Zug einfach ohne die Jungs abfährt. Die Stille danach, unterbrochen von Peters panischem Atmen und den unheimlichen Geräuschen des Tunnels – das ist Hörspiel-Horror vom Feinsten.
2. Die Beleidigung: Fred Jenkins nennt die drei ??? zur Begrüßung "Trödeltypen". Ich habe laut gelacht. Wenn der wüsste, wen er da vor sich hat! Justus' empörtes Schnaufen war quasi hörbar.
3. Das Finale: Kein wildes Gerenne, sondern eine deduktive Zerlegung des Gegners. Justus beweist, dass das Gold im Tender ist, rein durch Logik und Beobachtungsgabe. Herrlich!

SCHWACHSTELLEN


Wenn wir ehrlich sind: Der Plan von Devlin Reno ist... sagen wir mal "ambitioniert". Er spielt Geist, verkleidet sich, buddelt im Tunnel, legt Brände, klaut Sprengstoff und will am Ende alles abfackeln. Kollege, entspann dich mal! Ein einfacher Einbruch hätte es vielleicht auch getan.
Außerdem: Dass der Zug genau dann abfährt, wenn die drei ausgestiegen sind, und sie genau dort stehen lässt, wo die Hinweise sind... das ist schon sehr viel Drehbuch-Magie. Aber hey, wir sind hier bei den drei ???, da gehört der Zufall zum Inventar wie die Visitenkarte.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge ist ein Kind der "Post-Rechtsstreit-Ära". Nach der Zwangspause (und dem Intermezzo als "DiE DR3i") kam diese Folge 2008 zusammen mit Folge 121 und 123 raus. Sie markiert die Rückkehr zur gewohnten Qualität bei Europa.
Interessant: Die Autorin Astrid Vollenbruch hat hier schon mal warmgelaufen für ihr Meisterwerk "Feuermond" (Folge 125). Man merkt ihren Stil: Komplexe Rätsel, technisches Hintergrundwissen und eine dichte Atmosphäre. Im Fan-Ranking gilt der "Geisterzug" oft als "Hidden Gem" – wird nicht so oft genannt wie die Klassiker, ist aber qualitativ extrem hochwertig.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Leute, jetzt mal Tacheles. Die Besetzung hier ist der Wahnsinn!

Devlin Reno wird gesprochen von Jörg Pleva. Und wenn euch die Stimme bekannt vorkommt und ihr plötzlich Angst bekommt, dass er eine Tür mit der Axt einschlägt: JA, das ist die deutsche Stimme von Jack Nicholson in "Shining"! Pleva (leider 2013 verstorben) gibt dem Bösewicht genau diesen Hauch von Wahnsinn, den die Rolle braucht. Er spricht Reno nicht wie einen 08/15-Ganoven, sondern wie einen Psychopathen. Ein absolutes Highlight!
Mr. Kingsley wird gesprochen von Herbert Tennigkeit. Ein Urgestein der Europa-Hörspiele (leider 2022 verstorben). Er war schon in den 70ern bei TKKG und Co. dabei und hat diese wunderbare, knarzige "Autoritätsperson"-Stimme. Ihn hier zu hören, ist wie nach Hause kommen.
Mr. Campbell ist Gerhart Hinze. Auch so eine Stimme, die man tausendmal gehört hat (u.a. in "Ein Fall für TKKG" oder als Synchronsprecher in diversen Serien). Er schafft es perfekt, dieses "Ich bin reich und ihr seid mir egal"-Gefühl zu transportieren.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Hier gibt es eine spannende Diskrepanz: Das Buch von Astrid Vollenbruch erschien bereits 2005. Das Hörspiel aber erst 2008. Grund war der legendäre Rechtsstreit zwischen Kosmos und Sony BMG, der uns die "dunklen Jahre" bescherte. Als der Streit beigelegt war, hat Europa quasi den Rückstau abgearbeitet.
Ein schönes Detail zur Entstehung: Astrid Vollenbruch ließ sich von der realen Geschichte der Transkontinentalen Eisenbahn inspirieren. Dass chinesische Arbeiter dort ausgebeutet und später aus der Geschichtsschreibung (und den Fotos) getilgt wurden, ist historischer Fakt. Dass sie dieses ernste Thema in ein Jugendbuch eingebaut hat, verdient Respekt!


