Zusammenfassung

Ausgangssituation: Weil Tante Mathildas Freundin Emily verunglückt ist, springt Mathilda als Haushälterin in der Villa des Spiele-Millionärs Michael Ohms am Lake Tahoe ein. Justus, Peter und Bob begleiten sie für einen Skiurlaub. Vor Ort herrscht jedoch dicke Luft: Michael Ohms ist verschwunden, und sein Sohn Simon sowie dessen Frau Sylvie behandeln Mathilda und die Jungs herablassend.

Ermittlung: Die Polizei unter Inspektor Capistrano geht von einer Entführung aus. Die drei ??? beobachten, wie Sylvie eine weinende Frau, Mandy Taylor, aus dem Haus wirft. Eine Lösegeldübergabe am Rubicon Point scheitert, weil dort im Winter keine Papierkörbe stehen – ein Detail, das Justus sofort auffällt: "Unser Entführer ist offensichtlich kein Kenner des Lake Tahoe und seiner Parkplätze."

Komplikationen: Justus findet im Arbeitszimmer durch einen Handschriftenvergleich heraus, dass Notizen zu Spielen nicht von Ohms, sondern von einer gewissen Deborah Street stammen. Peter versteckt sich mutig im Auto von Mandy Taylor und findet so heraus, dass sie die Freundin des verschwundenen Ohms ist. Sie treffen sich in Virginia City, einer Geisterstadt, wo Mandy ihnen von Deborah Street erzählt, die sich von Ohms betrogen fühlt.

Klimax: Die drei ??? finden Deborahs Versteck in Zephyr Cove. Dort werden sie überrascht – nicht nur von Deborah, sondern auch von Michael Ohms selbst! Es stellt sich heraus, dass Ohms seine Entführung mit Deborah inszeniert hat, um seinen Sohn und dessen Frau zu testen, da er Unregelmäßigkeiten in der Firma vermutete.

Auflösung: Gemeinsam stellen sie Simon und Sylvie eine Falle. Bei einer fingierten zweiten Geldübergabe versuchen diese, das Lösegeld mithilfe eines Komplizen (Greenwater) selbst einzustreichen. Michael Ohms greift ein: "Hör auf jetzt, Schluss damit! Wenn du mir versprichst, nicht zu türmen, lasse ich los." Simon und Sylvie werden der Polizei übergeben, und Michael Ohms versöhnt sich mit Deborah.

Review

Geisterstadt - Kein Spuk, aber dafür Kekse und Proust im Schnee!
Ein Skiurlaub, der zum Kriminalfall wird, und ein Titel, der mehr verspricht, als er hält. Warum Justus plötzlich französische Literatur zitiert und was das Krümelmonster mit dieser Folge zu tun hat, erfahrt ihr im neuen Review!

Moin Moin, liebe Detektiv-Kollegen und Kassettenkinder!

Willkommen zurück in der Zentrale. Schnappt euch einen Kakao (oder einen von Tante Mathildas berühmten Kirschkuchen), denn heute wird es frostig. Wir reisen zurück ins Jahr 1995, in die Ära, als die drei ??? noch Kassettenrekorder im Schnee herumtrugen und Justus Jonas Wörter benutzte, für die man ein Latinum brauchte. Wir besprechen Folge 64: Geisterstadt.

Ein Titel, der Gänsehaut, Spuk und verlassene Saloons verspricht. Ob wir das bekommen? Nun ja... sagen wir mal so: Es ist eher „Dallas“ im Schnee als „The Walking Dead“. Aber immer der Reihe nach!

ERSTER EINDRUCK


Man drückt auf Play und erwartet Western-Grusel. Stattdessen landen wir mitten in einem „Reich und Schön“-Szenario am Lake Tahoe. Der erste Gedanke: „Huch, falsche Kassette?“ Aber nein, die vertrauten Stimmen von Oliver, Jens und Andreas holen uns ab. Die Atmosphäre ist top – man spürt förmlich die Kälte und den Schnee. Aber der Titel? Freunde, das ist der erste große Bluff dieser Folge. Das ist so, als würde man eine Folge „Der Fluch des Pharao“ nennen und dann geht’s um einen Taschendiebstahl in Kairo.

DIE STORY


Eigentlich wollen unsere drei Spezialisten für alles Unheimliche nur Skifahren. Tante Mathilda (die hier ihren großen Auftritt als Interims-Haushälterin hat) hat sie in die Villa des Spiele-Millionärs Michael Ohms eingeschleust. Doch statt Pulverschnee gibt es dicke Luft. Papa Ohms ist weg – angeblich entführt. Sein Sohn Simon und dessen Frau Sylvie sind so sympathisch wie Zahnschmerzen und behandeln alle wie Personal. Es folgt eine klassische Schnitzeljagd: Lösegeldübergaben, die schiefgehen, eine wilde Fahrt im Kofferraum und ein Ausflug in besagte „Geisterstadt“ (Spoiler: Es ist eher eine Touristenfalle). Am Ende stellt sich heraus: Alles war nur ein Test! Oder doch nicht? Es wird kompliziert, familiär und ziemlich intrigant.

