Zusammenfassung

Justus und Peter suchen im Auftrag von Alfred Hitchcock nach dem entflogenen Papagei von Mr. Fentress. Am Zielort werden sie zunächst von einem bewaffneten Mann bedroht, der sich als Fentress ausgibt, sie jedoch bald wieder wegschickt. Justus' Kombinationsgabe verrät ihm jedoch, dass etwas nicht stimmt: Das Haus hat keine Telefonleitung, obwohl der Besuch telefonisch angekündigt wurde. Bei ihrer Rückkehr finden sie den echten Mr. Fentress gefesselt vor. Er berichtet von seinem Papagei 'Lucky' (Lucullus), der lateinische Phrasen zitiert, und einem dicken Mann, der nach einem schwarzen Vogel namens 'Blackbeard' suchte.

Die Ermittlungen führen zu weiteren Besitzern seltsamer Papageien, darunter Mrs. Wegener, deren 'Schneewittchen' ebenfalls gestohlen wurde. Um den dicken Mann und seinen Sportwagen zu finden, startet Justus eine 'Telefonlawine', bei der hunderte Kinder in Kalifornien mobilisiert werden. Dies führt sie zu dem mexikanischen Jungen Carlos und seinem Onkel Ramos. Dort erfahren sie die Hintergrundgeschichte: Ein Mann namens John Silver hinterließ sieben Papageien, die zusammen den Weg zu einem Schatz weisen. Justus, Peter und Bob schaffen es, den entscheidenden Papagei Blackbeard zu kaufen, bevor der dicke Mann – Mr. Claudius – ihn bekommt.

Es stellt sich heraus, dass Claudius ein Bild sucht, das Silver gestohlen hat. Überraschend schließt sich Claudius mit den drei ??? zusammen, da auch der internationale Kunstdieb Victor Hugenay hinter dem Schatz her ist. Justus kombiniert die Sprüche der Vögel ('Baker Street', '13 Stufen', 'Drei Rosen'), was sie nachts auf einen Friedhof führt. Dort finden sie zwar einen Metallkasten, doch Hugenay lauert ihnen auf und stiehlt ihn. Die Enttäuschung ist groß, bis Peter durch Zufall den wahren Versteckort entdeckt: Das Bild war nicht im Kasten, sondern in einer alten Röhre versteckt, die er im Eifer des Gefechts fast weggeworfen hätte. Hugenay entkommt mit dem wertlosen Kasten, während die Detektive das Bild sichern und die Belohnung für Carlos und Ramos retten.

Review

Der Urknall in Rocky Beach: Warum wir Papageien lieben und Röhren feiern
Der erste Fall, der erste Hugenay, das erste 'Spezialgelagerter Sonderfall'. Wir reisen zurück ins Jahr 1979 zu stotternden Papageien und einem Justus Jonas im Stimmbruch-Modus.

Hallo liebe Detektiv-Kollegen und Kassettenkinder,

heute reisen wir zurück. Ganz weit zurück. In eine Zeit, als Handys noch Science-Fiction waren, Google „Bibliothek“ hieß und drei Jungs aus Kalifornien beschlossen, unser Leben für immer zu verändern. Wir besprechen den Urknall. Die Genesis. Das Alpha (und fast das Omega für Hugenay). Legt die Beine hoch, schnappt euch ein Stück Kirschkuchen (Tante Mathilda besteht darauf!) und lasst uns über Folge 1: Die drei ??? und der Super-Papagei reden.

ERSTER EINDRUCK

Sobald Peter Pasettis Stimme als Alfred Hitchcock erklingt („Ich darf vorstellen...“), bekommt man diesen wohligen Schauer. Es ist, als würde man nach 20 Jahren in sein altes Kinderzimmer kommen und alles liegt noch genau so da. Man hört sofort: Das hier ist alt. Die Stimmen unserer Helden klingen, als hätten sie gerade erst den Stimmbruch hinter sich (oder stecken noch mittendrin – hust Oliver Rohrbeck hust). Aber genau das macht den Charme aus. Es knistert vor Nostalgie, Abenteuerlust und dieser unfassbar gemütlichen 70er-Jahre-Atmosphäre.

