Zusammenfassung

Justus' Cousin aus Chicago, 'Jim Boy' Jonas, landet in Los Angeles. Er ist ein herausragendes Fußballtalent und hofft auf eine Profikarriere. Kurz nach seiner Ankunft erhalten die drei ??? einen anonymen Brief mit Tränengasladung und einer Drohung in Stabreimen: 'Fußball findet falsche Freunde.' Trotzdem begleitet Jim Boy die Detektive und ihre Freundinnen zu einem Turnier, wo er prompt von Scouts des Lebensmittelkonzerns 'Smell' entdeckt wird. Er erhält ein lukratives Angebot für das firmeneigene Sportinternat am Silverwood Lake.

Die Situation spitzt sich zu, als auch Kelly einen ähnlichen Tränengas-Brief erhält. Die Detektive werden misstrauisch gegenüber 'Smell', da das Internat wie eine Festung gesichert ist. Mit einem Trick – sie verstecken sich in einem Lieferwagen der Firma 'Shooter Food' – dringen Justus, Peter und Bob in das Gelände ein. Sie stehlen eine Videokassette aus dem Büro des Taktik-Trainers Mike Hammer. Die Analyse des Bandes durch Kelly offenbart Ungeheuerliches: Die Spieler werden trainiert, absichtliche Fouls und Spielunterbrechungen zu inszenieren.

Bob recherchiert über seinen Vater einen alten Skandal namens 'Earphone' und die Jungen befragen den ehemaligen Schiedsrichter Mr. Bo in Malibu. Er bestätigt, dass früher Spiele manipuliert wurden, um Werbepausen zu ermöglichen. Die Spur führt zum TV-Sender ITN-TV. Dort geben sich die drei ??? als Geschäftsleute aus und entlarven den Sportchef Eric Randolph als Komplizen von Smell. Doch als sie Inspektor Cotta informieren, pfeift dieser sie zurück: Eine verdeckte Ermittlerin, Tamara Mostowski, sei bereits an einer viel größeren Sache wegen Aktienbetrugs dran. Die Jungen müssen den Fall abgeben.

Das Ende bringt eine Überraschung: Während die Jungen von Cotta ausgebremst wurden, haben Kelly, Liz und Elisabeth den Bombenleger enttarnt. Es ist Toni, der Neffe einer Köchin, der aus Hass auf den modernen Fußball und wegen einer Schulaufgabe über Nibelungen-Alliterationen die Briefe bastelte. Als Belohnung für ihre Vorarbeit lädt die Polizeiinspektorin die drei ??? und ihre Freundinnen zur Fußball-WM nach Chicago ein.

Review

Fafnir, Fouls und Dosenfutter: Warum 'Fußball-Gangster' purer 90er-Kult ist
Ein Konzern namens 'Smell', explodierende Briefe mit Stabreimen und Justus Jonas, der sich durch selbsterhitzende Dosen futtert. Diese Fussballfolge ;) ist herrlich absurd – und genau deshalb lieben wir sie!

Hallo liebe Detektiv-Kollegen und Freunde des gepflegten Schrottplatz-Talks!

Heute widmen wir uns einer Folge, die in der Fan-Community ungefähr so polarisiert wie die Frage, ob man Pizza Hawaii essen darf oder nicht. Wir reisen zurück ins glorreiche Jahr 1995, in eine Zeit, als die drei ??? plötzlich Freundinnen hatten, Auto fuhren und Fälle lösten, die so herrlich trashig waren, dass sie schon wieder Kult sind. Schnallt euch an, wärmt eure Dosen-Ravioli auf (dazu später mehr) und übt eure Alliterationen: Wir besprechen Folge 63, "Fußball-Gangster"!

ERSTER EINDRUCK


Leute, sind wir mal ehrlich: Wenn ein Lebensmittelkonzern in einem Hörspiel "Smell" heißt, dann weißt du, dass du keine High-End-Literatur erwarten darfst. Aber genau das ist der Charme dieser Folge! Schon beim ersten Hören dachte ich: "Was haben die Autoren da geraucht?" Es riecht (haha!) nach 90er-Jahre-Action, nach naiver Globalisierungskritik und nach einer Überdosis Sport-Euphorie wegen der WM '94 in den USA. Es ist laut, es ist chaotisch, und es ist verdammt unterhaltsam.