UNSERE HELDEN


Justus ist in dieser Folge in absoluter Hochform. Er ist arrogant, er ist brillant, er ist… Justus. Sein Highlight: Er zitiert Marcel Proust (!). Ja, richtig gehört. Während andere Teenager Bravo lesen, haut Justus französische Literatur raus. Und seine Deduktion, warum die Lösegeldübergabe am See scheitern musste (Stichwort: Mülleimer im Winter), ist purer Sherlock Holmes.

Peter „Der Mann aus Stahl“ Shaw darf mal wieder den Action-Part übernehmen. Er klettert in den Kofferraum der verdächtigen Mandy Taylor und lässt sich durch die Gegend kutschieren. Respekt! Dafür darf er am Anfang auch kurz den Angsthasen mimen, als das Wort „Geisterstadt“ fällt. Klassische Rollenverteilung, aber gut umgesetzt.

Bob ist hier der Meister der Recherche und der Chauffeur. Er wühlt sich durch Archive und findet die entscheidenden Hinweise zur Handschrift. Solide Arbeit, Kollege Andrews!

DIE GEGENSPIELER


Das Ehepaar Simon und Sylvie Ohms ist herrlich hassenswert. Arrogant, gierig, unfreundlich – man wünscht ihnen wirklich, dass sie auf einer Bananenschale (oder einer Eisplatte) ausrutschen. Besonders Sylvie als zickige High-Society-Dame ist grandios nervig.

Dann haben wir noch Deborah Street und Mandy Taylor, die eher tragische Figuren in diesem Spiel der Eitelkeiten sind. Aber der wahre „Gegenspieler“ ist hier eigentlich die Familien-Dynamik der Ohms. Wer solche Verwandten hat, braucht keine Feinde mehr.

BESTE MOMENTE


1. Justus und die Mülleimer: Der Moment, als Justus erklärt, warum am Lake Tahoe im Winter keine Papierkörbe stehen („Wegen der Schneepflüge, Peter!“), ist einer dieser „Aha!“-Momente, für die wir die Serie lieben. Logik schlägt Panik.
2. Tante Mathilda teilt aus: Mathilda lässt sich von den arroganten Ohms-Kindern nicht den Mund verbieten. Ihre resolute Art erdet die ganze High-Society-Story wunderbar.
3. Das Finale: Die Falle, die Justus den gierigen Erben stellt, ist zwar etwas konstruiert, aber sehr befriedigend. Nichts ist schöner, als wenn Gier bestraft wird.

SCHWACHSTELLEN


Wir müssen über den Titel reden. „Geisterstadt“ ist fast schon Etikettenschwindel. Virginia City kommt vor, ja. Aber es ist einfach nur ein Treffpunkt in einem Café. Keine Geister, kein Spuk, keine gruseligen Pianoklänge im Saloon. Wer hier Grusel erwartet, wird enttäuscht.
Zudem ist der Plot mit der „inszenierten Entführung, die dann doch irgendwie echt wird, weil der Sohn gierig ist“ ein bisschen überladen. Manchmal hat man das Gefühl, die Autorin wollte drei Krimis in einen packen.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge stammt aus der Feder von Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer (BJHW). Sie war die erste deutsche Autorin der Serie und brachte frischen Wind (und manchmal etwas seltsame Plots) nach Rocky Beach. Typisch für ihre Ära: Es geht oft um soziale Themen, Familienkonflikte oder Umweltschutz, weniger um klassischen Mystizismus.

Interessant für Western-Fans: Virginia City und der Lake Tahoe sind natürlich legendär durch die Serie „Bonanza“. Die Ponderosa-Ranch wäre quasi in der Nachbarschaft. Dass Peter nicht fragt, ob Ben Cartwright zu Hause ist, ist eigentlich eine verpasste Chance!


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier fahren wir schwere Geschütze auf!