DIE STORY

Ein älterer Herr, Mr. Fentress, vermisst seinen Papagei. Klingt nach einem Fall für die „Drei !!!“ (sorry, der musste sein), aber Justus riecht Lunte. Was als Haustiersuche beginnt, entwickelt sich zur wildesten Schnitzeljagd der Seriengeschichte. Ein verstorbener Pirat/Künstler namens John Silver hat sieben (!) Papageien trainiert, kryptische Sätze zu krächzen. Wer die Vögel findet und die Sätze kombiniert, findet einen Schatz. Natürlich sind unsere Jungs nicht allein: Ein dicker Mann mit Chauffeur und ein eleganter Franzose mischen kräftig mit. Am Ende landen wir auf einem nebligen Friedhof und lernen, dass man manche Rätsel wörtlich nehmen muss.

UNSERE HELDEN

Justus Jonas: Der erste Detektiv ist hier schon voll in seinem Element, aber noch deutlich impulsiver. Er etabliert direkt seinen Signature-Move: Das analytische Zerpflücken von Gegnern. Wie er den falschen Mr. Fentress entlarvt, weil keine Telefonleitung zum Haus führt? Chef’s Kiss! Das ist der Justus, den wir lieben.

Peter Shaw: Unser Zweiter Detektiv leidet hier schon Höllenqualen. „Mir zittern die Knie, als ob ich eben erst laufen gelernt hätte.“ Peter ist in Folge 1 bereits der designierte Angsthase, aber – und das ist wichtig – er ist auch der Matchwinner. Ohne seinen Wutanfall am Ende („Da guckst du in die Röhre!“) wäre der Schatz futsch gewesen.

Bob Andrews: Der arme Bob. In den frühen Folgen (und besonders hier) wirkt er oft wie das fünfte Rad am Rolls-Royce. Er darf mal was recherchieren, aber die großen Szenen gehören Just und Peter. Er ist hier eher der ruhige Protokollant.

DIE GEGENSPIELER

Wir haben hier gleich zwei Schwergewichte (im wahrsten Sinne des Wortes):

Mr. Claudius: Der „dicke Mann“. Ein klassischer Bösewicht, der erst bedrohlich wirkt, dann aber pragmatisch mit den Jungs zusammenarbeitet. Er bleibt im Gedächtnis, aber er wird vom wahren Star der Folge in den Schatten gestellt.

Victor Hugenay: Trommelwirbel! Der erste Auftritt des Erzfeindes. Er ist charmant, er ist arrogant, und er klaut den Jungs den Schatz vor der Nase weg (glaubt er zumindest). Hugenay ist der Moriarty zu Justus’ Sherlock. Ein grandioses Debüt für einen Charakter, der uns noch Jahrzehnte begleiten wird.

BESTE MOMENTE

Die Telefonlawine: Leute, das ist Kulturgut! Justus aktiviert gefühlt alle Kinder Kaliforniens, um einen Sportwagen zu finden. Aus heutiger Sicht ein Datenschutz-Albtraum, damals einfach nur genial. „Jeder ruft fünf Freunde an...“ – das war das virale Marketing der 70er.
Der Friedhof: Die Szene nachts an der Baker Street (Sherlock-Referenz, ick hör dir trapsen!) ist atmosphärisch unglaublich dicht. Nebel, eine verschlossene Gruft, Schritte im Dunkeln. Das ist Hörspiel-Gold.
Der Twist: Dass der Schatz nicht in der Kiste ist, sondern in dem rostigen Rohr, das Peter wütend wegwerfen will, ist bis heute einer der besten „Aha-Momente“ der ganzen Serie.

SCHWACHSTELLEN

Seien wir ehrlich: Der Plan von John Silver ist völlig gaga. Warum sieben Papageien trainieren, sie an verschiedene Leute verschenken und hoffen, dass irgendwer sie wieder einsammelt? Ein Bankschließfach wäre einfacher gewesen. Und dass Hugenay am Ende zufällig genau dann auf dem Friedhof ist, wenn die Jungs da sind... nun ja, das nennen wir wohl „Drehbuch-Glück“.