DIE STORY


Justus' Cousin "Jim Boy" Jonas (ja, der heißt wirklich so) kommt aus Chicago und ist der Messi von Rocky Beach. Sofort krallt sich ihn der dubiose Konzern "Smell", der nicht nur stinkt, sondern auch ein Hochsicherheits-Internat betreibt. Gleichzeitig kriegt Justus Drohbriefe, die klingen, als hätte ein Deutschlehrer auf LSD sie geschrieben ("Fafnir feuert Feuerstein!"). Während Justus, Peter und Bob versuchen, in das Internat einzubrechen (Spoiler: Es beinhaltet Dosenessen), ermitteln Kelly, Lys und Elizabeth auf eigene Faust gegen den Briefbomber. Am Ende gibt es zwei Lösungen für zwei völlig unterschiedliche Fälle und Inspektor Cotta crasht die Party.

UNSERE HELDEN


Justus: Unser erster Detektiv zeigt sich von seiner verfressenen Seite. Der Moment, als er im Lieferwagen die selbsterhitzende "Shooter Food"-Dose testet, ist pures Gold. "Schmeckt gar nicht mal so übel!" – Justus, du würdest auch Pappe essen, wenn sie frittiert wäre. Allerdings muss er am Ende schlucken: Die Mädels waren schneller.

Peter: Endlich darf der Sportskanone mal glänzen! Peter ist hier der Experte, der sofort checkt, dass im Training gefoult wird, um Werbepausen zu schinden (ein Plan, so diabolisch wie bescheuert). Er interviewt Spieler, er analysiert Taktiken – Peter in Bestform.

Bob: Der Recherche-Gott. Er zieht mal eben über seinen Vater Kontakte zu einem Ex-Schiri an Land. Solide Arbeit, Kollege Andrews!

DIE GEGENSPIELER


Der wahre Bösewicht ist natürlich der Name "Smell". Wer nennt seine Firma so? "Hallo, hier spricht Herr Gestank von der Firma Geruch." Großartig.
Dann haben wir Eric Randolph, den schmierigen TV-Boss, und Toni, den Bombenleger mit der Vorliebe für Wagner-Opern und Stabreime. Toni ist eigentlich nur sauer, weil er eine Schulaufgabe über Nibelungen schreiben musste. Relatable? Vielleicht.

BESTE MOMENTE


1. Die Alliterationen: "Fafnir feuert Feuerstein" ist Kult. Punkt. Wer das nicht witzig findet, hat den Schuss nicht gehört.
2. Das Dosen-Essen: Justus im "Shooter Food"-Laster. Eine Szene für die Ewigkeit.
3. Girl Power: Es ist eine der wenigen Folgen, in denen die Freundinnen (Kelly, Lys, Elizabeth) wirklich was reißen. Sie schnappen den Bombenleger komplett ohne Hilfe der Jungs. Respekt!
4. Mr. Bo am Strand: Die Szene mit dem desillusionierten Schiedsrichter in Malibu hat fast schon Noir-Atmosphäre. Tolle Stimmung.

SCHWACHSTELLEN


Okay, Butter bei die Fische: Der Plot ist Schweizer Käse. Warum schickt der Konzern Drohbriefe an Justus? Ach ne, war er ja gar nicht. Es war der irre Toni. Dass hier zwei Verbrechen parallel laufen, die NICHTS miteinander zu tun haben, ist zwar realistisch, aber dramaturgisch... mutig. Und das Ende? Cotta kommt, sagt "Danke, tschüss, den Rest macht Tamara Mostowski", und die Jungs stehen blöd da. Ein ziemlicher Anti-Klimax.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge ist ein Paradebeispiel für die Ära der Autorin Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer (BJHW). Sie brachte die Freundinnen (Kelly, Lys, Elizabeth) stärker ins Spiel und setzte auf modernere, oft sportliche Themen (siehe auch "Tatort Zirkus").
Interessant: Jim Boy ist Justus' Cousin mütterlicherseits (Tante Catherine), taucht aber leider nie wieder auf – wahrscheinlich ist er in der Versenkung verschwunden, um für "Smell" Deo-Sticks zu testen. Die Folge markiert auch die Zeit, in der die Serie versuchte, "cooler" zu werden (Handys, Autos, Freundinnen), was bei Traditionalisten oft aneckte, heute aber nostalgisch verklärt wird.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier wird es prominent!
- Mr. Bo wird gesprochen von der Legende Klaus Sonnenschein. Der Mann war die deutsche Stimme von Morgan Freeman, Gene Hackman und John Goodman. Wenn Mr. Bo redet, hört man einfach pure Autorität.
- Jim Boy wird von Frank Meyer-Brockmann gesprochen. Fun Fact: Der Mann ist im echten Leben Stunt-Koordinator und Kampf-Choreograf! Er hat später noch kleine Rollen in anderen Folgen (z.B. Folge 149), aber dass unser Fußball-Star eigentlich Stuntman ist, passt wie die Faust aufs Auge.
- Erzähler: Peter Pasetti war hier noch am Start (R.I.P.), seine süffisante Art, die Absurdität der Alliterationen anzukündigen, ist unerreicht.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Erschienen 1995, also kurz nach der Fußball-WM 1994 in den USA, auf deren Hype die Folge offensichtlich aufschwimmen wollte. Das Buch von BJHW erschien im selben Jahr. Ein spannender Unterschied zum Buch: Im Roman ist die Handlung oft etwas komplexer, aber das Hörspiel musste straffen. Die Idee mit den selbsterhitzenden Dosen ("Shooter Food") basiert übrigens auf echter Chemie (Calciumoxid + Wasser), die in den 90ern als "Hot Can" tatsächlich mal ein Ding war. Justus war also technologisch voll am Puls der Zeit!


