Zusammenfassung

Die Geschichte beginnt auf dem Schrottplatz, wo Peter an einem alten Corvair schraubt und Justus versucht, ihm den Wagen günstig abzuluchsen. Die Szenerie wird durch die Ankunft von Ty Cassey, Justus' Vetter aus New York, unterbrochen. Ty, ein lebenslustiger Tramp, fährt in einem schicken Mercedes Cabrio vor und repariert Peters Auto im Handumdrehen. Doch die Freude währt kurz: Kommissar Maxim und Inspector Cole tauchen auf und verhaften Ty. Der Mercedes ist gestohlen. Ty beteuert, er habe den Wagen in Oxnard von einem Mann namens 'El Tiburon' erhalten, um ihn gegen Bezahlung zu dessen Bruder nach Rocky Beach zu bringen.

Die drei ??? begleiten die Polizei zu der Adresse, die Ty genannt wurde: der Lebensmittelladen von José Torres. Torres bestreitet jedoch, Ty oder einen El Tiburon zu kennen. Ty kommt in Untersuchungshaft. Die Detektive glauben an seine Unschuld und ermitteln. Bob findet heraus, dass 'El Tiburon und die Piranhas' eine Latino-Band sind. Über deren Agenten Jake Hatch und dessen redselige Sekretärin Gracie erfahren sie, dass die Band tatsächlich in Oxnard war. Bei einem Treffen im 'Pizza Shack' leugnet El Tiburon jedoch alles und behauptet, Ty sei ein Lügner.

Justus kombiniert, dass die Band ihre Tourdaten als Tarnung für Autodiebstähle nutzt. Bei einer Beschattung des Ladens von Torres beobachten Justus und Peter, wie Torres einen gestohlenen Cadillac in ein Parkhaus fährt. Peter schleicht sich hinein, entdeckt eine verlassene Werkstatt, wird aber von Bewaffneten verjagt. Später bemerkt Peter bei einem Konzert der Band das entscheidende Detail: Die vermeintlichen 'Lowrider' der Band sind in Wahrheit normale Luxusautos (Mercedes, Volvo), die nur durch Graffiti unkenntlich gemacht wurden und keine echten hydraulischen Bodenplatten haben.

Um die Bande zu überführen, leihen sich die Detektive den Jaguar von Kellys Vater. Bob gibt sich bei Torres als Fahrer aus, der den Wagen abliefern will, während Justus und Ty (der mittlerweile auf Kaution frei ist) im Kofferraum liegen. Der Plan geht auf: Torres bringt den Wagen in das Parkhaus, wo sich eine geheime Wand zur Werkstatt öffnet. Dort werden sie jedoch von Jake Hatch, dem Kopf der Bande, überrascht und mit Waffen bedroht. In letzter Sekunde greifen Peter und Kelly ein – Kelly hat sich eine Waffe geschnappt und hält die Gangster in Schach. Als El Tiburon mit neuen gestohlenen Autos eintrifft, kommt es zum Bruch zwischen ihm und Hatch, da Hatch die Musiker als dumme Handlanger ('Papuchos') beleidigt. El Tiburon wechselt die Seiten, und die drei ??? können die Polizei rufen.

Review

Lowrider, Lügen & Papuchos – Wenn der Vetter zweimal klingelt!
Justus' Vetter klaut Mercedes? Peter wird zum Action-Helden? Und was zur Hölle sind 'Papuchos'? Schnallt euch an für die wohl rasanteste Folge der 90er!

Moin, liebe Kollegen und Haschimitenfürsten!

Greift euch ein Stück Kirschkuchen (aber bitte ohne Kerne, sonst gibt's Ärger mit Tante Mathilda) und lehnt euch zurück. Heute werfen wir den Kassettenrekorder an und reisen zurück ins Jahr 1991. Eine Zeit, in der Justus noch Diät hielt, Peter eine Freundin hatte, die cooler war als er, und Bob... nun ja, Bob war wie immer das Archiv auf zwei Beinen. Wir besprechen Folge 53: „Die drei ??? und die Automafia“.