SERIEN-KONTEXT (Der Nerd-Teil)

Jetzt wird’s spannend für die Statistik-Freunde:
Der erste Fall? Jein. „Der Super-Papagei“ ist zwar Hörspiel-Folge Nr. 1, aber buchtechnisch war es in den USA erst der zweite Fall (nach „Gespensterschloss“). In Deutschland erschien das Buch 1972 (als Nr. 8 der Übersetzung), aber Europa wählte es als Start-Hörspiel, weil es actionreicher war als das Gespensterschloss. Eine weise Entscheidung!
Hugenay-Watch: Unser Lieblings-Dieb kehrt zurück! Wir hören ihn wieder in Der seltsame Wecker (Folge 12), Poltergeist (Folge 73 – da aber mit anderer Stimme!), Das Erbe des Meisterdiebs (Folge 103) und im Jubiläums-Dreiteiler Feuermond (Folge 125). Er ist der rote Faden der Serie.
Erstnennung: Hier fällt zum allerersten Mal der Begriff „spezialgelagerter Sonderfall“. Ein historischer Moment!


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier fährt Europa schwere Geschütze auf:
Gerlach Fiedler (Mr. Claudius): Haltet euch fest – das ist die deutsche Stimme vom Krümelmonster aus der Sesamstraße! Und für die Harry-Potter-Fans: Er sprach den ersten Dumbledore (Richard Harris). Wenn Mr. Claudius spricht, wartet man eigentlich nur darauf, dass er „KEKSE!!!“ brüllt.
Wolfgang Kubach (Victor Hugenay): Er sprach den Meisterdieb unter dem Pseudonym „Albert Giro“. Kubach war eigentlich Stimmenimitator (u.a. für Freddy Quinn). Leider verstarb er 2022. Seine arrogante Eleganz als Hugenay ist unerreicht.
Stefan Brönneke (Carlos): Der Junge Carlos wird von Stefan Brönneke gesprochen. Den kennen Kinder der 90er als die Stimme von Tsubasa Ohzora („Die tollen Fußballstars“) oder als Ferris Bueller („Ferris macht blau“).
Richard Lauffen (Mr. Fentress): Ein Urgestein, bekannt aus unzähligen TV-Rollen (z.B. „Timm Thaler“). Er hatte dieses wunderbare Talent, kauzige und leicht genervte ältere Herren zu spielen.

PRODUKTIONS-HISTORIE

Erschienen ist das Hörspiel am 12. Oktober 1979. Regie führte natürlich die Grande Dame Heikedine Körting. Interessant ist, dass das Skript von H.G. Francis die Handlung im Vergleich zum Buch (von Robert Arthur) deutlich strafft. Im Buch findet Hitchcock die Jungs (nicht umgekehrt) und die Autoverfolgungsjagd ist viel länger. Musikalisch bewegen wir uns hier noch in der Ära der klassischen Orchester-Zwischenspiele (Bert Brac), bevor später der Synthie-Sound von Carsten Bohn übernahm. Das gibt der Folge diesen zeitlosen Krimi-Touch.


FAN-SERVICE-CHECK


Karte: Die Visitenkarte wird vorgelesen (Gänsehaut!).
Rolls-Royce: Morton und der Wagen sind schon da, auch wenn die Erklärung, warum sie ihn haben, in dieser Folge etwas kurz kommt (das wird im „Gespensterschloss“ ausführlicher erklärt, das ja eigentlich vorher spielt).
  • Running Gag: Peters Angst wird etabliert. Justus’ Besserwisserei wird etabliert. Bob... ist anwesend.

FAZIT & EMPFEHLUNG

Der „Super-Papagei“ ist nicht ohne Grund ein absoluter Klassiker. Er hat alles, was die Serie ausmacht: Ein mysteriöses Rätsel, skurrile Charaktere, gruselige Orte und diesen unvergleichlichen Charme der drei Detektive. Sicher, die Logik hinkt manchmal, aber wen kümmert das bei dieser Atmosphäre? Wer wissen will, warum diese Serie seit über 40 Jahren erfolgreich ist, MUSS diese Folge hören.

Für wen? Für jeden. Wirklich jeden. Es ist das Fundament der Kirche des heiligen Fragezeichens.

Wusstest du schon?