FAN-SERVICE-CHECK


- Running Gag: Peters Angst vor allem, was explodieren könnte.
- Justus' Fresssucht: Wird hier fast schon zelebriert.
- Tante Mathilda: Hat zwar nur eine kleine Rolle, aber ihr Kirschkuchen wird (zumindest geistig) vermisst.

FAZIT & EMPFEHLUNG


"Fußball-Gangster" ist kein Meisterwerk der Logik, aber ein Meisterwerk der Unterhaltung. Es ist Trash-Gold. Wer über den Namen "Smell" lachen kann und Lust auf 90er-Jahre-Vibes mit einer Prise Girl-Power hat, wird hier bestens bedient. Wer einen düsteren Mystery-Thriller sucht, ist falsch. Ich liebe die Folge gerade WEGEN ihrer Schwächen.

Ranking: Kult-Faktor hoch, Logik-Faktor niedrig. Ein Guilty Pleasure!

Wusstest du schon?

Dies ist eine der wenigen Folgen, in denen die Freundinnen (Kelly, Lys, Elizabeth) einen kompletten Handlungsstrang eigenständig lösen.
Der Name des Konzerns 'Smell' sorgt bei deutschsprachigen Hörern oft für Erheiterung, da er im Englischen 'Geruch/Gestank' bedeutet – eine unglückliche Wahl für einen Lebensmittelkonzern.
Die Autorin Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer schrieb oft Fälle mit Tier- oder Sportbezug.
Das 'selbsterhitzende Dosenessen' (Shooter Food) basiert auf realer Technologie (Exotherme Reaktion durch Calciumoxid und Wasser), die in den 90ern als Innovation galt.
Cover
Bewertung
4
🥫 🥫 🥫 🥫 🥫 🥫 🥫 🥫 🥫 🥫
4 von 10 selbsterhitzenden Ravioli-Dosen
Das Rätsel
Der Fall zerfällt in zwei kaum verbundene Hälften: Den 'Smell'-Wirtschaftskrimi und den 'Alliterationen-Bomber'. Letzterer wird quasi im Off von den Freundinnen gelöst – eine nette Abwechslung, aber für den Hörer unbefriedigend, da man nicht miträtseln kann. Der Plan von 'Smell', Teenager zu trainieren, damit sie live im TV für Werbepausen foulen, ist herrlich absurd und typisch für diese Ära der Serie.
Plot & Logik
Hier knirscht es gewaltig. Warum sollte ein Konzern, der Spiele manipulieren will, ausgerechnet dem Cousin des ersten Detektivs Drohbriefe schicken? Die Auflösung zeigt: Es waren zwei völlig verschiedene Täter. Das ist zwar realistisch (Zufall), wirkt aber erzählerisch unrund. Auch dass Cotta die Jungs am Ende einfach 'rauswirft', ist ein ziemlicher Anti-Klimax.
Kapitel
1 Ballkünstler unter sich 0:00 min
2 Explosive Nachrichten 6:52 min
3 Smell kauft Jimboy 16:00 min
4 Eisiger Empfang in den Bergen 22:28 min
5 Foul auf Bestellung 33:43 min
6 Aktion Earphone 42:54 min
7 Ein riskanter Bluff 51:09 min
8 Cotta mischt mit 55:25 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Zeigt familiäre Seiten durch den Cousin. Sein Einbruch in das Internat mittels 'Shooter Food'-Lieferwagen ist ein klassischer Justus-Plan. Dass er am Ende klein beigeben muss, kratzt an seinem Ego.
P
Peter Shaw
Ist hier voll in seinem Element als Sport-Experte. Er durchschaut die taktischen Fouls und führt die Interviews souverän. 'Der Rastamann von Rocky Beach' ist ein Highlight.
B
Bob Andrews
Glänzt durch Recherche (Kontakt zu Mr. Bo über seinen Vater) und knackt die chemische Hitze-Dose. Solide Archivarbeit.

Sprecher

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