ERSTER EINDRUCK


Bumm, Zack, Quietsch! Diese Folge riecht nicht nach altem Staub in der Zentrale, sondern nach verbranntem Gummi und billigem Haarspray. Wir sind mitten in der berühmt-berüchtigten „Crimebuster“-Ära (auch wenn die Nummerierung in Deutschland etwas anderes sagt), und das merkt man sofort. Hier wird nicht lange gefackelt, hier wird gehandelt. Es wirkt wie eine Folge von „Ein Fall für zwei“ für Teenager, nur dass Matula hier Peter Shaw heißt und einen roten Fiero fährt. Der Vibe ist urban, schnell und herrlich 90er. Man wartet förmlich darauf, dass gleich der „Beverly Hills Cop“-Soundtrack losgeht.

DIE STORY


Justus' Vetter Ty Cassey schneit in Rocky Beach rein – natürlich standesgemäß in einem geklauten Mercedes (ups!). Bevor Ty „Schrottplatz“ sagen kann, klicken auch schon die Handschellen. Er soll der Kopf einer Autoschieberbande sein. Unsere drei Detektive glauben natürlich an seine Unschuld (Blut ist dicker als Motoröl) und legen los. Die Spur führt zu einer schmierigen Latino-Band namens „El Tiburon und die Piranhas“, die mit extrem auffälligen Lowridern durch die Gegend tourt. Der Clou: Die Autos sind vielleicht gar nicht das, was sie scheinen...

UNSERE HELDEN


Justus: Unser Erster Detektiv hat es schwer. Sein Vetter nennt ihn liebevoll „Dicker“ (bzw. im Original „Baby Fatso“, aber wir wollen höflich bleiben) und er muss mal wieder beweisen, dass sein Gehirn mehr PS hat als jeder Sportwagen. Er brilliert mit einer klassischen Sherlock-Analyse von Tys Stiefeln, wirkt aber ansonsten fast ein bisschen passiv neben dem Action-Feuerwerk der anderen.

Peter: Freunde, das ist die PETER-SHAW-SHOW! Unser Zweiter Detektiv ist in seinem Element. Er schraubt, er fährt, er bricht ein (naja, fast), er wird bedroht. Hier darf der Sportler endlich mal zeigen, dass er nicht nur gut im Weglaufen ist. Ein absolutes Highlight für alle Peter-Fans.

Bob: Unser Recherche-Gott flirtet. Ja, richtig gehört! Um an Infos zu kommen, wickelt er die Sekretärin Gracie so charmant um den Finger, dass man fast rot wird beim Zuhören. „Ich unterhalte mich eben viel lieber mit dir als mit dem alten Jake“ – Bob, du alter Schwerenöter!

DIE GEGENSPIELER


Jake Hatch: Der Drahtzieher im Hintergrund. Fies, berechnend, aber am Ende stolpert er über seine eigene Arroganz. Ein solider Schurke, aber kein Victor Hugenay.

El Tiburon: Der Bandleader mit dem Ego eines Pfaus. Er ist eigentlich nur ein Handlanger, hält sich aber für den König der Straße. Seine Hybris ist herrlich mitanzuhören.

BESTE MOMENTE


1. Das Wort „Papuchos“: Es ist DER Running Gag der Folge. Hatch beleidigt seine musikalischen Handlanger als „Papuchos“ (was wohl so viel wie „Pantoffelhelden“ oder „Weicheier“ bedeuten soll, auch wenn die Übersetzung schwammig ist). Dieser eine Begriff bringt das ganze Kartenhaus zum Einsturz, weil El Tiburon sich in seiner Ehre gekränkt fühlt. Großes Kino!
2. Kelly „Rambo“ Madigan: Peters Freundin Kelly ist hier nicht nur schmückendes Beiwerk. Sie besorgt den Köder-Jaguar (Danke, Papa Madigan!) und greift im Finale aktiv ins Geschehen ein. Eine der stärksten Frauenfiguren der damaligen Zeit.
3. Der Lack-Trick: Die Auflösung, dass die Lowrider eigentlich geklaute Luxuskarossen sind, die einfach nur mit hässlichem Graffiti „getarnt“ wurden, ist so simpel wie genial. Darauf muss man erstmal kommen!

