Zusammenfassung

Die Geschichte beginnt friedlich bei einem Besuch der drei ??? bei ihrem alten Freund, dem pensionierten Kommissar Reynolds. Dort treffen sie auf den seltsamen Frank Escovedo, der unbedingt ein Gemälde abkaufen will, das die Jungs dem Kommissar einst geschenkt hatten. Es zeigt ein Schiff namens 'Samuel' vor einem kitschigen Sonnenuntergang. Reynolds und der ebenfalls anwesende Onkel Titus lehnen den Verkauf strikt ab. Kurz darauf wird bei Reynolds eingebrochen und das Bild gestohlen. Justus kombiniert, dass Escovedo auch Karteikarten von Onkel Titus entwendet hat, um die Besitzer zweier weiterer ähnlicher Schiffsgemälde ausfindig zu machen.

Die Recherche führt die Detektive in den Buchladen 'Booksmith', wo sie über ihre Freundin Leslie Dimple den Kontakt zu Anita Caballero herstellen. Diese besitzt das zweite Bild ('Gwendolyn') und sucht nach ihrer eigenen Herkunft, da sie als Findelkind auf einer Insel aufwuchs. Ihr einziger Hinweis ist ein Anhänger mit mysteriösen Symbolen. Während Peter auf Anitas Boot zurückbleibt, um dem auftauchenden Escovedo eine Falle zu stellen, suchen Justus und Bob den Besitzer des dritten Bildes ('Samantha'), den alten Seemann Rupert Horowitz, auf.

Sie finden Horowitz gefesselt im Kofferraum seines Wagens; sein Haus ist verwüstet und das Bild gestohlen. Horowitz erzählt die Geschichte der drei Schiffe des Öl-Barons Jeff Rothman: Samuel, Samantha und Gwendolyn. Letzteres sank angeblich in einem Sturm, wobei nur Rothmans Sohn Samuel und ein Matrose überlebten. Justus und Bob kehren zum Hafen zurück, doch Anitas Boot – und Peter – sind verschwunden. Durch ein belauschtes Gespräch zwischen der Anwältin Regina Pearson und Escovedo erfahren sie, dass Peter auf dem führerlosen Boot auf das offene Meer getrieben wurde.

Justus kombiniert die Zusammenhänge: Regina Pearson ist die Tochter von Samuel Rothman. Gemeinsam mit Kommissar Reynolds und Anita dringen Justus und Bob in das Anwesen der Rothmans ein. Dort finden sie in der Garage die gestohlenen Gemälde. Justus konfrontiert den alten Samuel Rothman mit der Wahrheit: Die Bilder wurden vom Maler Paddy O'Rien übermalt. Unter den aufgemalten Inseln verbirgt sich die Szene, wie Samuel Rothman einst seine uneheliche Halbschwester Gwendolyn – die heutige Anita Caballero – auf einer Insel aussetzte, um das Erbe der Ölfirma allein anzutreten. Anita wird als rechtmäßige Erbin identifiziert. Im letzten Moment taucht auch Peter wieder auf, der von einem Polizeihubschrauber gerettet wurde.

Review

Frank, Frank und der Kommissar: Warum Folge 115 ein Fest für Nostalgiker ist (ja, ja!)
Kommissar Reynolds ist zurück, Peter geht baden und ein Bösewicht namens 'Frank Frank' sorgt für grammatikalische Schleudertraumen. Warum diese Folge trotz Logiklöchern Kultpotenzial hat!

Hallo Kollegen, Spezialisten und Haschimitenfürsten!

Wisst ihr, was passiert, wenn man Nostalgie, einen Grammatik-Anarchisten und ein maritimes Rätsel in einen Mixer wirft? Richtig: Man bekommt Folge 115, "Auf tödlichem Kurs". Schnappt euch einen Kirschkuchen (aber vorsicht, Tante Mathilda guckt!), lehnt euch zurück und lasst uns über eine Folge reden, die uns einen der größten "Huch, er ist wieder da!"-Momente der Seriengeschichte beschert hat.

ERSTER EINDRUCK


Leute, ich sag nur zwei Worte: "Frank Frank". Wer diese Folge gehört hat, weiß sofort, wovon ich rede. Aber dazu später mehr. Der erste Eindruck ist eigentlich ein ganz anderer: Es fühlt sich an wie eine warme Decke an einem regnerischen Tag in Rocky Beach. Warum? Weil ER wieder da ist. Kommissar Reynolds! Und zwar nicht nur als Stimme am Telefon, sondern in Fleisch und Blut (bzw. Magnetband). Das gibt der Folge sofort einen ultimativen Wohlfühl-Faktor, auch wenn der Einstieg mit dem Einbruch bei unserem Lieblings-Pensionär natürlich ein Schock ist.