Dies ist die allererste Hörspielfolge der Serie, obwohl die Buchvorlage eigentlich der zweite Band war.
Der Begriff 'spezialgelagerter Sonderfall' fällt hier zum ersten Mal.
Victor Hugenay, der Erzfeind und Gentleman-Dieb, hat hier seinen ersten Auftritt.
Die 'Telefonlawine' wird hier als Ermittlungsmethode eingeführt.
Cover
Bewertung
9
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9 von 10 krächzenden Latein-Zitaten
Das Rätsel
Ein absoluter Klassiker der Schatzsuche. Die Idee, eine Botschaft auf sieben Papageien zu verteilen, die dann 'zusammengepuzzelt' werden muss, ist charmant und lädt zum Mitdenken ein. Besonders clever ist der finale Twist: Nicht der offensichtliche Metallkasten enthält den Schatz, sondern das unscheinbare Objekt (die Röhre), das im Rätseltext ('Da guckst du in die Röhre') sogar wörtlich erwähnt wird.
Plot & Logik
Die Geschichte ist in sich schlüssig, auch wenn man sich fragen könnte, warum John Silver diesen extrem komplizierten Weg über sieben Vögel wählte, statt das Bild einfach sicher zu hinterlegen. Die 'Telefonlawine' ist ein logistisches Highlight und zeigt Justus' Organisationstalent, auch wenn die Wahrscheinlichkeitsrechnung dahinter etwas optimistisch wirkt. Dass Hugenay am Ende genau im richtigen Moment auf dem Friedhof auftaucht, ist typisches Krimi-Timing, aber verzeihlich.
Gastfiguren
Mr. Claudius ist ein wunderbar cholerischer Gegenspieler, der durch seine Frau immer wieder geerdet werden muss. Victor Hugenay hat hier seinen ersten großen Auftritt als Gentleman-Dieb ('Ihr seid brave Jungen'), was ihn sofort als respektvollen, aber gefährlichen Gegner etabliert. Carlos bringt eine emotionale Komponente und die Motivation für die Belohnung ein.
Dialogqualität
Die Dialoge sind lebendig und haben diesen speziellen Charme der frühen Folgen. Justus' geschwollene Ausdrucksweise ('Der Ursprung entzieht sich wirklich meiner Kenntnis') steht im wunderbaren Kontrast zu Peters bodenständiger Art. Legendär ist natürlich der Satz: 'Dies ist wirklich ein spezialgelagerter Sonderfall.'
Pacing
Das Tempo ist hoch. Vom ersten Schreckmoment mit der Pistole über die Telefonlawine bis zum Finale auf dem Friedhof gibt es kaum Leerlauf. Die Ermittlungsschritte bauen logisch aufeinander auf.
Kapitel
1 Ein Hilferuf 0:00 min
2 Ein Papagei spricht Latein 5:56 min
3 Schneewittchen ist verschwunden 12:47 min
4 Ein unverhoffter Besuch 18:16 min
5 Blackbeard, der Pirat 26:12 min
6 Die rätselhafte Botschaft 33:52 min
7 Von Steinen und Gebeinen 40:59 min
8 Blackbeard hat das letzte Wort 46:01 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Justus ist in Hochform. Er durchschaut den falschen Fentress durch das fehlende Telefonkabel ('Zum Haus von Mister Fentress führt nämlich keine Telefonleitung') und löst das komplexe Rätsel um die Baker Street und die römischen Zahlen. Er wirkt hier sehr autoritär, fast schon chefmäßig.
P
Peter Shaw
Peter ist der Mann für die Action und die unfreiwillige Komik. Er hat Angst ('Mir zittern die Knie, als, als ob ich eben erst laufen gelernt hätte'), ist aber auch derjenige, der am Ende durch puren Zufall und Wut das Rätsel endgültig löst, indem er das Rohr findet.
B
Bob Andrews
Bob bleibt in diesem Transcript leider etwas blass. Er wird zwar als verantwortlich für 'Recherchen und Archiv' vorgestellt, hat aber deutlich weniger prägende Szenen als Justus oder Peter. Er fungiert eher als Stichwortgeber.

Fazit

Ein grandioser Einstieg in die Serie. Die Folge bietet alles, was die drei ??? ausmacht: Rätsel, Atmosphäre, einen genialen Justus und einen Hauch von Gefahr. Für jeden Fan ein Muss, allein schon wegen der Einführung von Hugenay und der Telefonlawine. Absolut empfehlenswert.

Sprecher

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