Douglas Welbat (Simon Ohms): Leute, haltet eure Kekse fest! Douglas Welbat ist die deutsche Stimme vom Krümelmonster (in der Nachfolge seines Vaters Alexander Welbat und Edgar Ott). Wenn Simon Ohms also wütend wird, wartet man nur darauf, dass er „KEKSE!!!“ schreit. Außerdem kennt man ihn als die Stimme von Rolf Lassgård (Kommissar Wallander). Ein absoluter Profi mit einer Stimme wie ein Reibeisen.
Franz Josef Steffens (Michael Ohms): Eine Legende. Seine Stimme trieft vor Autorität. Er war unter anderem der unvergessene Professor Common in „Der Super-Wal“ (Folge 36 – korrigiert: er war Appleby, Common war er in Folge 34!). Seine Präsenz wertet jede Szene auf.
Marianne Kehlau (Deborah Street): Die Grande Dame des Europa-Hörspiels. Egal ob als Mrs. Walsh im „Heimlichen Hehler“ oder in unzähligen anderen Rollen – ihre Stimme ist pure Nostalgie und Eleganz.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge erschien 1995, mitten in einer Zeit des Umbruchs für die Serie. Das Buch weicht – wie oft bei BJHW – in Details vom Hörspiel ab, vor allem was die emotionale Ebene der Figuren angeht. Das Cover von Aiga Rasch ist wieder mal ein Kunstwerk für sich: Es zeigt eine bedrohliche Western-Kulisse, die (wie gesagt) mehr verspricht, als die Story hält. Aber hey, es sieht im Regal super aus!


FAN-SERVICE-CHECK


Justus-Zitat: „Die Erinnerung ist eine Art Apotheke oder chemisches Laboratorium, in dem man zufällig bald eine beruhigende, bald eine gefährliche Droge greift.“ (Marcel Proust). Justus, du alter Angeber!
  • Mathilda-Action: Immer wenn Tante Mathilda in einen Fall verwickelt ist, gibt es Bonuspunkte für den Wohlfühlfaktor.

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Geisterstadt“ ist ein solider Krimi im Wintermantel, der unter einem falschen Titel leidet. Wer einen klassischen „Whodunit“ mit Familienintrigen mag und auf Schnee-Atmosphäre steht, ist hier goldrichtig. Wer Grusel sucht, sollte lieber zum „Gespensterschloss“ greifen. Die Sprecherleistung (Welbat! Steffens! Kehlau!) hebt die Folge aber deutlich über den Durchschnitt.

Ranking: Solides Mittelfeld mit Tendenz nach oben wegen der Sprecher.

So, und jetzt entschuldigt mich, ich muss prüfen, ob mein Mülleimer schneepflugfest ist. Justus hat mich da paranoid gemacht.

Wusstest du schon?

Der Titel 'Geisterstadt' bezieht sich auf Virginia City, obwohl dieser Ort nur kurz als Treffpunkt dient und keine zentrale Rolle spielt.
Die Sprecherin der Deborah Street, Marianne Kehlau, ist Hörspiel-Fans bestens bekannt (u.a. als Mrs. Eula Walsh in 'Der heimliche Hehler').
Im Transkript taucht am Ende merkwürdigerweise der 'Die drei ??? Kids'-Song auf, was auf einen Fehler in der vorliegenden Aufnahme hindeutet, da dies eine reguläre Folge der Hauptserie ist.
Cover
Bewertung
6.5
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6,5 von 10 schneefreien Mülleimern
Das Rätsel
Die Grundidee der inszenierten Entführung ist ein Klassiker der Serie, hier aber solide umgesetzt. Besonders Justus' Deduktion bezüglich der fehlenden Papierkörbe im Winter ist ein logisches Highlight, auf das man als Hörer auch selbst hätte kommen können.
Plot & Logik
Der Titel 'Geisterstadt' ist etwas irreführend, da Virginia City nur kurz als Treffpunkt dient und für die Handlung eigentlich irrelevant ist – ein Café hätte es auch getan. Dass Ohms seinen Sohn mit einer Straftat testet, ist moralisch fragwürdig, passt aber zum Klischee des exzentrischen Millionärs.
Kapitel
1 Tante Mathilda ist verschwunden 0:00 min
2 Rausschmiss der drei ??? 11:03 min
3 Kein Papierkorb für das Lösegeld 21:29 min
4 Drohung mit einem Ohr 31:33 min
5 In der Geisterstadt 43:07 min
6 Hinweis im Schnee 51:08 min
7 Doppeltes Spiel 54:53 min
8 High Noon 59:03 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Er ist in Hochform, zitiert Marcel Proust und glänzt durch scharfe Beobachtungen (Handschrift, Papierkörbe). Er übernimmt klar die Führung bei der Falle am Ende.
P
Peter Shaw
Peter zeigt vollen Einsatz, als er sich in Mandys Auto versteckt – eine der mutigsten Aktionen seit langem. Gleichzeitig darf er der Skeptiker sein, der bei 'Geisterstadt' sofort an Spuk denkt.
B
Bob Andrews
Er fungiert als Chauffeur und Rechercheur im Zeitungsarchiv. Er ist es, der Justus entscheidend auf die unterschiedlichen Handschriften hinweist.

Sprecher

Verwandte Folgen

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