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der Plan, sich im Kofferraum eines Jaguars in die Höhle des Löwen schmuggeln zu lassen, ist... optimistisch. Wenn die Gangster den Kofferraum auch nur einmal aufgemacht hätten, wäre die Folge nach 30 Minuten vorbei gewesen – und zwar blutig. Und dass Kellys Vater seinen geliebten Jaguar einfach so für eine lebensgefährliche Undercover-Mission rausrückt (oder Kelly ihn einfach nimmt), glauben auch nur Leute, die noch nie einen Jaguar besessen haben.

SERIEN-KONTEXT


Jetzt wird's nerdy, Leute! Zückt die Notizblöcke:
Das Crimebuster-Paradoxon: Obwohl die Folge erst als Nummer 53 erschien, basiert sie auf dem amerikanischen „Crimebusters“-Band Nr. 9. Das erklärt den Fokus auf Autos, Action und Freundinnen, der für die klassischen 50er-Folgen sonst eher untypisch war.
Wiederkehrer: Ty Cassey ist gekommen, um zu bleiben (zumindest kurz). Wir hören ihn später noch einmal in Folge 61 „Die Rache des Tigers“. Er ist einer der wenigen Verwandten, die mehr als einen Auftritt haben.
Kontinuität: Hier wird etabliert, dass Peter ein begnadeter Mechaniker ist – ein Skill, der ihm (und seinem MG) noch oft das Leben retten wird.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier hat Europa mal wieder die Creme de la Creme versammelt:
Ty Cassey (Stefan Brönneke): Ihr kennt diese Stimme! Er war der Inbegriff des „coolen Jugendlichen“ in den 80ern/90ern. Oft bei TKKG als Rivale oder Kumpel zu hören (z.B. als „Kefir“). Er bringt diesen locker-flockigen „Mir gehört die Welt“-Vibe perfekt rüber.
Kommissar Maxim (Peter Matic): Haltet euch fest – das ist die deutsche Stimme von Ben Kingsley (Gandhi!). Warum man einen Oscar-reifen Sprecher für eine kleine Kommissar-Rolle verheizt? Weil Europa es KANN. Seine noble Stimme bildet einen herrlichen Kontrast zum Schrottplatz-Setting.
José Torres (Douglas Welbat): Eine Legende! Er ist nicht nur der Erzähler von Grusel-Klassikern wie „Macabros“ oder „Larry Brent“, sondern – und jetzt kommt der Hammer – er ist die deutsche Stimme vom Krümelmonster aus der Sesamstraße! Wenn Torres also wütend wird, stellt euch einfach vor, jemand hätte ihm den Keks geklaut. Gern geschehen für dieses Kopfkino.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Ein spannender Fall von „Lost in Translation“: Das Buch von William Arden hieß im Original „The Mystery of the Smashing Glass“. Im Buch gab es eine Bande, die Autoscheiben einschlug, um von den Diebstählen abzulenken. Im deutschen Hörspiel wurde dieser ganze Handlungsstrang fast komplett gestrichen und der Fokus voll auf die „Automafia“ gelegt. Eine gute Entscheidung, denn das macht die Story straffer und actionreicher. Das Cover von Aiga Rasch mit dem bedrohlichen Kühlergrill ist übrigens absolute Weltklasse und fängt die Stimmung perfekt ein.


FAN-SERVICE-CHECK


Schrottplatz-Romantik: Wir starten direkt auf dem Schrottplatz. Peter schraubt, Justus nervt. So muss das sein.
Tante Mathilda: Hat zwar nur einen kleinen Auftritt, aber ihre Loyalität zur Familie (auch zu schwarzen Schafen wie Ty) ist das Herz der Folge.
  • Inspektor Cotta? Fehlanzeige. Wir müssen uns mit Inspector Cole und Kommissar Maxim begnügen. Cotta hatte wohl frei.

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Die drei ??? und die Automafia“ ist wie ein Cheeseburger: Nicht unbedingt Haute Cuisine, aber verdammt lecker und macht satt. Wer auf die klassische Rätsel-Atmosphäre der ersten Folgen steht, wird hier vielleicht die Nase rümpfen. Aber wer Lust auf ein flottes 90er-Jahre-Abenteuer mit coolen Autos, starken Sprüchen und einem Peter in Bestform hat, der MUSS diese Folge hören. Sie ist ein Paradebeispiel für die Action-Phase der Serie und macht einfach Spaß.

Prädikat: Besonders wertvoll für Peter-Fans und Hobby-Schrauber.

Wusstest du schon?