DIE STORY


Eigentlich ist es ganz simpel: Jemand klaut ein absolut hässliches – pardon, sentimental wertvolles – Gemälde aus der Wohnung von Kommissar Reynolds. Es zeigt ein Schiff. Justus kombiniert messerscharf (und vermutlich unter Einfluss von zu viel Schokolade), dass es nicht um Kunst, sondern um ein Rätsel geht. Es gibt nämlich drei dieser Bilder: Samuel, Samantha und Gwendolyn. Was folgt, ist eine klassische Schnitzeljagd zu Wasser und zu Lande, bei der es um ein düsteres Familiengeheimnis, ein Öl-Imperium und eine verschollene Erbin geht. Klingt nach Standard-Kost? Ist es auch, aber verdammt lecker serviert.

UNSERE HELDEN


Justus: Der erste Detektiv ist in absoluter Hochform. Er kombiniert nicht nur, er philosophiert! Sein Monolog am Ende über die "Annehmlichkeit der eigenen Meinung" vs. die "Unannehmlichkeit des Nachdenkens" gehört eigentlich auf ein T-Shirt gedruckt. Ein brillanter Moment für Oliver Rohrbeck.

Bob: Unser Archivar darf wieder zeigen, warum er der Mann ist, der Google erfunden hätte, wenn es das nicht schon gäbe. Er wühlt sich durch Archive, assistiert Justus und behält den Überblick, wenn es chaotisch wird. Solide Arbeit, Kollege Andrews!

Peter: Ach, Peter. Unser zweiter Detektiv hat in dieser Folge wirklich die Arschkarte gezogen (sorry für das Französisch). Er wird auf einem Boot ausgesetzt und treibt aufs offene Meer. Das Problem? Wir kriegen davon fast nichts mit! Während Justus und Bob Detektiv spielen, ist Peter quasi im "Off-Screen-Urlaub" des Grauens. Da blutet das Fan-Herz ein wenig.

DIE GEGENSPIELER


Kommen wir zum Elefanten im Raum: Frank Escovedo. Oder wie er sich selbst nennt: "Frank Frank Escovedo". Gesprochen von Ignacio Descalzo, ist dieser Mann ein akustisches Phänomen. Sein spanischer Akzent und seine Angewohnheit, hinter jeden Satz ein fragendes "Ja?" zu hängen, machen ihn entweder zum Kult oder zum absoluten Nervfaktor. Ich persönlich feiere ihn. Er ist so herrlich drüber! "Ich nehme das Bild mit, ja? Frank Frank Escovedo kriegt was er will, ja?"

Der eigentliche Drahtzieher, Samuel Rothman, wirkt dagegen fast blass, ist aber dank der Sprecherleistung (dazu gleich mehr) herrlich fies und arrogant.

BESTE MOMENTE


1. Das Wiedersehen: Der Moment, als die drei ??? bei Reynolds im Wohnzimmer stehen. Man spürt förmlich, wie sehr die Jungs (und wir!) ihn vermisst haben. Er ist hier nicht mehr der strenge Polizeichef, sondern der gütige Opa, dem man Kekse mitbringt.
2. Onkel Titus in Action: Dass Titus Jonas den Verkauf des Bildes verweigert, zeigt mal wieder: Der Mann hat Prinzipien (und einen Dickschädel aus Stahl).
3. Justus' Finale: Wie er Rothman zerlegt, rein verbal, ist ganz großes Kino. Da braucht es kein Karate, da reicht der Intellekt.

SCHWACHSTELLEN


Wir müssen reden, Frau Körting. Peters Odyssee auf dem Meer wird im Hörspiel sträflich vernachlässigt! Im Buch ist das ein echter Survival-Thriller – Peter kämpft gegen die Elemente, hat Todesangst, das volle Programm. Im Hörspiel? Ein kurzes Telefonat, zack, Hubschrauber, gerettet. Das wirkt leider sehr gehetzt und nimmt der Story viel Dramatik. Hier wurde Potenzial verschenkt, um die 70 Minuten Laufzeit nicht zu sprengen.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge ist ein Meilenstein für Nostalgiker. Kommissar Reynolds war ja lange Zeit "in Pension" (bzw. aus der Serie geschrieben, nachdem sein ursprünglicher Sprecher Horst Frank 1999 verstarb). Dass er hier so prominent zurückkehrt, gesprochen von Wolfgang Draeger, ist ein riesiges Geschenk an die Fans. Er taucht zwar in späteren Folgen (z.B. Folge 118) nochmal auf, aber hier steht er wirklich im Mittelpunkt.

Auch schön: Leslie Dimple ist dabei! Die gute Leslie kennen wir ja schon aus "Der rote Rächer" (Folge 96) und anderen Fällen. Sie gehört zum erweiterten Freundeskreis und sorgt für ein schönes "Rocky Beach Universe"-Gefühl.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Jetzt mal Tacheles, denn die Besetzungsliste ist pures Gold:

Wolfgang Draeger (Reynolds): Eine Legende! Er sprach Reynolds schon in den 80ern (als Nachfolger von Horst Frank) und ist für viele die Stimme des Kommissars. Fun Fact: Er ist der Vater von Sascha Draeger (Tim von TKKG) und war jahrelang die deutsche Stimme von Woody Allen. Leider ist er 2023 verstorben, was diese Folge heute noch emotionaler macht.
Rolf Jülich (Rupert Horowitz): Ein Gänsehaut-Moment. Jülich war eine der markantesten Stimmen der Branche (oft Bösewichte, z.B. bei "Masters of the Universe"). Er starb im Juli 2005, also kurz nach Veröffentlichung dieser Folge. Es war eine seiner letzten Rollen.
Peter Weis (Samuel Rothman): Auch er ist leider 2023 von uns gegangen. Seine distinguierte, leicht arrogante Art passte perfekt zum skrupellosen Öl-Tycoon.
Ignacio Descalzo (Escovedo): Der Mann ist tatsächlich Spanier und Schauspieler in Hamburg. Sein Akzent ist also (überspitzt) echt!