FAN-SERVICE-CHECK


Visitenkarte: Wird natürlich übergeben (auch wenn Fred sie erstmal ignoriert).
Tante Mathilda & Onkel Titus: Sind der Auslöser des Falls, auch wenn sie nicht mitreisen.
Justus' Essverhalten: Wird thematisiert (Eisschrank im Zug!).
Spezialgelagerter Sonderfall: Ein Zug, der von selbst fährt? Definitiv!

FAZIT & EMPFEHLUNG


"...und der Geisterzug" ist für mich eine 8.5 von 10.
Warum keine 10? Weil der Plan des Bösewichts etwas zu konstruiert ist. Aber die Atmosphäre, die Sprecherleistung von Jörg Pleva und das klassische "Rätsel-Feeling" machen das mehr als wett.

Empfehlung für:
Fans von atmosphärischen Grusel-Folgen.
Eisenbahn-Nerds (Justus erklärt euch alles!).
Alle, die mal wieder einen richtig guten Bösewicht hören wollen.

Also, Leute: Licht aus, Kopfhörer auf und ab in den Tunnel. Aber passt auf die Augen auf!

Wusstest du schon?

Die Folge erschien erst 2008, obwohl die Buchvorlage bereits 2005 veröffentlicht wurde. Grund war der Rechtsstreit zwischen Kosmos und Sony BMG.
Jörg Pleva (Sprecher von Devlin Reno) ist bekannt als Stimme von Jack Nicholson in 'Shining' – passend für einen Wahnsinnigen.
Das Thema der Diskriminierung chinesischer Arbeiter beim Eisenbahnbau wird im Hörspiel erstaunlich ernsthaft angeschnitten.
Cover
Bewertung
7
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7 von 10 geschmuggelten Goldbarren
Das Rätsel
Ein klassisches 'Versteck in aller Öffentlichkeit'-Rätsel. Die Auflösung über die Lokomotiv-Nummern und den zu kleinen Tender ist für Eisenbahn-Fans ein Fest und für Justus eine würdige intellektuelle Leistung. Dass der Hörer durch die technische Erklärung eine Chance hat mitzuraten, ist fair, wenn auch sehr spezifisch.
Plot & Logik
Der Plan des Bösewichts Devlin Reno wirkt etwas überladen: Er spielt Geist, gräbt im Tunnel, legt Brände und will am Ende alles anzünden? Das ist 'Multitasking' auf Schurken-Niveau. Dass der Zug die Jungs im Tunnel 'vergisst', ist ein klassischer Horror-Kniff, logisch aber etwas wackelig erklärt.
Kapitel
1 Kein Platz mehr frei! 0:00 min
2 Entgleist? 8:00 min
3 Wertvolles Indiz 18:42 min
4 In der Sackgasse 28:47 min
5 Der "Chinesentunnel" 33:25 min
6 Durchleuchtete Puppen 41:51 min
7 Arg konstruiert 49:27 min
8 Hände hoch! 51:31 min
9 Gold! 56:53 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Er ist in Hochform. Sein Wissen über Kupferabbau im Jahr 1902 nervt Peter herrlich, ist aber am Ende der Schlüssel zur Lösung. Seine Deduktion im Finale ist brillant.
P
Peter Shaw
Der arme Kerl muss im dunklen Tunnel leiden. Seine Panik vor den 'glühenden Augen' ist greifbar und sorgt für die nötige Spannung. Er fungiert als emotionaler Anker der Folge.
B
Bob Andrews
Er übernimmt den rationalen Part im Tunnel und beruhigt Peter. Seine Recherche-Rolle tritt hier etwas in den Hintergrund, dafür beweist er in der Dunkelheit Nervenstärke.

Sprecher

Verwandte Folgen

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