Justus' Vetter Ty Cassey taucht in dieser Folge auf und wird von Stefan Brönneke gesprochen. Er ist eine der wenigen wiederkehrenden Verwandten außerhalb von Tante Mathilda und Onkel Titus.
In der Buchvorlage heißt der Fall 'The Mystery of the Smashing Glass' und hat einen ganz anderen Fokus (Glasbruch), der deutsche Titel und das Hörspielskript konzentrieren sich fast ausschließlich auf den Autodiebstahl-Aspekt.
Kommissar Maxim wird von Peter Matic gesprochen, der deutschen Synchronstimme von Ben Kingsley (Gandhi).
Dies ist eine der Folgen, in denen die Freundinnen der Detektive (hier Kelly) eine aktive Rolle bei der Überführung der Täter spielen.
Cover
Bewertung
5.5
🚗 🚗 🚗 🚗 🚗 🚗 🚗 🚗 🚗 🚗
5,5 von 10 getarnten Luxuskarossen
Das Rätsel
Der Trick mit den 'Lowridern' ist genial simpel: Teure Autos werden einfach mit Graffiti besprüht, um als Schrottmühlen der Band durchzugehen. Das ist visuell (im Kopfkino) stark und eine faire, logische Auflösung, auf die man durch Peters Beobachtungsgabe gut vorbereitet wird.
Plot & Logik
Dass Ty einfach so ein Auto für einen Fremden überführt, ist klassische 'naiver Drifter'-Logik, aber akzeptabel. Der Plan mit dem Jaguar und dem Kofferraum ist extrem riskant – dass Kellys Vater seinen Jaguar für so etwas hergibt (bzw. Kelly ihn einfach nimmt), ist der unwahrscheinlichste Teil, passt aber zum 'Crimebuster'-Stil der Ära.
Gastfiguren
Ty Cassey ist als sympathischer Lebenskünstler eine Bereicherung, auch wenn er sich etwas naiv verhält. El Tiburon bleibt als stolzer, aber manipulierbarer Musiker im Gedächtnis, besonders durch den 'Papuchos'-Konflikt. Kommissar Maxim wirkt als strenger Gegenpol zu den sonst eher kooperativen Polizisten.
Dialogqualität
Die Dialoge sind lebendig, besonders die Frotzeleien zwischen Justus und Peter über Diät und Autos. Der Begriff 'Papuchos' als Beleidigung, die schließlich zum Fall der Bande führt, ist ein schönes, charaktergetriebenes Detail.
Pacing
Sehr hohes Tempo. Es gibt kaum Leerlauf: Verfolgungsjagden, Einbrüche, Beschattungen und ein Finale mit gezückten Waffen. Eine sehr actionreiche Folge.
Kapitel
1 Besuch aus New York 0:00 min
2 Festgenommen! 6:41 min
3 Die Piranhas in Aktion 14:14 min
4 Bandleader oder Bandenchef? 21:56 min
5 Gefährliche Begegnung 26:27 min
6 Wer wird hier beschattet? 34:38 min
7 Köderfalle Jaguar 41:33 min
8 Der Hai gibt auf 48:28 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert gleich zu Beginn mit einer Sherlock-Holmes-artigen Deduktion über Tys Reise (ausgelatschte Stiefel, Buttons). Er übernimmt die strategische Planung und durchschaut das Muster der Tourdaten.
P
Peter Shaw
Ist hier der absolute Action-Held. Er besorgt die Autos, schleicht sich als Erster in die Höhle des Löwen und bringt seine Freundin Kelly aktiv ins Spiel. Er zeigt viel Mut.
B
Bob Andrews
Nutzt seinen Charme bei der Sekretärin Gracie ('Ich unterhalte mich eben viel lieber mit dir als mit dem alten Jake'), um an die entscheidenden Tourdaten zu kommen. Ohne seine Recherche gäbe es keine Spur.

Fazit

Eine starke Folge der 'Crimebuster'-Ära (auch wenn sie im Hörspiel später erschien). Weniger Mystery, mehr Action-Krimi mit Autos, Gangstern und Freundinnen. Wer solide Detektivarbeit gemischt mit etwas 90er-Jahre-Action mag, wird hier bestens bedient. Besonders Peters aktive Rolle macht Spaß.

Sprecher

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