PRODUKTIONS-HISTORIE


Das Hörspiel erschien im April 2004 und basiert auf dem gleichnamigen Buch von Ben Nevis. Nevis ist ja eigentlich für seine Action-Kracher bekannt (man denke an "Feuermond"), aber hier liefert er einen fast schon klassischen Krimi ab. Der größte Unterschied zum Buch ist – wie erwähnt – die massive Kürzung von Peters Handlungsstrang. Das ist schade, war aber wohl produktionstechnisch notwendig, um den Fokus auf dem Rätsel zu lassen.

FAZIT & EMPFEHLUNG


"Auf tödlichem Kurs" ist vielleicht nicht der komplexeste Fall aller Zeiten, aber er hat Herz. Die Rückkehr von Reynolds, der skurrile Frank Frank Escovedo und die klassische Schatzsuche-Struktur machen unglaublich viel Spaß. Es ist eine "Comfort Episode" – perfekt zum Einschlafen oder für verregnete Sonntage.

Wer über die Kürzung von Peters Story hinwegsehen kann, bekommt hier ein 1A-Hörspiel mit Top-Sprechern, das die Brücke zwischen der Klassiker-Ära und der Neuzeit schlägt. Ein Muss für jeden, der wissen will, wie Justus Jonas einen Millionär verbal filetiert, ja?

Wusstest du schon?

Dies ist eine der wenigen Folgen in der Ära nach Folge 100, in der der ursprüngliche Kommissar Reynolds eine tragende Rolle spielt und aktiv an der Ermittlung teilnimmt.
Der Sprecher von Frank Escovedo, Ignacio Descalzo, verleiht der Figur durch den spanischen Akzent und die eigenwillige Grammatik ('Frank Frank Escovedo') einen sehr speziellen Charakter, der unter Fans oft diskutiert wird.
Im Buch ist Peters Überlebenskampf auf dem Meer deutlich ausführlicher beschrieben; im Hörspiel wurde dieser Handlungsstrang aus Zeitgründen stark gekürzt.
Cover
Bewertung
7.5
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7,5 von 10 Kirschkuchen für Tante Mathilda
Das Rätsel
Die Grundidee mit den übermalten Bildern ist klassisch, aber solide. Dass Justus die Lösung anhand von Skizzen und der 'Oberflächenstruktur' herleitet, ist typisch für ihn. Der Hörer kann die Verbindung zwischen Anita und dem ausgesetzten Kind gut vorausahnen, was aber der Spannung keinen Abbruch tut.
Plot & Logik
Ein kleines Logikloch bleibt: Warum hat Samuel Rothman die belastenden Bilder nicht einfach vernichtet, statt sie nur zu übermalen und zu behalten? Justus erklärt dies zwar mit Sentimentalität, aber für einen skrupellosen Geschäftsmann ist das ein großes Risiko. Der Plan von Escovedo, Peter einfach aufs Meer treiben zu lassen, wirkt zudem unnötig kompliziert.
Kapitel
1 Ein alter Bekannter 0:00 min
2 Diebesgut 8:39 min
3 Ein paar Jahre auf dem Buckel 11:20 min
4 Entwischt 12:52 min
5 Kindheitsträume 16:11 min
6 Zeichen und Symbole 18:00 min
7 Neugierige Rechtsanwältin 19:51 min
8 Wichtige Information 21:12 min
9 Das Gemälde mit dem Schiff 22:47 min
10 Schlüssel zur Herkunft 24:19 min
11 Der Gründer von "Rothman-Oil" 31:15 min
12 Herzanfall 44:55 min
13 Entscheidende Phase 50:50 min
14 Einbruch 55:42 min
15 Die letzte Fahrt der "Gwendolyn" 57:07 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Er ist in Hochform. Sein Monolog bei der Auflösung ist brillant, besonders der Satz: 'Allzu oft erfreuen wir uns an der Annehmlichkeit der eigenen Meinung, ohne uns der Unannehmlichkeit des Nachdenkens unterzogen zu haben.'
P
Peter Shaw
Leider hat er im Hörspiel das Nachsehen. Sein Überlebenskampf auf See findet fast komplett 'off-screen' statt und wird nur kurz am Telefon und am Ende erwähnt. Hier wurde Potenzial verschenkt.
B
Bob Andrews
Solide Recherchearbeit. Er assistiert Justus gut bei Horowitz und bei der Infiltration des Rothman-Anwesens, hat aber keine herausragenden Solomomente.

Sprecher

Verwandte Folgen

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